Stuttgart - Die Talfahrt des VfB Stuttgart geht weiter: Pleite gegen Gladbach (zum Spielbericht), Abstiegsgefahr. Zwar waren einige positive Ansätze zu sehen, aber auch viele Schwächen wurden wieder offenbar. Kommt jetzt noch ein neuer Spieler?

Gerade einmal ein paar Wochen im Amt und schon Schwerstarbeit: Nach der bitteren 0:1-Heimniederlage gegen  Borussia Mönchengladbach hatte Stuttgarts neuer Sportvorstand Robin Dutt in den Katakomben der Mercedes-Benz-Arena alle Hände voll zu tun, die missliche Lage der Schwaben zu erklären. Die Pleite gegen die ambitionierten Gladbacher war nach einer geglückten Vorbereitung ein schwerer Rückschlag und bereits die neunte Saisonniederlage. Gerade einmal fünf Punkte haben die Stuttgarter in dieser schwierigen Spielzeit bislang zu Hause eingefahren, dabei mickrige vier Treffer erzielt – eine Schreckensbilanz.

Viele positive Ansätze

Nun also stand Dutt am Samstagabend vor den wartenden Journalisten und schnell wurde die Maxime seines Handelns deutlich: Ruhe bewahren! Viele positive Ansätze habe er bei den akut abstiegsgefährdeten Stuttgartern gesehen und vieles, was man sich im Trainingslager hart erarbeitet habe. Defensiv sei man ordentlich gestanden und vorne habe man auch einige Torchancen gehabt. Das stimmt, reicht aber nicht um die Schreckensgespenster am Cannstatter Wasen zu vertreiben.

So drängte sich schnell bei allen Journalisten die Frage auf, ob man nicht noch neue Spieler verpflichten müsse. Schließlich ist das Transferfenster noch bis Montagmittag geöffnet. "Das will ich weder bestätigen  noch dementieren", sagt Dutt, der aber offen zugibt, an einem erfahrenen Mann Interesse zu haben, der die Mannschaft in dieser heiklen Situation führen könne. Wer das sein könne, ließ er offen, Aktionismus sei fehl am Platz. "Was bringt es in der Winterpause einen Spieler zu verpflichten, der die Planungen drei Jahre lang blockiert."

Ruhig bleiben, heißt die Devise

Dutt bleibt ruhig. Klar ist aber auch, dass der VfB vor allem im Spielaufbau große Defizite mit sich herumschleppt. Zu langsam, viele technische Schwächen und eine zu hohe Fehlerquote – die Gründe für die Talfahrt. Gegen Gladbach durften sich Oriol Romeu, Christian Gentner und Moritz Leitner in der Zentrale versuchen. Die Zahlen sprechen Bände: Gentner und Romeu leisteten sich eine Fehlpassquote von 23 Prozent, zum  Vergleich: Der Gladbacher Weltmeister Christoph Kramer hatte eine Quote  von sieben Prozent. Auch in Sachen Zweikämpfe schnitten die Stuttgarter schlecht ab: Gentner gewann gerade einmal 33 Prozent seiner Duelle. Romeu kam auf 50 Prozent – beides enorm ausbaufähig.

So wundert es nicht, dass VfB-Trainer Huub Stevens sich einen routinierten "Sechser" wünscht. Ob er ihn bekommt, wird sich bis Montag zeigen. Aber auch auf den beiden Außenverteidigerpositionen scheint Handlungsbedarf. Daniel Schwaab und Adam Hlousek verrichteten gegen Gladbach zwar solides Handwerk, mehr aber auch nicht. Gefahr kam von von Außen so gut wie keine. Kommt auch hier noch ein Neuer?

Schwere Wochen vor der Brust

Der VfB zeigte vor den immer noch 46.200 Zuschauern aber auch einige ordentliche Ansätze. "Am Ende haben wir gefightet und hätten uns belohnen müssen, daher ist die Enttäuschung sehr groß", erklärte Torwart Sven Ulreich nach der Partie. In der Tat kämpften die Schwaben wie die Löwen und Georg Niedermeier hätte auch zwei Tore machen können. "Dass ich die Gelegenheiten vergeben habe, ist ärgerlich, aber jetzt kann ich es leider nicht mehr ändern", so der Abwehrmann.

Auf den VfB Stuttgart warten nun schwere Wochen. Am Mittwoch geht es zu den wiedererstarkten Kölnern, am kommenden Samstag kommen die "Über-Bayern" ins Schwabenland. Zwei sehr hohe Hürden, zumal die Stevens-Truppe auch psychisch angeschlagen wirkt. "Uns fehlt noch das Vertrauen in die eigenen Stärken", gibt Gentner offen zu. Vielleicht kann auch hier ein neuer Spieler helfen. Einer, dem nicht die ganze Misere in den Klamotten hängt. Bis Montag hat Dutt noch Zeit.

Aus Stuttgart berichtet Jens Fischer