Stuttgart - Viele Interviews hat er noch nicht gegeben, aber nach seinem ersten Tor für den VfB Stuttgart und dem damit verbundenen Klassenerhalt durfte sich bundesliga.de mit ihm unterhalten.

Dabei wurde schnell klar, dass Shinji Okazaki die Umstellung von Japan nach Deutschland schon jetzt bestens gelungen ist.

bundesliga.de: Herr Okazaki, wie groß ist die Freude über Ihr erstes Tor in der Bundesliga und für den VfB Stuttgart?

Shinji Okazaki: Riesengroß natürlich. Schließlich habe ich doch lange darauf warten müssen. Ich war schon oft so kurz davor, aber es hat nie geklappt. Und nun ist es mir ausgerechnet in so einem wichtigen Spiel gelungen. Klassenerhalt geschafft, erstes Tor geschossen - was will ich mehr?

bundesliga.de: Sie sind in einer sehr schweren Situation nach Stuttgart gekommen. Die Mannschaft stand im Tabellenkeller und der Abstieg drohte.

Okazaki: Ja, das ist richtig. Die ersten Monate waren sportlich sehr schwer in Stuttgart, aber wir haben alle sehr hart gearbeitet und immer besser zusammengehalten. Deswegen haben wir es am Ende auch geschafft und sind jetzt alle sehr glücklich.

bundesliga.de: Ihr Trainer Bruno Labbadia meinte des Öfteren, dass er sehr zufrieden mit Ihrer Leistung sei, nur das Tore schießen müssten Sie noch lernen. Hat er Sie schon beglückwünscht?

Okazaki: Da warte ich noch drauf, das wird sicher noch kommen (lacht). Aber der Druck auf meine Person war schon groß, schließlich habe ich viele Spiele auf diesen Treffer warten müssen. Aber jetzt habe ich getroffen - da sind alle vergangenen Chancen egal.

bundesliga.de: "Der Knoten ist geplatzt" - so heißt es zumindest in Deutschland. Erfreuen Sie uns jetzt noch mit vielen weiteren Toren?

Okazaki: Das hoffe ich doch. Vielleicht klappt es ja schon im letzten Spiel in München. Und falls nicht, dann in der nächsten Saison.

bundesliga.de: Die Mannschaft wird heute auf dem Stuttgarter Frühlingsfest ein wenig den Nichtabstieg feiern. Wissen Sie denn überhaupt, was ein Bierzelt ist?

Okazaki: Ja, so ungefähr, ich bin jedenfalls sehr gespannt. Ich weiß nur eines: Das deutsche Bier ist sehr, sehr stark.

bundesliga.de: Ihre Familie wohnt seit einiger Zeit in Stuttgart. Wie wichtig ist Ihnen dieser Rückhalt?

Okazaki: Sehr wichtig. Bei meiner Familie finde ich Ruhe und Kraft. Das hilft mir natürlich auch im Sport.

bundesliga.de: Sie haben in der japanischen J-League, in Ihrer Nationalmannschaft und in der deutschen Bundesliga insgesamt in etwa 70 Spiele in Folge bestritten. Ein unglaubliches Pensum. Wie sehr freut man sich da auf den Urlaub nach der Saison?

Okazaki: Sehr natürlich. Es ist wichtig, durchzuatmen und einfach einmal die Beine hochzulegen. Ich werde mit meiner Familie sicher nach Japan fliegen, aber wann und wie lange das ist noch nicht geklärt.

bundesliga.de: Können Sie zum Ende des Interviews einmal beschreiben, was die Hauptunterschiede zwischen der japanischen J-League und er der deutschen Bundesliga sind?

Okazaki: In der Bundesliga wird deutlich schneller und körperbetonter gespielt. Es geht immer rauf und runter, auch ein Stürmer wie ich muss mehr nach hinten laufen und verteidigen. In Japan werden gerne viele kurze Pässe gespielt, in Deutschland geht es immer schnell nach vorne, und das auch mit langen Bällen auf die Außenstürmer.

bundesliga.de: Eine Umstellung, die Sie aber scheinbar problemlos gemeistert haben.

Okazaki: Ja, ich denke, ich bin gut in der Bundesliga angekommen.

Das Gespräch führte Jens Fischer