München - Vier Tore in zwei Pflichtspielen - Artur Sobiech hat sich bei Hannover 96 zur neuen Nummer 1 im Sturm geballert. Mohammed Abdellaoue und Didier Ya Konan, die zusammen immerhin satte 50 Bundesligatore für 96 auf dem Konto haben, saßen in Wolfsburg nur auf der Bank. Ganz zu Schweigen vom immer noch verletzten Mame Diouf. Die Niedersachen haben ein Offensivpotenzial, das in der Bundesliga seinesgleichen sucht.

Trainer Mirko Slomka die Qual der Wahl, wen er im Angriffszentrum aufstellt. Dabei konnte der Pole Sobiech selbst kaum glauben, das er zuletzt der Glückliche war.

"Artur hat seine Chance eindrucksvoll genutzt"



"Ein bisschen überrascht war ich schon, dass ich spiele", sagte Sobiech nach der Partie gegen den VfL Wolfsburg. "Aber jetzt kommt meine Chance. Ich bin in guter Form, habe im Trainingslager gut gearbeitet, bin fit und habe auch gegen Wroclaw gut gespielt."

Sobiech ist neben Comebacker Leon Andreasen der große Gewinner von Hannovers starkem Saisonstart. Mit seinem Doppelpack gegen die "Wölfe" hat der Mittelstürmer ein deutliches Ausrufezeichen gesetzt, nachdem er Abdellaoue und Co. sonst meist nur von der Bank aus begutachten durfte. Zu überzeugend waren die Leistungen der Konkurrenten. Jetzt müssen diese ihrerseits mit ansehen, dass im Moment kein Weg an Sobiech vorbeiführt.

Nach weiteren zwei Treffern in der Europa League gegen Slask Wroclaw schenkte Slomka der "Schnecke", wie Sobiech nach einem von ihm selbst erzählten Witz im Trainingslager liebevoll genannt wird, auch beim Niedersachsenderby das Vertrauen - und der 22-Jährige legte zwei Treffer nach. "Artur hat seine Chance eindrucksvoll genutzt", sagt Slomka und fügt an: "Er ist groß, stark, schnell und nimmt jede Herausforderung an. Dadurch ist er unglaublich gefährlich."

Auf welches System setzt Slomka?



Für das einstige gesetzte Duo Didier Ya Konan und Mohammed Abdellaoue bleibt vorerst nur die Bank. Zusätzlich befindet sich Mame Diouf nach seinem Anriss des Syndesmosebandes noch im Aufbautraining. Der Senegalese war bis zu seiner Verletzung in der vergangenen Rückrunde im Sturmzentrum gesetzt und deutete mit sechs Treffern in zehn Spielen für 96 schonmal an, dass auch er weiss, wo das Tor steht.

Für die Dreifachbelastung aus Bundesliga, DFB-Pokal und Europa League sind Slomkas Rotationsmöglichkeiten hervorragend. Der Coach hat vier erstklassige Neuner für die Position vor dem unverzichtbaren Jan Schlaudraff. Bleibt er bei seinem sehr erfolgreichen 4-4-2 mit zwei defensiven Mittelfeldspielern, werden zwangsläufig drei seiner Top-Stürmer auf der Bank beginnen.

Nur bei einem Systemwechsel auf ein 4-4-2 mit Raute, das Slomka in der vergangenen Saison auch öfter spielen ließ, wäre wieder mehr Platz im 96-Sturm. Doch ob Sobiech, Abdellaoue, Ya Konan oder Diouf: Viel falsch machen kann er eigentlich nicht.

Steffen Hoss