Stuttgart - Normalerweise gibt man neuen Mitarbeitern gerne Zeit zum Einarbeiten. Bruno Labbadia aber, der neue Trainer des VfB Stuttgart, wird auf diesen Luxus verzichten müssen. Schließlich heißt der Gegner bei seinem ersten Bundesliga-Spiel auf der VfB-Bank FC Bayern München - und das gleich im "Doppelpack": am Sonntag im letzten Spiel der Hinrunde in der Bundesliga (So., ab 17 Uhr im Live-Ticker) und am kommenden Mittwoch im DFB-Pokal-Achtelfinale.

Zwar konnte Labbadia gegen die spielschwachen Dänen von Odense BK beim lockeren 5:1-Sieg in der Europa League erst einmal ein wenig reinschnuppern. Was ihn aber in den kommenden Wochen erwartet, bekam er dennoch schon zu spüren.

Labbadia bringt frischen Wind

So wirkte Labbadias Mannschaft auch gegen Odense in vielen Teilen des Spiels verunsichert. Das sah der Nachfolger von Jens Keller nach dem Spiel genauso: "Ich habe Dinge gesehen, mit denen wir noch viel Arbeit haben. Die Mannschaft hat auch noch nicht so viel Selbstvertrauen." Insgesamt ist bei den Verantwortlichen und Spielern des VfB vor dem enorm wichtigen Spiel gegen den FC Bayern München aber eine Aufbruchstimmung zu spüren.

Dazu trägt zum großen Teil auch der neue Trainer bei. Immer wieder appellierte Labbadia in den ersten Tagen seiner Amtszeit an den Mannschaftsgeist seiner Spieler. "Wir haben in verschiedenen Formen, verbal, bildlich oder schriftlich, vermittelt, was wir uns vorstellen", erklärte der 44-Jährige unter der Woche. Labbadia gilt als ausgesprochen stark in der Ansprache an seine Spieler, kann motivieren und auch im Training neue Reizpunkte setzen. Das erkannte man auch während der Partie gegen Odense, als er seine Truppe über 90 Minuten nach vorne peitschte und permanent lautstark auf Fehler hinwies.

Das bestätigte auch Christian Gentner: "Der neue Trainer weist uns immer gezielt auf unsere Stärken hin und sagt, dass wir mutig spielen sollen." Das vermittle Selbstvertrauen, so Gentner. Überhaupt waren sich die VfB-Akteure einig, dass bei den ersten Trainingseinheiten ein frischer Wind innerhalb des Teams wehen würde. Dieser wird aber auch dringend nötig sein, wartet zum Abschluss der Hinrunde mit den Bayern doch ein echtes Großkaliber. Für Labbadia ist es also ein absoluter Kaltstart, quasi von Null auf Hundert.

Van Gaal richtet "Fokus auf Platz 2"

Allerdings scheint die Mannschaft von Trainer Louis van Gaal in dieser Spielzeit insbesondere außerhalb der bayrischen Landeshauptstadt schlagbar zu sein. Die Bayern gewannen in dieser Saison nur eins ihrer ersten sieben Auswärtsspiele - das gab es zuletzt vor 17 Jahren. Außerdem ist der FCB seit fünf Gastspielen bei den Schwaben sieglos.

Die Statistik schreckt Coach Louis van Gaal allerdings nicht: "Wir wollen eine Aufholjagd starten, dafür müssen wir eine Serie machen." Trotz 17 Punkten Rückstand auf Tabellenführer Dortmund geht der Blick des Rekordmeisters weiter nach oben, wenn auch nicht ganz nach oben. "Wir müssen unseren Fokus auf Platz 2 richten und dann können wir immer noch sehen", sagt van Gaal.

Philipp Lahm, der wie Stürmer Mario Gomez ("Klar ist das ein etwas anderes Spiel für mich.") einst das VfB-Trikot trug, rechnet allerdings mit einem veränderten VfB: "Also auf keinen Fall ist der Trainerwechsel in Stuttgart ein Vorteil für uns, da jetzt wieder alles neu ist, sich jeder wieder voll konzentriert und jeder einzelne Gas geben wird."

Delpierres Einsatz noch fraglich

Neu-VfB-Coach Labbadia muss zwar auf Johan Audel (Kreuz-, Innen-, und Außenbandriss im Knie), den Rot-gesperrten Ciprian Marica sowie die noch nicht fitten Daniel Didavi und Stefano Celozzi verzichten. Dafür stehen Serdar Tasci und Martin Harnik wohl wieder zur Verfügung. Kapitän Matthieu Delpierre ist zwar erkältet, sein Einsatz entscheidet sich kurzfristig.

Bei den Gästen fehlt im Vergleich zum 3:0.-Erfolg gegen St. Pauli lediglich Toni Kroos (Gipsfuß), dafür rückt der zuletzt grippekranke Gomez wieder in den Kader. Holger Badstuber (Schambein), Danjel Pranjic (Muskelprobleme), Arjen Robben (Aufbautraining) und Ivica Olic (Knie-OP) sind nicht dabei.



Jens Fischer