Hilflos, ratlos und am Ende chancenlos: Werder Bremen hat im 38. und letzten Endspiel um den UEFA-Cup eine bittere Niederlage kassiert. Der deutsche Vizemeister verlor in Istanbul gegen Schachtjor Donezk mit 1:2 (1:1, 1:1) nach Verlängerung und war mit diesem knappen Resultat noch gut bedient.

Für den viermaligen ukrainischen Champion war es der erste Triumph im Europapokal.

Verdiente Führung

Vor 40.000 Zuschauern im Sükrü-Saracoglu-Stadion von Istanbul war Donezk von Beginn an die überlegene Mannschaft und ging in der 25. Minute durch Luiz Adriano in Führung. Der Brasilianer nutzte einen Stellungsfehler von Sebastian Prödl und ließ Werder-Torwart Tim Wiese keine Abwehrmöglichkeit.

Praktisch aus dem Nichts gelang den Hanseaten zehn Minuten später der Ausgleichstreffer. Donezk-Torhüter Andriy Pyatov ließ einen haltbaren Freistoß von Naldo durch seine Hände ins Tor gleiten. Für die Entscheidung sorgte Jadson in der 97. Minute.

Wiese hält Werder im Spiel

Unter den Augen von Bundestrainer Joachim Löw und DFB-Präsident Theo Zwanziger kamen die Norddeutschen nie richtig ins Spiel. Wie insgeheim befürchtet, wurden der gelbgesperrte Mittelfeldregisseur Diego und auch der verletzte Nationalverteidiger Per Mertesacker schmerzlich vermisst und konnten nicht adäquat ersetzt werden.

Umso deutlicher trat stattdessen die spielerische Überlegenheit der Ukrainer zutage, die alle fünf in ihrem Kader stehenden Brasilianer aufgeboten hatten und damit der Hintermannschaft des Bundesliga-Zehnten immer wieder Rätsel aufgaben.

Das Team von Coach Thomas Schaaf konnte sich bei Wiese bedanken, dass es nicht schon zur Halbzeit in Rückstand lag. Der Keeper parierte in der 41. Minute einen Distanzschuss von Mariusz Lewandowski in großartiger Manier, sieben Minuten nach Wiederbeginn musste er erneut sein gesamtes Können und seine Reaktionsschnelligkeit aufbieten, um einen gefährlichen Freistoß von Jadson in letzter Sekunde zu entschärfen. In dieser Phase hätte Donezk bereits für eine Vorentscheidung sorgen können.

Donezk baut nicht ab

Die Hoffnungen der Norddeutschen, Jung-Nationalspieler Mesut Özil könne für Diego in die Bresche springen, erfüllten sich nicht. Der türkischstämmige Mittelfeldspieler wirkte wie ein Fremdkörper im Team und konnte für seine Mannschaftskameraden keinerlei Impulse setzen. Die rund 5000 mitgereisten Bremer Fans, die zu Beginn der Partie noch häufig lautstark auf sich aufmerksam gemacht hatten, verstummten immer mehr.

Obwohl die Mannschaft des rumänischen Trainers Mircea Lucescu praktisch von der ersten Minute an hohes Tempo gegangen war, machten sich im Verlauf der zweiten Halbzeit auch keinerlei Konditionsprobleme bemerkbar. Im Gegenteil: Der sechsmalige ukrainische Pokalsieger, der erstmals in seiner Vereinsgeschichte ein europäisches Finale erreicht hatte, beherrschte weiterhin das Spielgeschehen, den Bremern blieb zumeist nur die Zuschauerrolle.

Zweite Chance in Berlin

Werder bleibt nun nur eine Chance, sich im letzten Moment doch noch für einen internationalen Wettbewerb zu qualifizieren. Am Pfingstsamstag trifft der Europapokalsieger von 1992 im Berliner Olympiastadion im Endspiel um den DFB-Pokal auf den Bundesliga-Rivalen Bayer Leverkusen.

"Wir wollen auf keinen Fall zwei Mal ein Endspiel verlieren, das wäre ein ganz trauriges Saisonende", hatte Bremens Torjäger Claudio Pizarro schon vor dem Finale im Stadion von Fenerbahce Istanbul gesagt.