Sinsheim - Auch für Kevin Volland fühlte sich dieses 2:2 am vergangenen Samstag gegen den VfB Stuttgart an wie eine Niederlage. Der Stürmer der TSG Hoffenheim hatte zwei Tore geschossen, einen Elfmeter zum 1:0 sicher verwandelt (33.) und mit einem gefühlvollen Lupfer für die späte, erneute Führung gesorgt (77.). Aber der Ausgleich von Timo Werner in der 90. Minute war auch für Volland ein bitterer Dämpfer. Es wirkt seltsam: Da holt die TSG mal fünf Punkte in drei Spielen nach zuvor nur einem in fünf - und trotzdem gehen die Badener mit einem schlechten Gefühl in die Länderspielpause.

Kevin Volland hat sich seine Berufung in die Nationalmannschaft für die EM-Qualifikationsspiele in Dublin gegen Irland (8. Oktober) und in Leipzig gegen Georgien (11. Oktober) durch starke Leistungen verdient. Der kantige Stürmer war an den letzten fünf Hoffenheimer Toren beteiligt, er erzielte vier selbst und bereite eines vor, insgesamt stehen für ihn fünf Treffer in acht Spielen in der Statistik. Gegen Stuttgart war er zudem effizient wie es selten ein Stürmer ist: Mit zwei Torschüssen gelangen ihm zwei Treffer. Und dennoch saß auch bei ihm der Frust über die am Ende vergebenen zwei Punkte tief, ein Satz nach vorne in der Tabelle wurde verpasst.

Schon wieder die Führung verspielt

Wieder einmal. Und wieder einmal gelang es der TSG nicht, eine Führung über die Zeit zu retten. Schon zum fünften Mal verspielte die Mannschaft von Trainer Markus Gisdol eine Führung in dieser Runde und verlor so sieben Punkte, vier Mal kassierte sie sogar vier Gegentreffer ab der 90. Minute. Schon in der letzten Saison war dies ein Problem diese Mannschaft, die viel Kraftaufwand betreiben muss, um Tore zu erzielen und der am Ende regelmäßig Kraft und somit Konzentration fehlen. Wie die TSG aus dieser Ergebnismalaise, die mit der notorischen Vorwärtsverteidigung der Elf verknüpft zu sein scheint, herauskommen wird, ist eine spannende Frage.

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Kevin Volland jedenfalls geht voran in Hoffenheim, ist auch nach dem Fehlstart derjenige, der versucht, die Mitspieler mit energischer Spielweise mitzureißen. Was zudem Hoffnung gibt, ist die Tatsache, dass  sich Volland immer besser mit seinem neuen Angriffskollegen Eduardo Vargas versteht. Das Zusammenspiel Vollands mit dem technisch begabten chilenischen Nationalspieler könnte künftig ein Erfolgsfaktor für die TSG werden. Vargas hatte gegen Stuttgart mit einem genialen Lupfer Pech, Stuttgarts Torwart Przemysław Tyton lenkte den Ball mit den Fingerspitzen noch an den Pfosten.

"Es ist ab und zu unfassbar"

Vargas steht übrigens auf der 60 Namen umfassenden Liste für die Auszeichnung zum Weltfußballer des Jahres der Fifa, der "Ballon d’Or" wird  kommenden Januar in Zürich verliehen. Vargas hat sich die Nominierung verdient, weil er bei der diesjährigen Copa-America mit Chile nicht nur den Titel gewann, sondern mit vier Treffern auch Torschützenkönig wurde. "Bei der TSG will ich an die bisherigen Leistungen anknüpfen, mich weiter steigern und dem Team in Zukunft noch mehr helfen", erklärte Vargas auf der Homepage der TSG. "Es macht Spaß, mit Edu zu spielen. Man sieht, wie er die Bälle festmacht, wie er sie verlängert. Es ist ab und zu unfassbar", erklärte Kevin Volland nach dem 3:1-Sieg in Augsburg. Volland und Vargas: Das passt in Hoffenheim. Wenn die Elf nun noch endlich lernt, abgezockter in den letzten Minuten zu verteidigen, könnte der Weg der TSG bald nach oben in der Tabelle führen.

 

Aus Sinsheim berichtet Tobias Schächter