Mit einem Paukenschlag in Form von 37 Treffern wurde Lucas Barrios auf der Fußball-Weltbühne vorstellig. Bei Borussia Dortmund will er jetzt beweisen, dass er auch in einer Top-Liga bestehen kann.

Es sieht aus wie ein Lehrvideo zur Motivation hoffnungsvoller Nachwuchsstürmer: Im Internet findet sich ein fünfminütiger Clip, der alle 37 Saisontreffer des Welttorschützenkönigs Lucas Barrios für den chilenischen Rekordmeister CSD Colo Colo in chronologischer Reihenfolge zeigt. Wie aus dem Lehrbuch demonstriert der 1,89 Meter große Angreifer dabei - fast - alle Qualitäten, die einen erfolgreichen Stürmer auszeichnen.

Mit der Stiefelspitze

Im Duell Eins-gegen-eins tanzt er den gegnerischen Verteidiger im Strafraum formvollendet aus und lupft den Ball gefühlvoll in die Maschen. Im Luftduell steigt er am höchsten und schließt mit dem Kopf sicher ab. Aus der Distanz netzt er ebenso wuchtig wie präzise ein, am Fünfer steht er goldrichtig und lenkt den Ball mit der Stiefelspitze über die Linie. Einzig die Elfmeter waren seine Sache nicht: Seine zwei Versuche vom Punkt brachte er in der vergangenen Saison nur mit viel Glück im Tor unter.

Doch das sollte seine einzige Abschlussschwäche bleiben: Mit beeindruckenden 37 Treffern in 38 Spielen wurde Lucas Barrios nicht nur bester Torschütze der chilenischen Primera Division und Star der Liga. Er lag auch vier Treffer vor Klaas-Jan Huntelaar von Ajax Amsterdam, dem er damit den Titel des besten Torschützen der Welt im Kalenderjahr 2008 wegschnappte.

Angebote aus Europa

Schon in der Vorsaison waren die Talente des 1984 geborenen Angreifers international aufgefallen: Dieter Hoeneß reiste mehrmals nach Chile - ein Wechsel nach Berlin scheiterte aber an den finanziellen Details. Auch bei Lazio und AS Rom war Barrios im Gespräch, doch auch hier kam kein Transfer zu Stande.

Erst mit Borussia Dortmund konnte eine Einigung erzielt werden und so tritt Barrios in der Saison 2009/10 die Nachfolge von Alexander Frei an, der den BVB in Richtung Basel verlassen hat.

Debüt in der Top-Liga

Es ist die erste richtig große Adresse für den in Argentinien geborenen Angreifer. Von 2003 an verdiente er sich erste Sporen in der Zweiten Liga in Chile und Argentinien, bevor er 2006 beim chilenischen Club Cobreloa aus der Mienenstadt Calama, nahe der Atacama-Wüste, erstmals in der höchsten chilenischen Spielklasse, der Primera Division, zum Einsatz kam.

Hier stellte er seinen Torriecher früh unter Beweis und erzielte in 39 Spielen 26 Tore. So weckte er das Interesse des Haupstadtclubs Colo Colo - so etwas wie der "FC Bayern Chiles" -, der sich daraufhin um die Verpflichtung des Talents bemühte. Barrios gab dem mexikanischen Club CF Atlas den Vorzug, wurde dort aber nicht glücklich. Nach nur 14 Spielen und einem einzigen Treffer wurde die Zusammenarbeit mit Atlas beendet und Barrios nahm das erneuerte Angebot aus Santiago de Chile an.

Auf den Spuren Vidals

Mit dem Wechsel nach Dortmund steht Barrios jetzt vor seiner bisher größten sportlichen Herausforderung. Es wird spannend zu sehen, ob sich der Angreifer auch in einer Top-Liga durchsetzen kann und seine Abschlussstärke weiter zur Geltung bringt.

Tipps, wie man sich in der Bundesliga durchsetzt, könnte er sich von einem anderen einstigen Colo-Colo-Spieler geben lassen: Arturo Vidal wechselte 2007 von Santiago de Chile nach Leverkusen und zählt dort mittlerweile zu den Leistungsträgern.

Norbert Obkircher




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