Zusammenfassung

  • Stuttgart bleibt 2017 vor eigener Kulisse ungeschlagen

  • Die Schwaben zeigen beim 2:1 gegen Dortmund eine beeindruckende Vorstellung

  • Die Defensive um Keeper Zieler vor der Dreierkette bildet einen starken Rückhalt

Stuttgart - Das Stadion stand Kopf, die Verantwortlichen waren hochzufrieden – beim VfB Stuttgart stimmt es derzeit. Gegen Dortmund zeigten die Schwaben eine starke Vorstellung. Am Ende gab es nur ganz wenig zu bemängeln.

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Es war beinahe schon Mitternacht, als Michael Reschke für seine Verhältnisse mal so richtig Emotionen zeigte. "Der Trainerstab hat gemeinsam einen Matchplan ausgearbeitet, denn die Mannschaft perfekt umgesetzt hat", so der glückliche Sportvorstand des VfB Stuttgart nach dem umjubelten Überraschungssieg gegen Borussia Dortmund. Während draußen im und vor dem Stadion die schwäbischen Anhänger frenetisch ihre Lieblinge feierten, hielt Reschke in den Katakomben der Mercedes-Benz-Arena seine Lobesrede.

"Wir sind überglücklich", sagte Reschke. "Nicht nur die drei Punkte sind extrem wichtig, sondern die Art und Weise, wie sich die Mannschaft erneut zu Hause präsentiert hat." Das sei "beeindruckend". Man habe einen "unglaublichen Wohlfühlfaktor" im Verein, die Entwicklung der Mannschaft mit dem Trainerstab, die "unvorstellbare Atmosphäre im Stadion", das "frische Selbstbewusstsein" – das alles sei "imponierend". Kurzum: Reschke war ein mehr als zufriedener Mensch am späten Freitagabend.

Zieler: Echter Rückhalt hinter bemerkenswerter Dreierkette

Und das konnte er durchaus sein. Auch wenn die defensiv erneut verunsicherten Dortmunder den VfB zum Tore schießen einluden, hatten sich die Schwaben den Dreier mehr als verdient. Von Beginn an präsentierten sie sich bissig in den Zweikämpfen, waren nah am Gegenspieler und ließen so kaum brenzlige Situationen vor dem eigenen Tor zu. In diesem stand mit Ron-Robert Zieler ein Keeper, der seinen Patzer in Hamburg bestens verdaut hatte. Insgesamt fünf starke Paraden zeigte Zieler, der zudem einen Handelfmeter von Andre Schürrle entschärfte. Ein echter Rückhalt, der hinter einer bemerkenswerten Dreierkette agierte.

© gettyimages / Thomas Kienzle

Holger Badstuber, Benjamin Pavard und Timo Baumgartl: Die drei Defensivkünstler ergänzen sich hervorragend und zeigten auch gegen Dortmund eine exzellente Leistung. Dazu kam, dass sich VfB-Trainer Hannes Wolf gegen seinen Ex-Verein etwas ganz Besonderes überlegt hatte. So wurden der auffällige Mario Götze oder Julian Weigl beim Spielaufbau durch den überragenden kleinen Argentinier Santiago Ascacibar oder Berkant Öczan immer wieder in Manndeckung genommen. Besonders Götze erlebte so einen stressigen Abend.

Gentner-Comeback nach 62 Tagen in der Festung Mercedes-Benz-Arena

"Wie sich die Mannschaft in der zweiten Hälfte präsentiert hat, war überragend. Alle haben gekämpft und sich in jeden Zweikampf geworfen", bilanzierte Routinier Christian Gentner, der 62 Tage nach seiner schweren Gesichtsverletzung ein ebenfalls starkes Comeback feierte. "Wir haben viele junge Spieler, die ihre erste Bundesliga-Saison bestreiten. Sie haben es heute richtig stark gemacht."

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Es war ein ganz spezieller Abend am Neckar. Die Mercedes-Benz-Arena entwickelt sich immer mehr zur Festung, im Jahr 2017 hat die Wolf-Truppe noch kein Heimspiel verloren und in sechs Partien der laufenden Saison 16 Punkte eingefahren. Eine beeindruckende Bilanz. Insgesamt war es der 500. VfB-Heimsieg der Bundesliga-Geschichte - das Sahnehäubchen.

Ginczek und Akolo drohen auszufallen

Nun geht der Blick nach vorne und da ist die Hauptaufgabe klar definiert: Endlich auch in der Fremde überzeugen. "Auf die heutige Leistung wollen wir aufbauen und anfangen, endlich auch auswärts zu punkten", so Gentner, der wusste, dass sich seine Mannschaft noch verbessern kann. Auch gegen Dortmund leistete man sich noch zu viele leichte Fehler bei den zahlreichen Konterchancen. Die Partie hätte früher entschieden sein können.

Und dann noch ein kleiner Wehmutstropfen: In Hannover drohen Sturmtank Daniel Ginczek und Torjäger Chadrac Akolo auszufallen. Beide zogen sich gegen Dortmund Muskelverletzungen zu.

Jens Fischer