Matthias Fligg ist in etwa der Ralf Rangnick in der Welt des Offiziellen Bundesliga Managers (OBM). Mit akribischer Arbeit in Training, Taktik, Gegnerbeobachtung und Kaderzusammenstellung sowie einem Auge für entwicklungsfähige Spieler gehörte der 36-Jährige mit seinem Team vergangene Saison zu den spielstärksten und erfolgreichsten Mannschaften des OBM.

Anders als Trainer Rangnick in der realen Bundesliga-Welt verfehlte OBM-Trainer "DJ Matze" allerdings den Aufstieg in die höchste OBM-Spielklasse nur haarscharf. Bei bundesliga.de gibt er Tipps für einen erfolgreichen Einstieg in die virtuelle OBM-Welt mit den realen Daten aus der Bundesliga.

bundesliga.de: Wie bist du zum OBM gekommen?

Matthias Fligg: Ich hatte im Live-Ticker letztes Jahr gesehen, dass es das Spiel gibt, mich am 12. Spieltag angemeldet und hatte das Glück, dass ich nach der Rekonstruktion der vorherigen Spiele Zweiter war. Danach war ich natürlich heiß, diese Position zu behaupten oder zu verbessern. Das hat auch gut geklappt. Schließlich habe ich in der Relegation nur knapp den Sprung in die Bundesliga verpasst und spiele jetzt in der 2. Bundesliga.

bundesliga.de: Wieviel Zeit sollte ein Anfänger investieren?

Fligg:: In der Hochzeit und der Euphorie der ersten Erfolge habe ich eine Stunde pro Tag mit OBM-Dingen verbracht, in der Relegationszeit, als es um den Aufstieg in die Bundesliga ging, vier Stunden. Da habe ich aber auch sehr viel Zeit mit Gegneranalyse und Tests zugebracht. Generell würde ich aber sagen, man sollte schon jeden Tag mal reingucken, wie zum Beispiel das Training wirkt. Mit einem Aufwand von ein bis zwei Stunden die Woche kann man schon vernünftig spielen.

bundesliga.de: Wie sollte man den Kader zusammenstellen?

Fligg:: Als ich angefangen habe, habe ich auf vier Stars gebaut und den Rest nur aufgefüllt. Da bin ich ziemlich vorgeführt worden. Ich habe dann angefangen, eher auf die Spielerwerte als auf die Namen zu gucken und habe günstige Spieler mit guten Werten gekauft. Ein Orestes von Hansa Rostock war zum Beispiel vergleichbar mit Manuel Friedrich oder Dede und hat nur ein Drittel von denen gekostet.

bundesliga.de: Was sind denn gute OBM-Werte?

Fligg:: Ich würde keinen Spieler unter 66 Prozent holen, was die Gesamtstärke oder die für seine Position wichtigen Werte angeht. Bei der Schnelligkeit beginnen die guten Werte bei etwa 81 Prozent. Die Topleute haben 83 bis 85 Prozent.

bundesliga.de: Sollte man vom Start-Budget etwas auf der Kante behalten oder alles ausgeben?

Fligg:: Alles ausgeben. Ein Spieler braucht auch im OBM mehrere Wochen Training, um die Werte zu steigern. Da bringen kurzfristige Aktionen nur bedingt etwas. Ausgenommen sind natürlich langfristige Verletzungen. Ein Spieler sinkt dann im Marktwert zu schnell und das braucht Zeit, bis es sich wieder erholt.

bundesliga.de: Das heißt, man muss nicht nur wie ein

Fligg:: Trainer, sondern auch wie ein Manager denken?
Man sollte schon den Marktwert und seine Entwicklung beobachten.

bundesliga.de: Was empfiehlst du in puncto Training?

Fligg:: Man sollte alles durch trainieren, also zum Beispiel nicht nur eine Woche Zweikampf oder Passspiel. Und wenn noch Platz ist, sollte man eine Schwäche noch gesondert trainieren. Freie Tage gibt s bei mir übrigens gar nicht.

bundesliga.de:Da bist du aber ein harter Knochen...

Fligg:: Ja. Die berühmten Fußball-Millionäre müssen bei mir richtig ran. (lacht)

bundesliga.de: Lohnt sich das denn?

Fligg:: Klar. Man kann die Werte mit dem richtigen Training schon ordentlich pushen - man muss halt nur ausprobieren, wie.

bundesliga.de: Wie wichtig sind Testspiele und Pokale?

Fligg:: Das muss man differenzieren. Seit dieser Saison sind die Pokale ja stimmungsabhängig, das heißt die Ergebnisse haben Einfluss auf die Mannschaftsleistung. Deshalb spiele ich die nur noch sehr dosiert. Verliert man, geht nämlich gleich die Moral runter. Die Testspiele hingegen nutze ich schon zur Gegnersimulation oder zum Ausprobieren bestimmter Einstellungen.

bundesliga.de: Sollte man sich die Spiele hinterher im "Stadion" anschauen?

Fligg:: Auf jeden Fall. Die Analyse gibt ja nur einen groben Rahmen. Die Simulation im Stadion aber ist so gut, dass man nicht nur mitfiebern, sondern auch gucken kann, wo es läuft und wo es noch hakt.

bundesliga.de: Was ist denn die beste Taktik?

Fligg:: Das kann man pauschal nicht sagen und hat auch nicht unbedingt was mit dem persönlichen Fußballgeschmack zu tun. Man sollte gucken, wie der Gegner spielt, wo er seine Stärken hat und darauf auch reagieren. Ich kann nicht gegen drei gute Stürmer hinten eine Dreierkette spielen. Ich lege zum Beispiel keinen Wert darauf, Tore zu kassieren, bin mehr so der "Die-Null-muss-stehen"-Typ.

bundesliga.de: Müssen Spieler eigentlich positionsgebunden eingesetzt werden?

Fligg:: Nein, das würde meiner Meinung nach die Sache auch zu komplex machen. Es muss nur der Mannschaftsteil stimmen. Ich habe zum Beispiel mal aus Spaß Cacau ins Tor gestellt und seine Werte sind so in den Keller gegangen, dass sein Abschlag nicht mal aus dem Sechzehner kam. Innerhalb des Mannschaftsteils wird aber kein Unterschied gemacht. So kann man auch mit vier Spielern in der Viererkette spielen, die in der realen Bundesliga eigentlich alle Innenverteidiger sind. Ausgenommen sind natürlich die Defensiv- oder Offensiv-Allrounder, die in zwei Mannschaftsteilen spielen dürfen.

bundesliga.de: Inwiefern verfolgt man die reale Bundesliga anders, wenn man beim OBM mitmacht?

Fligg:: Ich freue mich schon, wenn zum Beispiel Cacau ein Tor macht oder einer meiner anderen Stammspieler auch wirklich auf dem Fußballplatz glänzt. Genauso ärgert mich eine langwierige Verletzung. Andere sind für mich nicht so interessant, obwohl ich sie im Kader habe. Zum Beispiel bei Bayerns Toni Kroos gehe davon aus, dass er noch seine Zeit braucht. Deshalb verfolge ich ihn in der wirklichen Fußball-Welt nicht so, sondern nur seine Wertentwicklung im OBM. Anders ist der Fall bei Kölns Petit. Der hat gute Werte. Da schaue ich dann am Spieltag auch mal genauer hin, wie er sich so macht. Aber insgesamt stimmt das schon, man guckt noch ein bisschen gezielter bei der Bundesliga hin als vorher.