Zuzenhausen - Rechtzeitig für den Media Day kehrten am Mittwoch auch die beiden aktuell prominentesten Spieler der TSG 1899 Hoffenheim ins Training zurück: Nach einer tollen Saison bei der TSG dürfen sich Kerem Demirbay und Sandro Wagner seit diesem Sommer nicht nur Deutsche Nationalspieler nennen, sondern auch stolze Gewinner des Konföderationencups 2017 mit Deutschland.

Beide Profis stehen für den erstaunlichen Aufstieg des Clubs und einzelner Spieler unter Trainer Julian Nagelsmann. Demirbay, 24, kam vom Hamburger SV vor der Saison, wo er zuvor an Zweitligist Düsseldorf ausgeliehen war. Und Sandro Wagner erlebte nach seinem Wechsel aus Darmstadt bei der TSG noch einmal einen Schub. "Es ist eine schöne Geschichte, wenn man das Blatt innerhalb von zwei Jahren so wenden kann", sagte der 29 Jahre alte Jungnationalspieler nach seiner ersten Trainingseinheit mit den Kollegen. Während Demirbay erzählte, die Confedcup-Erfahrung habe ihn selbstbewusster gemacht, scherzte Wagner, Selbstbewusstsein  habe er schon immer gehabt.

Video: Media Day bei der TSG

Tiefenentspannt nach Urlaubstagen mit der Familie in Italien und Griechenland bestätigte auch Wagner, die Erfahrung bei der Nationalmannschaft genossen zu haben. Drei Länderspiele stehen für Wagner nun im reifen Fußballeralter in der Vita, für Demirbay zwei. Beide TSG-Säulen profitierten dabei auch vom Verzicht des Bundestrainers auf etliche Stammspieler. Die WM im kommenden Jahr sei noch zu weit weg, um die Teilnahme daran jetzt als Ziel auszurufen, sagt Wagner. Auch Demirbay will keine großspurigen Ambitionen hinausposaunen, er sagt: "Ich hoffe, dass der Weg noch nicht zu Ende ist."

"Selbstbewusstsein hatte ich schon immer" Sandro Wagner

Den Urlaub verbrachte der gebürtige Hertener in der Heimat seiner Eltern, auf einer Insel und in Bodrum. Er versichert, es habe "keine Unannehmlichkeiten" gegeben, obwohl ja der türkische Nationaltrainer Fatih Terim fest mit dem Einsatz des Technikers für die "Milli Takim" gerechnet hatte und sich nach der kurzfristigen Entscheidung für Deutschland Empörung in der türkischen Presse über Demirbays Verhalten Bahn gebrochen hatte.

Er sei nun in der Türkei sogar beglückwünscht worden und habe oft ein Foto hier und ein Autogramm dort geben müssen, erzählt Demirbay. Vom Zweitligakicker zum Confedcup-Gewinner innerhalb von zwölf Monaten ist ein rasanter Aufstieg (Demirbay: „Hut ab vor mir selbst.“). Der trickreiche Linksfuß erklärt aber auch: "Ich bin vorsichtig, ich weiß, dass es wieder rückwärtsgehen kann."

Erfolg macht entweder satt - oder Hunger auf mehr Erfolg, gerade bei Profis wie Demirbay und Wagner, deren Karrieren bislang auch von Brüchen gezeichnet waren. „Ich will unbedingt mit Hoffenheim in die Champions-League“, sagt Wagner, „deshalb habe ich hier verlängert.“ Im Juli weitete der bullige Mittelstürmer, dessen Frau und die zwei Kinder in München leben, seinen Kontrakt bei der TSG bis ins Jahr 2020 aus. Angebote aus China und England hatte er zuletzt ausgeschlagen, die Aussicht wie einst mit Werder Bremen nun mit Hoffenheim in der europäischen Königsklasse zu spielen, reizt ihn.

Einen Wunschgegner für die Auslosung zu den entscheidenden Playoffs am 4. August hat er nicht, gewohnt selbstbewusst sagt er: "Wir brauchen uns da auch vor niemandem zu verstecken, egal wie der Gegner heißt. Es ist ja auch nicht angenehm, gegen uns zu spielen." Am Mittwoch trainierte auch Jeremy Toljan nach Nadiem Amiri und Serge Gnabry als letzter der drei U 21-Europameister der TSG erstmals wieder in Hoffenheim.

Den Trainingsrückstand hoffen Demirbay und Wagner bis zu den Champions-League- Playoffs Mitte August aufzuholen. Kerem Demirbay sagt: „Wir haben etwas Besonderes erreicht, aber ausruhen gibt es nicht.“

Aus Hoffenheim berichtet Tobias Schächter