So jubeln wie Arjen Robben wollen die Bayern auch am letzten Spieltag wieder - © DFL DEUTSCHE FUSSBALL LIGA / Christian Kaspar-Bartke/Getty Images
So jubeln wie Arjen Robben wollen die Bayern auch am letzten Spieltag wieder - © DFL DEUTSCHE FUSSBALL LIGA / Christian Kaspar-Bartke/Getty Images
Bundesliga

Warum der FC Bayern München doch noch Deutscher Meister werden kann

Köln - Sechs Jahre lang hat der FC Bayern München einsam seine Kreise an der Tabellenspitze der Bundesliga gezogen. Die Bayern waren das Maß aller Dinge, stellten einen Rekord nach dem anderen auf und machten den Meistertitel meist schon frühzeitig klar. Doch in dieser Saison ist alles anders. Nach elf Spieltagen haben die Münchner schon sieben Punkte Rückstand auf Borussia Dortmund. Und doch hat der Rekordmeister noch alle Chancen, seinen Titel erneut zu verteidigen. bundesliga.de erklärt, warum.

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Aktuell scheinen die Zeichen für den Club von der Säbener Straße äußerst schlecht zu stehen. Noch nie in ihrer langen Geschichte in der Bundesliga haben die Bayern einen Sieben-Punkte-Rückstand auf den Spitzenreiter nach dem 11. Spieltag noch aufgeholt. Allerdings haben sie auch selten zu diesem Zeitpunkt so weit zurückgelegen, es fehlte in der Vergangenheit also einfach an Gelegenheiten.

Stuttgart und Wolfsburg als Vorbild

Seit Einführung der Drei-Punkte-Regel wurden nur zwei Mannschaften noch Deutscher Meister, die zu diesem Zeitpunkt in der Saison sieben oder mehr Punkte hinten lagen: der VfB Stuttgart in der Saison 2006/07 und der VfL Wolfsburg 2008/09. Dieser hatte nach dem 18. Spieltag damals sogar elf Punkte Rückstand auf Platz eins und rollte das Feld dann mit 42 Punkten in 16 Spielen (14 Siege, zwei Niederlagen) von hinten auf. Stuttgart stand gar am 26. Spieltag noch bei sieben Zählern Differenz zu Spitzenreiter FC Schalke 04, war am Ende aber zwei Punkte vorne.

Die Münchner müssen jetzt also eine für sie historische Aufholjagd starten. Doch die Vorbilder aus Stuttgart und Wolfsburg machen Hoffnung. Zumal die Bayern auch in ihrer eigenen Geschichte eine ähnliche Aufholjagd stehen haben. In der Saison 2009/10 rangierten die Münchner nach acht Spielen nur auf Platz acht, waren acht Punkte hinter Bayer 04 Leverkusen und dem Hamburger SV auf den Spitzenplätzen. Am Ende aber grüßten sie mal wieder von ganz oben, mit fünf Punkten vor Vizemeister Schalke und gar elf vor Leverkusen.

Hoffnung auf Rückkehr der Verletzten

Thiago war vor seiner Verletzung einer der besten im Bayern-Mittelfeld - © gettyimages / Sebastian Widmann/Bongarts

Schwächeperiode ausnutzen

Den Rekordmeister plagen aktuell große Verletzungssorgen. Top-Spieler wie Kingsley Coman, Thiago, Arjen Robben, James Rodriguez und Weltmeister Corentin Tolisso fallen derzeit aus, wodurch dem Team eine Menge an spielerischer Qualität verloren geht. Auch andere Stars wie Jerome Boateng und Mats Hummels wurden mehrfach durch Blessuren gestoppt. Coach Niko Kovac blieb da bisher wenig Chance zu einer effektiven Rotation. Dabei haben die Bayern die volle Belastung durch Bundesliga, Champions League und DFB-Pokal, der Großteil der Spieler ist zudem häufig mit ihren jeweiligen Nationalmannschaften unterwegs. Sollte sich das Lazarett aber demnächst lichten, so besteht eine große Chance, dass der FCB zu seiner gewohnten Klasse zurückfindet.

Hoffen werden die Bayern auch auf eine Schwächeperiode der Konkurrenz. In der Vergangenheit schaffte es fast keine Mannschaft (außer den Münchnern selbst), über eine komplette Spielzeit hinweg konstant erfolgreich zu spielen. Fast alle hatten irgendwann im Verlaufe der Saison einen Durchhänger. Beim BVB ist dieser bisher noch nicht auszumachen. In der Bundesliga haben die Borussen schon acht Siege bei nur drei Remis eingefahren, über alle Wettbewerbe hinweg hat das Team von Coach Lucien Favre erst eine Niederlage (0:2 gegen Atletico Madrid in der Champions League) kassiert. Können die Schwarz-Gelben das über 34 Spieltage durchziehen?

Am letzten Spieltag schafften Udo Lattek und Lothar Matthäus mit den Bayern 1986 noch den Sprung auf Platz eins - © gettyimages / Bongarts

Bayern ist Bayern

Wenn nicht, dann wollen die Bayern zuschlagen. Zumal sich der Rückstand deutlicher anhört, als er realistisch ist. Immerhin muss der BVB noch zum Rückspiel nach München anreisen. Und in der Allianz Arena gab es zuletzt für die Westfalen nichts zu holen. In den jüngsten vier Bundesliga-Heimspielen gab es für den FCB vier Siege bei 17:3 Toren. Und wenn die Kovac-Elf den direkten Vergleich gewinnt, sind es nur noch vier Zähler. In Zeiten der Drei-Punkte-Regel kein großer Abstand.

Und zu guter letzt ist da noch der Mia-san-Mia-Faktor. Kein anderer Club in Deutschland hat in den vergangenen sechs Jahrzehnten eindrucksvoller bewiesen, dass alles möglich ist. Oft genug lagen die Roten lange in der Saison hinten, um am Ende dann doch die Schale in den Händen zu halten. Sieben Mal wurde Bayern Meister, obwohl sie nach der Hinrunde nicht Herbstmeister waren. Häufig drehten sie den Spieß sogar erst am letzten Spieltag um. Wie 1999/2000 als Leverkusen zum Saisonfinale in Unterhaching verlor und die Bayern im wenige Kilometer entfernten Olympiastadion mit einem 3:1 gegen Bremen vorbeizogen und die Deutsche Meisterschaft klar machten.

Oder in der Saison 1985/86: 33 Spieltage lang standen die Münchner damals nicht auf Platz eins. Aber am letzten Spieltag patzte der SV Werder Bremen 1:2 in Stuttgart - und der FCB war durch seinen 6:0-Sieg gegen Borussia Mönchengladbach Deutscher Meister. An der Säberner Straße werden sie sich daran gerne erinnern - und hätten auch nichts gegen eine Wiederholung.