Wolfsburg - "Zieht den Bayern die Lederhosen aus", schallte es am Freitagabend durch die Wolfsburger Volkswagen Arena. Es liefen die letzten Minuten einer denkwürdigen Bundesliga-Partie, die mit dem Gedenken an den verstorbenen VfL-Spieler Junior Malanda begann. Der VfL Wolfsburg deklassierte danach die scheinbar unbesiegbaren Bayern und verkürzte den Abstand nach dem 4:1-Sieg auf acht Punkte. Abheben werden die Wolfsburger dennoch nicht.

"Es war heute sehr emotional und das wir dann noch die Bayern 4:1 schlagen, auch in Gedenken an Junior Malanda, ist natürlich sehr schön", erklärte VfL-Kapitän Diego Benaglio. Vor Spielbeginn stand das gesamte Stadion auf und feierte den verunglückten Belgier mit rhythmischen Klatschen. Auf eine übliche Schweigeminute verzichten die Wolfsburger. "Ich habe sehr mit den Tränen gekämpft vor dem Spiel als ich auf unsere Fankurve geschaut habe, aber dieser Moment hat uns für das Spiel auch sehr gepusht", gab Maximilian Arnold Einblick in sein Seelenleben. Ein Gänsehaut-Moment - während der 90 Minuten sollte viele weitere für den VfL folgen.

Ruf als Frühstarter bestätigt

Die Wolfsburger bestätigten auch in der Rückrunde ihren Ruf als Frühstarter. Der Niederländer Bas Dost markierte das schnellste Wolfsburger Pflichtspieltor in der laufenden Saison. Am 14. Spieltag traf Teamkollege de Bruyne in Hannover ebenfalls nach drei Minuten. Bereits neunmal hat der VfL schon in der Anfangsviertelstunde getroffen (Liga-Bestwert).

"Es war natürlich ein Riesenvorteil für uns, so früh ein Tor zu schießen", erklärte ein freudestrahlender Bas Dost nach dem Spiel. Der Niederländer, der lange Zeit im Schatten des zum HSV zurückkehrenden Ivica Olic stand, ist derzeit in Topform. "Ich bin etwas zurückhaltend, was dieses Thema angeht. Es war eine schwierige Zeit für mich, aber jetzt ist der Moment da und ich bin fit. Das freut mich."

Der Niederländer bildete am Freitagabend ein unnachahmliches Sturmduo zusammen mit seinem Teamkollegen Kevin de Bruyne, der ihm prompt mit seinem elften Assist (!) das 1:0 auflegte. "Wir verstehen uns blind", erklärte De Bruyne, der in der zweiten Halbzeit mit zwei Treffern endgültig das Debakel für die Bayern besiegelte.

Der VfL war von Trainer Dieter Hecking perfekt auf die Bayern eingestellt. Gleich mit mehreren Spieler engten die Wölfe die Kreise von Bayerns Xabi Alonso ein, der dem Spiel überhaupt keinen Stempel aufdrücken könnte. "Wenn wir den Ball erobert hatten, haben wir sehr schnell nach vorne gespielt. Die Torchancen haben wir dann sehr effizient genutzt. Das war heute einfach unser Tag", freute sich Doppeltorschütze Dost.

Auftakt nach Maß - Allofs ungläubig

"Ein Ergebnis und Spiel, das wir uns so eigentlich gar nicht erhofft hätten. Wir haben es sehr clever gemacht. Unser Umschaltspiel war hervorragend. Es ist uns in den richtigen Momenten gelungen, die Tore zu machen", erklärte ein stolzer Klaus Allofs. Auch Dost konnte es nicht so richtig glauben, die Bayern derart auseinander genommen zu haben: "Die Bayern hatten erst vier Gegentore in der gesamten Hinrunde und wir haben heute alleine vier gegen sie geschossen. Ich hatte zuvor sechsmal gegen die Bayern gespielt und nie eine Chance gehabt, jetzt haben wir sie geschlagen. Wahnsinn."

Durch den berauschenden Heimsieg hat sich der VfL mehr den je als echter und einziger Bayern-Jäger etabliert. Auf die Frage, ob die Meisterschaft noch im Bereich des Möglichen ist, stapeln die Wolfsburger aber allesamt tief. "Da rede ich überhaupt nicht drüber. Wir reden nur über die Champions League", so Bas Dost. Ins gleiche Horn bläst auch Torwart Benaglio: "Wir haben schon die ganze Zeit nicht geschaut, was die anderen machen und sind damit bisher ganz gut gefahren." Der Schweizer Nationalspieler richtet den Blick auch schon voraus. "Es geht immer noch besser. Aber nach so einem Spiel müssen wir nicht groß nach Fehlern suchen. Es war eine überragende Mannschaftsleistung. In diesem Rahmen gegen die Bayern zu gewinnen, einen besseren Auftakt kann man sich nicht vorstellen. Aber nichtsdestotrotz haben wir am Dienstag ein schweres Spiel in Frankfurt."

Etwas optimistischer in Sachen Meisterschaft ist dagegen Ex-Trainer Felix Magath. Er prophezeite den Wolfsburgern bei einem Sieg über die Bayern sogar den Titelgewinn. "Herr Magath ist ein sehr weiser Mann, dem ich nicht widersprechen möchte", flachste Maxi Arnold, "Nein, im Ernst, es müsste schon viel passieren, wenn die Bayern noch straucheln sollten."

Aus Wolfsburg berichtet Alexander Barklage