Für Bayer Leverkusen und Werder Bremen geht es am Samstag im 66. Pokalfinale in Berlin nach einer enttäuschenden Bundesliga-Saison um Alles oder Nichts. Nur der Sieger gelangt noch durch die Hintertür in die Europa League.

"Das ist ein Fifty-Fifty-Spiel. Beide Mannschaften stehen unter Druck", meint Bayer-Sportchef Rudi Völler. Und auch Werder-Manager Klaus Allofs kann vor dem Showdown im ausverkauften Olympiastadion keinen Favoriten ausmachen: "Es hängt von der Tagesform ab. An guten Tagen gehören beide Teams zur nationalen Spitze."

"Das Finale ist die Erfüllung eines Traumes"

Viele gute Tage hatten aber sowohl Bayer als auch Werder in der Bundesliga nicht. Auf den Plätzen 9 und 10 hinkten sie den Ansprüchen hinterher. So droht den Bremern, die in der vergangenen Woche auch noch das UEFA-Pokal-Finale gegen Schachtjor Donezk (1:2) verloren hatten, nach fünf Jahren in der Champions League sogar ein Jahr ohne internationales Geschäft. "Das wäre nicht gut", sagt Allofs.

Bayer-Coach Bruno Labbadia schiebt die Gedanken an die enttäuschende Spielzeit bei Seite. "Das blende ich aus. Das Finale ist die Erfüllung eines Traumes. Das ist etwas ganz Besonderes, ein Riesen-Erlebnis, alles andere ist erst einmal nebensächlich", schwärmt der Coach und spricht aus Erfahrung. 1990 schoss der gebürtige Hesse mit zwei Treffern den 1. FC Kaiserslautern beim 3:2-Sieg über Werder zum Cupsieg.

Leverkusen hat in den letzten Jahren nicht so gute Erfahrungen mit den "Grün-Weißen" im Pokal gemacht. In vier Duellen behielt Werder vier Mal die Oberhand, dafür blieb der "Werksclub" in dieser Saison (ein Sieg, ein Unentschieden) gegen die Mannschaft von Trainer Thomas Schaaf ungeschlagen.

Diego: "Ich will dem Verein etwas zurückgeben"

Das soll sich laut Superstar Diego diesmal ändern. "Ich will dem Verein etwas zurückgeben. Das wird das wichtigste Spiel meiner bisherigen Karriere. Der Sieg im DFB-Pokal ist mein Traum", sagt der Brasilianer, der im Sommer zum italienischen Rekordmeister Juventus Turin wechselt.

Vorher kommt es für Diego aber im Mittelfeld zum großen Duell der Ballzauberer gegen seinen Landsmann Renato Augusto. Nicht zuletzt deswegen ist Völler von einem "tollen Endspiel" überzeugt: "Vielleicht sehen wir das Duell der fußballerisch besten Mannschaften in Deutschland. Das hört sich vielleicht blöd an, wenn der Neunte gegen den Zehnten spielt, aber beide Mannschaften spielen nach vorne und haben ein großes fußballerisches Potenzial."

Kaum personelle Sorgen

Für einen Pokal-Schlager ist also alles angerichtet. Hinzu kommt, dass beide Trainer quasi auf ihre beste Elf zurückgreifen können. Bei Werder fehlt lediglich Nationalspieler Per Mertesacker (Bänderriss), dafür ist Außenverteidiger Sebastian Boenisch (Bänderdehnung) rechtzeitig wieder fit. Bei Bayer dürften der wiedergenesene Nationalspieler Bernd Schneider und Jungstar Toni Kroos zunächst als Joker auf der Bank sitzen.

Der Weg nach Berlin war für Werder wohl der beschwerlichere. Die Norddeutschen hatten ausschließlich Auswärtsspiele - ein Novum - und mussten dabei gegen Borussia Dortmund, Meister VfL Wolfsburg und den Nordrivalen Hamburger SV ran. Leverkusen schaltete unterdessen im Viertelfinale Rekord-Pokalsieger Bayern München aus.

"Wir fühlen uns in Berlin sehr wohl. Das ist immer wieder ein Erlebnis", sagte Schaaf. Für den Coach wäre es der dritte Pokalsieg nach 1999 und 2004, für Werder gar der fünfte. Auf eine derartige Erfolgsbilanz können die Rheinländer nicht verweisen. Lediglich 1993 - durch ein 1:0 gegen die Amateure von Hertha BSC Berlin - wanderte der Pott nach Leverkusen.

Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:

Leverkusen: Adler - Castro, Friedrich, Sinkiewicz, Kadlec - Rolfes - Renato Augusto, Vidal, Barnetta - Kießling, Helmes

Bremen: Wiese - Fritz, Prödl, Naldo, Boenisch - Baumann - Frings, Özil - Diego - Hugo Almeida, Pizarro

Schiedsrichter: Helmut Fleischer (Sigmertshausen)