Ivan Klasnic spielte sieben Jahre für Werder Bremen in der Bundesliga und wechselte vor der Saison 2008/09 nach Frankreich zum FC Nantes.

Vor kurzem war er mit seinem neuen Club bei AS Saint-Etienne zu Gast. Im Interview mit bundesliga.de spricht der Stürmer über den Achtelfinal-Gegner der Bremer (ab 20:15 Uhr im Live-Ticker).

bundesliga.de: Herr Klasnic, zu erst die wichtigste Frage: Wie geht es Ihnen gesundheitlich?

Ivan Klasnic: Danke, mir geht es sehr gut. Meine Krankheit ist jetzt fast zwei Jahre her und ich kann ohne Probleme wieder Fußball spielen. Momentan sitze ich hier in Frankreich gerade bei 18 Grad in der Sonne und erhole mich vom Training. Wir haben hier schon Frühling, anders als in Deutschland.

bundesliga.de: Was unterscheidet den Fußball in der Bundesliga von der französischen Ligue 1?

Klasnic: In Frankreich wird deutlich defensiver gedacht und gespielt. Wichtig ist, dass die Abwehr sicher steht, daher spielen die Teams nur mit einem richtigen Stürmer. Dahinter agiert dann ein weiterer Offensiver, entweder ein Stürmer oder ein Mittelfeldmann. Auf der Außenbahn agieren dann eine Art Halb-Stürmer, die aber auch viel nach hinten arbeiten müssen. In der Regel orientieren sich sechs oder sieben Mann immer mehr nach hinten. In den letzten Partien habe ich meistens hinter der einzigen Spitze gespielt.

bundesliga.de: Ihr Ex-Verein Werder Bremen tritt zum Achtelfinal-Rückspiel im UEFA-Pokal bei AS St. Etienne an. Wie beurteilen Sie den 1:0-Sieg im Hinspiel?

Klasnic: Im Hinspiel war Werder gerade in der ersten Halbzeit klar besser. Im zweiten Durchgang haben sie etwas nachgelassen und St. Etienne hätte, wenn sie etwas cleverer gewesen wären, ein Tor erzielen können. Tim Wiese hat in der Schlussphase zwei Mal ganz stark pariert.

bundesliga.de: Am 8. März haben Sie mit Ihrer Mannschaft in St. Etienne gespielt und das 1:0 erzielt. Am Ende reichte es aber nicht zum Sieg (1:2, Anmerk. d. Red.). Was sind die Stärken der Mannschaft?

Klasnic: Gegen uns waren fünf, sechs Spieler dabei, die gegen Bremer nicht auf dem Platz standen. Die Jungs hatten schon eine gewisse Qualität. Sie haben einige kleine Spieler, die sehr schnell und wendig sind. Zudem werden sie durch die tolle Stimmung im eigenen Stadion hoch motiviert sein.

bundesliga.de: Stürmer Ilan und der knallharte Verteidiger Tavlaridis sind gegen Werder wieder dabei. Wichtige Säulen bei St. Etienne?

Klasnic: Gegen uns hat Ilan zwei Treffer gemacht. Er hat einen guten Schuss und eine starke Technik. Man muss aber sagen, dass alle über eine sehr gute Technik verfügen. Efstathios Tavlaridis ist unheimlich kopfballstark. Am Boden hat er etwas Probleme, aber im direkten Zweikampf ist er ein harter Brocken. Genauso wie Bayal Sall, das ist ein echter Bulle. Glück für Werder, dass Blaise Matuidi wegen Verletzung nicht spielen kann. Gegen uns hat er ganz stark gespielt, er zieht die Fäden im Mittelfeld und hat mit 21 Jahren schon unglaubliche Fähigkeiten. Arsenal London soll an ihm interessiert sein. In der Offensive spielt noch Dimitri Payet, auch ein interessanter Mann. Bixente Lizarazu hat neulich über ihn gesagt, dass er der neue Ribery ist. Auch auf den Japaner Daisuke Matsui sollte man achten, der hat im Hinspiel auch nicht gespielt.

bundesliga.de: Werder Bremen hatte in dieser Saison einige Schwierigkeiten. Jetzt scheint das Team von Thomas Schaaf wieder in die Spur gefunden zu haben. Wie sehen Sie die Lage in Bremen?

Klasnic: Ich denke, dass sie jetzt in Tritt gekommen sind. Aber um oben ran zukommen, vielleicht etwas spät. Sie haben auf den 5. Platz elf Punkte Rückstand, das ist ganz schwer aufzuholen. Neben dem UEFA-Pokal stehen sie ja auch noch im Halbfinale des DFB-Pokals, da können sie noch einiges erreichen.

bundesliga.de: Wie weit kann Werder im UEFA-Pokal kommen?

Klasnic: Man muss abwarten, wer es ins Viertelfinale schafft. Es sind noch einige gute Mannschaften dabei und auf keinen Fall darf man jemanden unterschätzen. Gegen den SC Braga habe ich zum Beispiel letztes Jahr mit Bremen gespielt. Wir sind zwar weiter gekommen, aber es waren schwere Spiele. Man braucht bei der Auslosung auch ein wenig Glück, aber Bremen hat auf jeden Fall alle Möglichkeiten.

bundesliga.de: Wie wichtig ist Spielmacher Diego für Werder? Sie haben zwei Jahre mit ihm in Bremen gespielt.

Klasnic: Diego ist natürlich immens wichtig für Werder. Man kann deutlich sehen, wie variabel das Spiel mit ihm ist. Er nimmt das Spiel in die Hand, zieht die Fäden und setzt die Stürmer gut in Szene. Diego selbst sorgt auch für Torgefahr, nicht nur durch seine Freistöße.

bundesliga.de: Wie lautet Ihr Tipp für das Spiel?

Klasnic: Ich glaube schon, dass Bremen weiterkommt. Es wird natürlich nicht einfach, aber ein Unentschieden reicht ja schon. Man weiß aber auch nicht, was St. Etienne will. Trainer Alain Perrin hat ja gesagt, dass er angeblich nicht weiterkommen will, damit es in der Liga besser läuft. Ob das wirklich erst gemeint ist, weiß ich nicht.

bundesliga.de: Wann sehen die Fans Ivan Klasnic wieder in der Bundesliga?

Klasnic: Das kann ich nicht beantworten. Ich fühle mich hier beim FC Nantes sehr wohl und wir wollen noch einiges erreichen. Der Verein ist ja gerade erst wieder in die erste Liga aufgestiegen.

Das Gespräch führte Mark Schnell