Zusammenfassung

  • Dank der Schattenmänner Kevin Vogt, Dennis Geiger und Mark Uth hält die TSG Kurs

  • Das Trio schließt die Lücke, die der Abgang von Rudy und Süle gerissen hat

  • Julian Nagelsmann schwärmt von Youngster Geiger

Sinsheim- Zu seinem 26. Geburtstag nahm Kevin Vogt diesen 2:0-Sieg gegen den FC Schalke 04 am Samstag natürlich gerne als Sahnehäubchen mit. Die gute Laune war dem Kapitän der TSG Hoffenheim trotz der Erschöpfung nach dem Kraftakt anzumerken, glücklich sagte Vogt: "Der Start in die Bundesliga ist uns geglückt."

Dagegen findet sich kein Argument, mit 14 Punkten aus sechs Spielen startete die TSG so gut wie noch nie in eine Bundesligasaison. Die Zahl der nicht verlorenen Heimspiele verlängerte sich auf 21 und Vogt analysierte: "Ja, das war wirklich ein Kraftakt. Fußballerisch haben wir nicht unser bestes Spiel gemacht, wir hatten extrem schwere Beine. Aber es war eine reife Leistung, es steckt eine unglaublich gute Mentalität in dieser Mannschaft."

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Seit Nagelsmann die TSG im Februar 2016 übernommen hat, geht es aufwärts beim Klub von Gesellschafter Dietmar Hopp. Enge, umkämpfte Spiele können die Kraichgauer mittlerweile für sich entscheiden. Erst schaffte der jüngste Bundesliga-Chefcoach der Geschichte den Klassenerhalt, bevor in der letzten Saison Platz vier erreicht wurde. Nach dem Scheitern in den Playoff-Spielen zur Champions-League gegen den FC Liverpool nehmen die Hoffenheimer nun erstmals in ihrer Vereinsgeschichte an der Europa League teil, wo sie am kommenden Donnerstag nach der Auftaktniederlage gegen Sporting Braga (1:2) beim bulgarischen Vertreter Ludogorez Razgrad den ersten Erfolg feiern wollen.

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Man darf gespannt sein, wie die Hoffenheimer die Strapazen der vergangenen Englischen Woche mit dem 3:2-Sieg nach 0:2-Rückstand in Mainz und der anstrengenden Balljagd gegen Schalke verkraften. Bei der Terminhatz der nächsten Wochen fehlen in Innenverteidiger Ermin Bicakcic (Teilruptur des Kreuzbandes) und Kreativachter Kerem Demirbay (Muskelfaserriss) mindestens zwei wichtige Spieler länger. Und gegen Schalke humpelte Nadiem Amiri mit einer Fußprellung verletzt vom Platz. Aber Nagelsmann vertraut seinen Spielern, schon 22 Profis kamen in den rotationsreichen letzten Wochen zu einem Startelfeinsatz.

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Dieser Trainer vertraut seinen Profis und scheut kein Risiko. Bislang läuft es deshalb auch in der Bundesliga so gut. Nagelsmann jammerte noch keine Sekunde über die Weggänge der beiden Nationalspieler Niklas Süle und Sebastian Rudy zum FC Bayern München in diesem Sommer. Nun spielen sich eben andere Profis in der Vordergrund, so wie zum Beispiel Dennis Geiger, der erst 19 Jahre junge Techniker könnte schon eher als gedacht die Lücke schließen, die Rudy auf der Sechserposition hinterlassen hat.

"Ich liebe Spieler, die immer den Ball haben wollen und keine Angst vor Fehlern haben. Und so ist Dennis." Julian Nagelsmann (Trainer TSG 1899 Hoffenheim)
© gettyimages / Alex Grimm/Bongarts

Keine Angst vor Fehlern

Seit der U 12 spielt der gebürtige Mosbacher in Hoffenheim und Julian Nagelsmann lobt: "Ich liebe Spieler, die immer den Ball haben wollen und keine Angst vor Fehlern haben. Und so ist Dennis." Der nur 1, 72 große und 65 Kilogramm schwere Techniker könnte nach Niklas Süle und U 21-Europameister Nadiem Amiri der nächste aus der Reihe der TSG-Akademie-Absolventen sein, der eine außergewöhnliche Laufbahn einschlagen könnte. Der schmächtige Junge, spiele schon "reif“ wie ein Alter und werde immer besser, findet Kevin Vogt.

Dabei gehört Vogt wie Benjamin Hübner und Sandro Wagner zu jenen "Mentalitätsmaschinen" (Nagelsmann), die der Trainer in der vergangenen Saison bewusst dazu verpflichtet hatte, um dem Spiel der TSG-Elf eine physischere Note zu geben. Und der Stürmer Mark Uth, der in Mainz den Siegtreffer in der Nachspielzeit erzielt hat, könne durch Aktionen die Mitspieler wachrütteln, sagt Nagelsmann. Vor der Reise nach Bulgarien sagt Kevin Vogt nun: "Wir freuen uns darauf, das ist die Belohnung für unsere starke letzte Saison." Mit einem Erfolg wäre auch der Bann in der Europa League gebrochen.

Aus Sinsheim berichtet Tobias Schächter