Seit einer guten Woche sitzt Friedhelm Funkel bei Hertha BSC auf der Trainerbank. Der 55-Jährige soll der "Alten Dame" neues Leben einhauchen und den Hauptstadtclub aus den Abstiegsregionen führen. Doch Hertha und Funkel - passt das zusammen?

Wer anders als Marko Rehmer könnte diese Frage beantworten: Der Ex-Nationalspieler spielte sechs Jahre für Berlin, bevor er nach Frankfurt wechselte und dort unter Funkel trainierte. bundesliga.de sprach mit Rehmer über die aktuelle Lage beim Hauptstadtclub und den neuen Hertha-Coach.

bundesliga.de: Herr Rehmer, Sie haben lange Zeit bei der Hertha gespielt. Die "Alte Dame" belegt derzeit den letzten Tabellenplatz. Leiden Sie mit der Hertha noch mit?

Marko Rehmer: Natürlich, ich habe sechs Jahre für diesen Club gespielt und bin mit dem Verein noch verbunden. Ich versuche auch, zu jedem Heimspiel zu kommen. Zudem schaue ich mir die Ergebnisse und die aktuelle Situation an.

bundesliga.de: Wo liegen die Hauptprobleme der Hertha? Sie haben Sie ja zumindest in den Heimspielen spielen sehen.

Rehmer: Da gibt es viele Ansatzpunkte. Zum einen läuft es in der Defensive nicht rund, das belegt die Tordifferenz von minus 13 Treffern. Aber daran ist nicht nur die Abwehr schuld, sondern die gesamte Defensivarbeit. In der Offensive fehlt derzeit ein Spieler, der vielleicht auch mal aus einer nicht ganz 100-prozentigen Chance ein Tor macht - so wie es in der vergangenen Saison noch der Fall war.

bundesliga.de: So jemand wie Voronin oder Pantelic?

Rehmer: Ich würde das jetzt gar nicht an Namen festmachen wollen. Es muss einer sein, der nur eine Chance braucht, um ein Tor zu machen. Das würde der Mannschaft sehr gut tun.

bundesliga.de: Vor gut einer Woche hat die Hertha Lucien Favre beurlaubt und Friedhelm Funkel als neuen Cheftrainer verpflichtet. Was haben Sie da im ersten Moment gedacht?

Rehmer: Nach der Beurlaubung von Lucien Favre habe ich schon gedacht: Wenn das einer schaffen kann, dann ist es Friedhelm Funkel. Ich habe ja zwei Jahre bei Eintracht Frankfurt unter ihm trainiert. Er kennt sich aus im Abstiegskampf. Und genau diese Erfahrung ist jetzt wichtig für die Hertha.

bundesliga.de: Sie haben es angesprochen: Sie kennen Friedhelm Funkel aus ihrer gemeinsamen Zeit bei Eintracht Frankfurt. Was ist er für ein Trainertyp, eher ein "harter Hund" oder ein Kommunikator?

Rehmer: Beides. Das fand ich auch sehr gut. Wenn er sieht, dass alle mitziehen und das umsetzen, was er sich vorstellt, ist er ein sehr ruhiger Trainer. Aber er kann auch anders: Es wurde auch schon mal laut in der Kabine. Er schreckt auch nicht davor zurück, mal einen Spieler zu suspendieren. Es ist einfach eine gute Mischung. Er spricht auch viel mit den Spielern und hört sich ihre Meinung an - das war für mich besonders wichtig. Zudem fand ich immer positiv, dass er nie etwas nach außen getragen hat.

bundesliga.de: Wo wird er den Hebel jetzt ansetzen?

Rehmer: Er wird erstmal versuchen, die Defensive zu stabilisieren, so dass in Zukunft einfach weniger Gegentore zugelassen werden.

bundesliga.de: Wie muss man sich als Spieler verhalten, damit man mit Funkel gut auskommt?

Rehmer: Wie bei jedem anderen Trainer auch (lacht). Ich denke, er ist kein Trainer, der nur Spieler haben will, die zu allem "ja" sagen. Er hört sich gerne die Meinungen der Spieler an und nimmt diese auch an. Und wenn man im Training gut mitzieht, ist er ganz entspannt.

bundesliga.de: Was kann ihn auf die "Palme" bringen?

Rehmer: Wenn Spieler nicht richtig mitziehen, kann er schon ungemütlich werden. Oder auch wenn er Spieler sieht, die noch kurz vor einem Spiel um die Häuser ziehen. Er fordert von den Spielern, alles dem Fußball und dem Erfolg unterzuordnen.

bundesliga.de: Was ist er für ein Mensch?

Rehmer: Er ist ein sehr geselliger Mensch. Ich denke, man könnte ihn in Zukunft in Berlin schon das eine oder andere Mal in einem guten Restaurant antreffen. Allerdings steht für ihn natürlich der sportliche Erfolg an allererster Stelle.

bundesliga.de: Passt Friedhelm Funkel zur Hertha, hat die Hertha mit seiner Verpflichtung alles richtig gemacht?

Rehmer: In der jetzigen Situation auf jeden Fall. Er bringt alles mit, was für die Hertha in der aktuellen Lage wichtig ist.

bundesliga.de: Wird die Hertha, Ihrer Ansicht nach, bis zum Saisonende um den Klassenerhalt kämpfen müssen?

Rehmer: Es sind erst acht Spieltage absolviert - da ist überhaupt noch nichts verloren. Jetzt muss man versuchen, am besten schon im nächsten Spiel in Nürnberg - was ein sehr wichtiges Spiel ist - zu punkten. Dann wird man schon relativ schnell da unten rauskommen. Je schneller es geht, umso besser ist es natürlich. Denn die aktuelle Situation stellt für die Spieler eine enorme Belastung dar. Wichtig ist, dass man sich der jetzigen Situation bewusst ist, für den Klassenerhalt arbeitet und nicht anfängt von den internationalen Plätzen zu reden.

bundesliga.de: In Ihren Augen kann das Saisonziel also nur Klassenerhalt heißen?

Rehmer: Natürlich gab es in der Bundesliga immer wieder Mannschaften, die ziemlich lange unten standen und dann doch noch nach oben geklettert sind. Das wäre der Hertha auch zu wünschen. In der derzeitigen Situation muss man einfach von Spiel zu Spiel schauen.

Das Gespräch führte Sven Becker