München/Gelsenkirchen - Clemens Tönnies hat es in der Pressekonferenz am Mittwoch bekräftigt: Für die Trennung von Cheftrainer Felix Magath beim FC Schalke 04 ist "das derzeitige sportliche Ergebnis nicht entscheidend".

Der Aufsichtsratsvorsitzende der "Knappen" durfte sich in den letzten Wochen ja auch über den Viertelfinal-Einzug in der Champions League und das Erreichen des DFB-Pokals freuen. Trotzdem gibt es einen Wettbewerb, in dem die Schalker hinter ihren Erwartungen liegen - die Bundesliga.

Rangnick übernimmt

Ab Montag soll Ralf Rangnick, der bei den "Königsblauen" bis 2014 unterschrieben hat und bereits von September 2004 bis Dezember 2005 dort Cheftrainer war, die Mannschaft auch in der Liga wieder auf Kurs bringen. Denn auch wenn man Magath den Erfolg mit der Vizemeisterschaft im Vorjahr und dem Abschneiden in den K.o.-Wettbewerben in dieser Saison nicht absprechen kann, der Club möchte die aktuelle Bundesliga-Saison ebenfalls positiv beenden.

"Wir stehen im Pokalfinale. Aber das bedeutet nicht, dass wir die restlichen Spiele in der Bundesliga abschenken", meinte Abwehrspieler Christoph Metzelder. "Im Gegenteil: Wir müssen uns in der Bundesliga noch absichern."

Schwere Aufgaben in den kommenden Wochen

Momentan beträgt der Abstand zu einem direkten Abstiegsplatz sieben, zum Relegationsplatz lediglich fünf Punkte. Zudem spielen die "Knappen" noch in Leverkusen, Bremen und München sowie bei den zuletzt sehr heimstarken Kölnern am 34. Spieltag.

Doch was bringt ein Trainerwechsel nach dem 26. Spieltag? bundesliga.de hat einen Blick in die Datenbanken der vergangenen zehn Jahre geworfen und zeigt, was ein neuer Coach noch bewirken kann.

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17 neue Gesichter auf der Trainerbank

Seit der Saison 2000/01 gab es außer Rangnicks Verpflichtung insgesamt 17 Trainerwechsel nach dem 26. Spieltag, die nicht nur vollzogen wurden, um einen Club vor dem Abstieg zu retten. Der derzeitige Leverkusen-Coach Jupp Heynckes folgte im Frühjahr 2009 Jürgen Klinsmann beim FC Bayern München und fuhr mit dem Team aus den letzten fünf Partien 13 Punkte ein. Am Ende holte der FCB auch unter Heynckes nicht mehr den VfL Wolfsburg ein, mit Platz 2 sicherte man aber die direkte Champions-League-Teilnahme ab.

Zudem hatten nicht alle der 17 neuen Trainer überhaupt ein Ziel gesteckt bekommen. Sechs Übungsleiter gingen ohne direkte Vorgaben wie Punktzahl oder Platzierung in die letzten Spiele, nur in Person von Eric Gerets (2003/04, VfL Wolfsburg) übernahm ein neuer Mann das Zepter.

Nur drei Erfolgsgeschichten

Die übrigen elf Trainer hatten klare Vorgaben, die allerdings nur drei Mal eingehalten werden konnten. Neben Heynckes 2009 erreichte Horst Köppel 2004/05 mit Borussia Mönchengladbach sein Ziel - den Klassenerhalt. Köppel übernahm fünf Spieltage vor Schluss das Ruder von Dick Advocaat und hielt die "Fohlen" mit einem Sieg und drei Remis auf Rang 15.

Klaus Augenthaler gelang 2002/03 mit Bayer Leverkusen noch der Klassenerhalt. Zwei Spieltage vor Schluss löste der Weltmeister von 1990 Thomas Hörster ab und fuhr zwei Siege ein. Kurioses Detail bei Augenthaler: Er selbst ist nur zwei Wochen zuvor beim 1. FC Nürnberg entlassen worden, der "Club" stieg ab und somit gehört Augenthalers Nachfolger Wolfgang Wolf zu den glücklosen Trainern im Wechselkarussell kurz vor Saisonschluss.

Zwei späte Wechsel bei Schalke

Denn insgesamt acht Übungsleiter, die nach dem 26. Spieltag ihren Dienst antraten, verpassten ihr Ziel. Außer für Wolf hieß es auch für Friedel Rausch (2001, Eintracht Frankfurt), Gerald Vanenburg (2004, 1860 München), Heiko Scholz (2006, MSV Duisburg), Jörg Berger (2009, Arminia Bielefeld) und Dariusz Wosz (2010, VfL Bochum) Abstieg in die 2. Bundesliga.

Die anderen beiden Trainerwechsel gab es ausgerechnet beim FC Schalke 04. Marc Wilmots löste 2003 Frank Neubarth ebenfalls nach dem 26. Spieltag ab, statt 1,5 Punkte im Schnitt pro Spiel kam der "Eurofighter" aber nur auf 1,25 Zähler. Am Ende schafften es die "Knappen" nicht in den Europapokal.

Schlussspurt wird nicht belohnt

Dass die Punkteausbeute bei den Schalkern nach einem späten Trainerwechsel auch in die Höhe gehen kann, bewies Mike Büskens als er 2008 Mirko Slomka nach dem 28. Spieltag ablöste. Unter Slomka holten das Team 1,71 Punkte pro Spiel, unter Büskens waren es sehr gute 2,67 Zähler. Dennoch verharrten die Schalker "nur" auf Platz 3 und verpassten die angestrebte direkte Champions-League-Qualifikation. In den Playoffs scheiterten sie anschließend an Atletico Madrid.

Die späten Wechsel haben den Schalkern in den letzten Jahren nicht den großen Erfolg gebracht, allerdings richteten die "Knappen" auch nie den Blick nach unten auf die Abstiegszone. Sollte Rangnick aber seinen vormaligen Punktschnitt bei Schalke von zwei Zählern pro Spiel halten, wäre das Abstiegsgespenst ganz schnell vertrieben.

Jessica Pulter