Köln - Der Kreuzbandriss gehört noch immer zu den schlimmsten Verletzungen im Profisport. Dabei ist nicht die Verletzung an sich besonders schlimm, sondern die Tatsache, dass nach einem Riss des vorderen Kreuzbands eine Pause von mindestens fünf bis sechs Monaten eingelegt werden muss – wenn man ihn operieren lässt.

(© Wikipedia)

Eine OP ist nicht zwingend notwendig, theoretisch kann auch ohne bzw. mit gerissenem Kreuzband weiter Profifußball gespielt werden. Das geht aber zu Lasten anderer Strukturen im Knie, wie den Menisken oder den Knorpeln. Auch das hintere Kreuzband kann reißen. Dabei ist die Heilung aber wesentlich unkomplizierter, daher behandeln wir hier eine Ruptur des vorderen Kreuzbands. In den häufigsten Fällen reißt das vordere Kreuzband, wenn ein Spieler im Rasen hängenbleibt.

Dann bewegen sich Ober- und Unterschenkel in verschiedene Richtungen. Oder der Oberschenkel samt Körper bewegt sich weiter, während der Unterschenkel hängebleibt und sich nicht bewegt. Wenn das passiert, trägt das Knie eine zu große Last und das vordere Kreuzband, das die Knochen der beiden Schenkel verbindet, reißt.

Das Kreuzband heilt nicht selbstständig

Eine OP ist dann nötig, weil das Kreuzband im Gegensatz zu den meisten anderen Bändern im Körper nicht selbstständig zusammenwächst. Deswegen werden die Reste des kaputten Bandes entfernt und eine sogenannte Kreuzbandplastik eingesetzt. Das ist im Normalfall ein Teil einer körpereigenen Sehne, kann aber auch das Kreuzband des anderen Knies sein. Oder sogar das eines Toten. Welcher Ersatz auch benutzt wird, die Methode der Operation ist dieselbe.

(© imago)

Die Kreuzbandplastik wird mit selbstauflösenden Schrauben in den Knochen befestigt. Das Knie wird ruhig gestellt, die Sportler tragen eine Orthese (wie Holger Badstuber im Bild) um nicht zu viel Bewegung zuzulassen. Langsam wird dann die Belastung gesteigert, die ersten Laufeinheiten mit vollem Körpergewicht werden normalerweise nicht früher als drei Monate nach der OP absolviert. Dann geht es Schritt für Schritt weiter, nach ca. sechs Monaten sind die meisten Profis wieder im Einsatz. Da das Anwachsen des neuen Bandes aber sehr langsam geht, ist das Risiko eines erneuten Risses, der sogenannten Re-Ruptur bis zu zwölf Monate nach der OP immer noch erhöht.

 

Sebastian Stenzel