Mit der Nullnummer gegen Barrrios und Co. konnte Heinz Müller zum dritten Mal in dieser Saison seinen Kasten sauber halten.

Im Gespräch mit bundesliga.de erklärt der Schlussmann des 1. FSV Mainz 05, welche Rolle das Wiedersehen mit Jürgen Klopp für die Mannschaft gespielt hat, warum trotz alle Erfolge der Klassenerhalt das primäre Ziel bleibt und warum Trainer Thomas Tuchel für die Mainzer ein absoluter Glücksfall ist.

bundesliga.de: War die Punkteteilung ein gerechtes Ergebnis?

Heinz Müller: Ich denke schon, weil beide Teams über 90 Minuten ihre Chancen zu einem Tor hatten. Wenn Bance kurz vor dem Ende trifft, sind sogar drei Zähler möglich. Aber wir sind nicht unzufrieden mit dem Unentschieden. Es war sicher von beiden Klubs nicht die beste Saisonleistung, aber beide haben anständig gespielt. Darum ist das Remis auch ein faires Ergebnis.

bundesliga.de: Verbucht Mainz einen Punktgewinn in Dortmund immer noch als Überraschung? Oder war das ein Duell auf Augenhöhe?

Müller: Borussia Dortmund ist ein Riesenverein. Wir müssen alle Kräfte mobilisieren und die komplette Mannschaftsleistung muss stimmen, damit wir in Dortmund bestehen können und Punkte mitnehmen.

bundesliga.de: Aber müsste sich Mainz nach dem bisherigen Saisonverlauf nicht langsam mit solchen Mannschaften vergleichen, die in der Tabelle zu den direkten Konkurrenten zählen?

Müller: Unser primäres Ziel bleibt der Klassenerhalt. Wenn wir den geschafft haben und rechnerisch nicht mehr absteigen können, können wir uns gerne neue Ziele setzen. Und das werden wir dann auch öffentlich so formulieren. Aber momentan ist alles fokussiert auf den Klassenerhalt. Da wäre es einfach nur dumm, wenn wir von anderen Zielen sprechen oder uns mit Mannschaften messen, die ins internationale Geschäft wollen. Das ist in dieser Saison und zum jetzigen Zeitpunkt nicht unser Anspruch.

bundesliga.de: Aber ein gesundes Selbstvertrauen hat die Mannschaft schon entwickelt.

Müller: Dass wir uns nicht zu verstecken brauchen, haben die bisherigen Spiele gezeigt. Es ist ein positiver Trend in der Mannschaft. Alle sind lernfähig und auch lernwillig. Das geht step-by-step, da darf man auch keine Riesenschritte erwarten. Aber man sieht die Tendenz. Dass es von Woche zu Woche nach vorne geht und wir im taktischen, im spielerischen Bereich oder auch bei Standardsituationen immer wieder Fortschritte machen. Es ist ein gutes Gefühl, das zu beobachten. Und das gibt uns natürlich auch Selbstvertrauen.

bundesliga.de: Gerade taktisch hat sich Mainz vor allem auswärts als sehr flexibel erwiesen und immer mal wieder mit veränderter taktischer Ausrichtung überrascht.

Müller: Es ist ein absoluter Glücksfall, dass wir einen Trainer haben, der taktisch so geschult und clever ist, dass er uns immer optimal auf den jeweiligen Gegner einstellen kann. Er legt die Schwachpunkte offen und hat auch direkt einen Plan, wie wir dagegen agieren können. Einen Trainer, der das auf diese Art und Weise rüberbringt, hatte ich in meiner Karriere noch nie. Das ist ein echter Vorteil für uns Mainzer.

bundesliga.de: Apropos Trainer: Im Vorfeld der Partie beim BVB war viel über das Wiedersehen mit Jürgen Klopp geredet worden - auch intern?

Müller: Für die Öffentlichkeit war es eine tolle Geschichte, aber die Mannschaft hat sich davon nicht infizieren lassen. Da war keiner beeindruckt und wir haben intern im Vorfeld auch kein Wort über diese Situation verloren. Für uns als Mannschaft zählte allein das Spiel beim BVB – unabhängig, ob Klopp oder ein anderer Trainer auf der Bank sitzt.

bundesliga.de: Als nächster Gegner stellt sich der Hamburger SV in Mainz vor. Mit einem Sieg könnte man auch diesen Verein in der Tabelle überflügeln.

Müller: Das wird ein ganz schwerer Brocken. Aber wir haben zuhause bislang noch nicht verloren. Geben wir alle 110 Prozent und es kommt noch ein bisschen Glück dazu, dann haben wir vielleicht die Chance, auch diese Partie nicht zu verlieren.

bundesliga.de: Mehr nicht? Wollen Sie nicht viel lieber gewinnen?

Müller: Natürlich möchte man immer drei Punkte. Aber das HSV ist klarer Favorit, hat eine starke Mannschaft und vor allem individuell große Klasse in seinem Kader. Da wird es ganz schwer für uns, auch wenn wir vor unseren eigenen Fans spielen. Wenn wir diese Partie am Ende nicht verlieren, dann wäre ich persönlich schon ganz zufrieden.

Das Gespräch führte Dietmar Nolte