Wolfsburg - Der VfL Wolfsburg ist in Schwung gekommen. Die Niedersachsen treten stabil auf und haben zuletzt alle drei Partien gewonnen. Öffentlich wird das kaum gewertschätzt, obwohl mit Kevin de Bruyne einer der interessantesten Spieler der Liga in Topform ist.

Der Mann des Tages hatte noch etwas vor, als er die Fragen der Journalisten beantwortet hatte. „Draußen stehen ein paar Bekannte aus Villingen-Schwenningen, denen muss ich noch Hallo sagen“, erklärte der zweifache Torschütze Daniel Caligiuri nach dem Wolfsburger 2:1-Sieg beim Sport-Club Freiburg. Kurz darauf begrüßte er seine Kumpels, die den starken Auftritt des Mannes aus der baden-württembergischen Doppelstadt gebührend mit ihm feierten. Vorher vergaß er allerdings nicht, auch seinen Förderer Christian Streich noch zu umarmen. „Ich habe ihm gesagt, dass er das mit seiner Mannschaft hinbekommt. Ich habe ihm viel zu verdanken“ , sagte der 26-Jährige, der in der Freiburger Fußball-Schule unter Streich ausgebildet wurde, bevor er 2013 als gestandener Bundesliga-Profi nach Niedersachsen wechselte.

Der VfL hat einen Lauf

Den Transfer dürfte Caligiuri nicht bereut haben, wenngleich der VfL Wolfsburg offenbar viel tun muss, um positiv in die Schlagzeilen zu kommen. Dabei spielen die Grün-Weißen bislang eine prima Saison: Drei Siege in Folge stehen nach dem 2:1-Erfolg in Freiburg zu Buche, der Sprung auf die internationalen Ränge ist gelungen, und es dürfte nicht viele Beobachter der Bundesliga-Szenerie geben, die dem VfL nicht zutrauen würden, dass er am Ende der Saison einen Champions-League-Rang belegt. Dass das alles medial längst nicht so gewürdigt wird, wie es die VfL-Fans gerne hätten, mag allerdings auch an dem eher nüchternen Spielstil der Niedersachsen liegen.

Auch in Freiburg brillierten sie nicht unbedingt, zeigten aber alle Attribute einer Spitzenmannschaft: Da wäre die zentrale Achse um die beiden Innenverteidiger Robin Knoche und Naldo, die unspektakulär aber effizient das Freiburger Angriffsspiel behinderten – abgesichert von einem defensiven Sechser Luiz Gustavo, der sich in Freiburg in guter Verfassung präsentierte und zusammen mit dem offensiver ausgerichteten Kollegen Josuha Guilavogui eine auch physisch enorm präsente Achse bildete, die die körperlich unterlegenen Freiburger Spieler nicht nur bei den wenigen Standards zur Verzweiflung brachte.

Paradigmenwechsel in der Offensive

Coach Dieter Hecking hat in den knapp zwei Jahren seiner Tätigkeit in Wolfsburg einiges verändert. Am augenfälligsten dürfte dabei der Paradigmenwechsel in der Offensive sein, wo er heimlich, still und leise den Weggang von Diego und dem mit ihm verbundenen Fußball einleitete. Und das wie es seine Art ist: sachlich und geschickt, ohne jede polemische Spitze gegen den einstigen Topverdiener, der seinen Höhepunkt zuletzt doch sichtbar überschritten hatte, mit seinen individuellen Fähigkeiten ein Spiel aber immer noch alleine entscheiden konnte.

Wie richtig es dennoch war, im Kreativbereich umzusteuern, zeigt diese Saison, in der Kevin de Bruyne in vielen Spielen bester Mann auf dem Platz war – auch in Freiburg. Sein großes Plus ist dabei neben seinen fußballerischen Fähigkeiten und seiner Durchsetzungsstärke die Unberechenbarkeit: Seine Assists – 11 im Jahr 2014 – leistete er von so ziemlich allen Zonen der gegnerischen Hälfte aus. Die jeweilige Defensive hat es deshalb ausgesprochen schwer, einen Mann zu stellen, der sich im Zentrum genauso wohl fühlt wie auf beiden Außenbahnen. Nur ein Manko schleift de Bruyne noch mit sich herum: Er hat noch keinen einzigen Saisontreffer selbst erzielt. Man muss wohl kein Prophet sein, um zu prognostizieren, dass sich das schon bald ändern wird. 

Christoph Ruf