Werder und Hertha wollen 2020/21 eine bessere Rolle spielen als in der vergangenen Spielzeit - © Lukas Schulze/Bundesliga/Bundesliga Collection via Getty Images
Werder und Hertha wollen 2020/21 eine bessere Rolle spielen als in der vergangenen Spielzeit - © Lukas Schulze/Bundesliga/Bundesliga Collection via Getty Images
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Ruhe nach dem Sturm: Werder Bremen trifft am 1. Spieltag auf Hertha BSC

Langweilig wurde es mit dem SV Werder Bremen und Hertha BSC im vergangenen Jahr eigentlich nie, aber beide Clubs hätten auf die Turbulenzen der Spielzeit 2019/20 sicherlich gerne verzichtet. Nun soll für beide Clubs eine ruhigere und vor allem erfolgreichere Saison folgen. Am 1. Spieltag wird dieses Vorhaben im direkten Duell auf die Probe gestellt.

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Wenn nach dem letzten Abpfiff der Saison ein ganzer Club im Freudentaumel ist, dann ist das meistens ein gutes Zeichen. Im Falle des SV Werder war es in diesem Sommer aber nur die grenzenlose Erleichterung, dass man den zeitweise fast sicher scheinenden Abstieg noch vermeiden konnte. Dementsprechend kritisch fiel nach einer kurzen Zeit der puren Erleichterung das Fazit der Verantwortlichen aus. Der einhellige Tenor: So eine Spielzeit darf sich nicht mehr wiederholen.

Dafür wurde in der Sommerpause einiges umgekrempelt. Cheftrainer Florian Kohfeldt und Geschäftführer Sport Frank Baumann trieben gemeinsam einige Umstrukturierungen voran und reagierten damit auf in der Saisonanalyse erkannte Defizite. Mit Danijel Zenkovic bekommt Kohfeldt einen neuen Assistenten an die Seite, der in der vergangenen als Co-Trainer seinen Anteil am überraschenden Erfolg des TSV Hartberg in der österreichischen Bundesliga hatte. Darüber hinaus wurde im Bereich des Athletik-Trainings aufgestockt und der Bereich der Spielanalyse personell neu besetzt. Außerdem rückt Clemens Fritz als Leiter Scouting und Profifußball näher an die Mannschaft heran.

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Das Team um das Team hat sich also sehr verändert, aber auch im Spielerkader hat sich einiges getan. Claudio Pizarro, Nuri Sahin, Philipp Bargfrede, Sebastian Langkamp und Fin Bartels haben den Club verlassen und auch die Winter-Leihe Kevin Vogt ist nicht mehr da. In der Stammelf hatte aus diesem Sextett zuletzt nur Vogt gestanden. Der Hoffenheimer war auch ein wichtiger Faktor in der erfolgreichen Wende zum Klassenerhalt. Nominell nimmt Vogts Position im Kader Patrick Erras ein, der ablösefrei aus Nürnberg an die Weser wechselte. Der 25-Jährige hinterließ bislang einen sehr guten Eindruck und könnte in der kommenden Saison überraschen.

Außerdem wurde mit Tahith Chong ein sehr interessanter Flügelstürmer von Manchester United ausgeliehen, der dem Bremer Spiel mit seinem Tempo sehr gut tun könnte. Außenverteidiger Felix Agu (VfL Osnabrück) und Romano Schmid (2019/20 an den Wolfsberger AC verliehen) haben sicherlich auch das Potenzial, sich in der Bundesliga durchzusetzen. Insgesamt wurde der Bremer Kader im Vergleich zum Vorjahr deutlich verjüngt und bietet viele spannende Optionen. Anders als im Vorjahr gibt es zum Saisonstart aber kein konkretes Saisonziel, sondern man will an der Weser einfach wieder attraktiven und  erfolgreicheren Fußball spielen - und Vorbereitung und Schlussphase der Vorsaison machen da durchaus Mut. In der Tabelle der Spieltage nach der Bundesliga-Pause lagen die Bremer mit 13 Punkten auf Rang 9 - und in der Vorbereitung eilt die Kohfeldt-Truppe spielerisch durchaus überzeugend von Sieg zu Sieg.

>>> Der 1. Spieltag im Überblick

Hertha BSC wird zum Auftakt der Bundesliga aber sicher noch einmal ein anderes Kaliber. Anders als in Bremen, wo Florian Kohfeldt trotz der akuten Abstiegsgefahr immer Sicher im Amt war, versuchte man in der Hauptstadt, über Wechsel auf der Trainerbank Impulse zu setzen. Auf Ante Covic folgte Jürgen Klinsmann, nach dessen Rücktritt übernahm Alexander Nouri, aber erst Bruno Labbadia schaffte es, sich mit der Hertha deutlich von der Abstiegszone abzusetzen. Nach zehn Punkten in den ersten vier Partien unter dem neuen Coach schnupperten die Berliner zeitweise sogar am Europapokal, aber von den letzten fünf Partien gingen vier verloren.

Vielleicht der Schlüsselspieler beim Berliner Aufschwung war Matheus Cunha, der nach seinem Wechsel aus Leipzig nach Berlin in der Winterpause richtig aufdrehte. In seinen elf Einsätzen für Hertha erzielte der Brasilianer fünf Treffer. Cunha dürfte auch in der kommenden Saison das Herz der Offensive bleiben. Ansonsten hat Michael Preetz für Bruno Labbadia aber einiges an neuem Personal verpflichtet. Allen voran natürlich Lucas Tousart, der von Olympique Lyon an die Spree gewechselt ist und den zum FC Liverpool zurückgekehrten Marco Grujic ersetzen soll. Aber auch Deyovaisio Zeefuik und Alexander Schwolow haben gute Chancen auf einen Stammplatz. Außerdem ist der im Winter verliehene Ondrej Duda wieder da und darf unter Labbadia auf eine neue Chance hoffen. Der Slowake hat in der Saison 2018/19 mit elf Saisontreffern schon eindrucksvoll bewiesen, zu was er in der Lage ist.

Wie Grujic haben auch die langjährigen Berliner Vedad Ibisevic und Per Skjelbred den Club verlassen. Das dürfte die Chance für Wintertransfer Krzysztof Piatek sein, sein Können im Sturmzentrum konstant unter beweis zu stellen. Der Pole verfügt über sehr gute Anlagen und knipste in der Serie A 2018/19 gleich 22 Mal. Der 25-Jährige ist sicherlich einer der Spieler, von denen man in der kommenden Saison einen Leistungssprung erwarten kann.

Der Kader der Berliner wirkt auf dem Papier stärker als in der vergangenen Saison, aber ein genaues Saisonziel ist damit zumindest öffentlich nicht verbunden. "Eine konkrete Zielsetzung werden wir mit den Spielern intern besprechen. So viel kann ich sagen: Ganz allgemein wollen wir uns verbessern zur letzten Saison. Wir wollen uns weiterentwickeln und auch unsere Spieler fördern", so Geschäftsführer Michael Preetz. Tousart und Zeefuik machten allerdings bei ihren Vorstellungen kein Hehl daraus, dass sie mit Hertha BSC mittelfristig europäisch spielen wollen. Der Auftakt in Bremen wird die ersten Erkenntnisse liefern, wie kurzfristig mittelfristig ist.