Blau-weißes Suchbild: In der Mitte der Spielertraube befindet sich Gerrit Holtmann, Bochums erster Bundesliga-Torschütze seit über elf Jahren - © RHR-FOTO / Dennis Ewert via www.imago-images.de/imago images/RHR-Foto
Blau-weißes Suchbild: In der Mitte der Spielertraube befindet sich Gerrit Holtmann, Bochums erster Bundesliga-Torschütze seit über elf Jahren - © RHR-FOTO / Dennis Ewert via www.imago-images.de/imago images/RHR-Foto
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VfL Bochum wie aus einem Guss: Erster Bundesliga-Sieg nach über elf Jahren

Weil Gerrit Holtmann seinem rechten Fuß nicht besonders viel zutraut, verwandelte sich das Vonovia Ruhrstadion am Samstagnachmittag gegen 15:51 Uhr in ein Tollhaus. Der Mittelfeldakteur erzielte nach einem überragenden Sololauf das erste Bundesliga-Tor des VfL Bochum seit über elf Jahren und legte damit den Grundstein zum 2:0-Erfolg gegen den 1. FSV Mainz 05.

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Eigentlich hätte Holtmann vor dem 1:0 auch durchaus schon die Möglichkeit zum Abschluss gehabt, aber der Ball lag eben auf seinem schwächeren Fuß. "Also dachte ich, ich gehe mal durch und tunnel’ den Torwart", erklärte ein strahlender Torschütze hinterher. Er war der erste Spieler des VfL Bochum seit Christian Fuchs am 1. Mai 2010, der in der Bundesliga über ein Tor jubeln durfte. Wobei sich der Jubel von Fuchs vor elf Jahren in überschaubaren Grenzen hielt - trotz sehenswert verwandelten Freistoßes in der Allianz Arena - denn es war nur der 1:3-Ehrentreffer beim FC Bayern kurz vor Schluss.

Nach Abpfiff ausgelassen über den Rasen tanzen konnten VfL-Profis in der Bundesliga zuletzt im Februar 2010. Am 22. Spieltag der Saison 2009/10 wurde die TSG Hoffenheim zu Hause mit 2:1 bezwungen, und weil Nürnberg und Hannover zeitgleich jeweils verloren, schien ein Meilenstein im Abstiegskampf erreicht. Acht Punkte trennten den VfL vom Relegations- neun vom direkten Abstiegsplatz. Es folgten zwölf Spiele ohne Sieg und der Absturz auf Rang 17 in der Tabelle.

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Gerade für die Fans war der Sieg beim ersten Bundesliga-Heimspiel nach dem Abstieg 2010 deshalb von enormer Bedeutung. Und die Art und Weise lässt darauf hoffen, dass es in dieser Saison noch häufiger zu großen Bochumer Gefühlsausbrüchen kommen wird. Das Team aus Aufstiegshelden und punktuellen Verstärkungen wirkt schon nach zwei Spieltagen enorm gefestigt. Elvis Rexhbecaj und Sebastian Polter waren die einzigen Neuzugänge in der Startelf von Thomas Reis.

Gerade das Beispiel von Polter zeigt, wie gut diese Mannschaft funktioniert. Der bullige Stoßstürmer wurde am Wochenende des 1. Bundesliga-Spieltags verpflichtet und zeigte bei seinem ersten Einsatz für seinen neuen Club direkt, warum er geholt wurde. 24 Zweikämpfe bestritt der 30-Jährige, von denen er für einen Offensivspieler sehr starke 63 Prozent gewann. Polter machte zudem immer wieder Bälle fest, legte auf nachrückende Kollegen ab und zeigte sein Qualitäten in der Luft. Insbesondere natürlich beim Treffer zum 2:0, den der bärenstarke Simon Zoller, der in Wolfsburg noch als Zentrumsstürmer begonnen hatte und nun auf dem rechten Flügel auflief, mit einer mustergültigen Flanke vorbereitete.

Wenn die Mainzer dann doch mal gefährlich Richtung Bochumer Tor kamen, räumte der erst 19-Jährige Innenverteidiger Armel Bella Kotchap in seinem Bundesliga-Debüt gnadenlos ab. 20 seiner 24 direkten Duelle konnte der deutsche U20-Nationalspieler für sich entscheiden. Einzig Bielefelds Manuel Prietl konnte am 2. Bundesliga-Spieltag noch einen Zweikampf mehr gewinnen.

So stand am Ende eines - aus Bochumer Sicht - rundum gelungenen Samstagnachmittags nicht nur der erste Bundesliga-Sieg seit 4207 Tagen, sondern auch die erste erstklassige Weiße Weste seit dem 27.02.2010. Und wer weiß, wie dieser Tag gelaufen wäre, hätte Gerrit Holtmann etwas mehr Zutrauen in seinen rechten Fuß.

Florian Reinecke