Der auf die Sekunde pünktliche Schlusspfiff von Schiedsrichter Manuel Gräfe war wie eine Erlösung. Wo sie gerade standen, sanken die Profis von Werder Bremen nach dem 1: 1 (1:0) gegen Borussia Dortmund ermattet auf den Rasen des ausverkauften Weserstadions. Nur Torhüter Tim Wiese hatte noch die Kraft, sich mit den üblichen Gesten beim Publikum für die Unterstützung zu bedanken.

"Bei uns ist der Akku leer, es ging gar nichts mehr. Dafür muss jeder Verständnis haben. Wir müssen jetzt die Zeit nutzen und wieder zu Kräften kommen", sagte der Keeper, der die Hauptverantwortung dafür trug, dass bei allem Kräfteverschleiß auch das 19. Pflichtspiel hintereinander ungeschlagen überstanden wurde. Werder-Geschäftsführer Klaus Allofs: "Seit Wochen ist Tim blendend drauf, das ist schon fast Normalform geworden."

"Ergebnis geht voll in Ordnung

Zwar wuchs durch dieses Remis der Rückstand des Tabellenzweiten auf Spitzenreiter Bayer Leverkusen auf drei Punkte an, dennoch war man bei den Hanseaten froh, gegen die spielstarken Gäste nach acht englischen Wochen in Folge nicht noch verloren zu haben. "Wir hatten gegen Ende einfach nicht mehr die Ballsicherheit, deshalb geht das Ergebnis auch völlig in Ordnung", sagte Werder-Coach Thomas Schaaf.

Denn nachdem Lucas Barrios in der 54. Minute den 1:0-Vorsprung des deutschen Pokalsiegers durch eine sehenswerte Direktabnahme von Mesut Özil (36.) ausgeglichen hatte, waren die Gäste einem nicht unverdienten Sieg mehrfach sehr nahe. "Aber dafür hätten wir ein zweites Tor schießen müssen und das ist uns eben nicht gelungen, resümierte BVB-Coach Jürgen Klopp, dessen Team aber seine Auswärtsstärke (fünfmal in Folge ungeschlagen) unterstreichen konnte.

Boenisch künftig für Polen?

Unterdessen wurde bekannt, dass Sebastian Boenisch möglicherweise dem DFB den Rücken kehren wird. Der polnisch-stämmmige Außenverteidiger sieht bei Bundestrainer Joachim Löw keine realistischen Perspektiven und liebäugelt daher mit dem Nationaltrikot seines Geburtslandes.

Nach einem Gespräch mit Polens eigens in die Hansestadt gereisten neuen Auswahltrainers Franciszek Smuda hat sich der Defensivspieler, der 13-mal in der deutschen U21-Auswahl berücksichtigt worden war, aber noch Bedenkzeit erbeten: "Eine schwierige Entscheidung, bei der ich mir Zeit lassen werde. Ich möchte vorher auch noch ein paar andere Meinungen hören."

Smuda selbst jedenfalls ist von seinen Überredungskünsten überzeugt. "Sebastian wird zu 99 Prozent für die polnische Nationalmannschaft spielen", sagte der Coach der Warschauer Sportzeitung "Przeglad Sportowy".