Augsburg - Vor der Heimpremiere in der Europa League wurde in Augsburg besonders fleißig gewerkelt. Um das Stadion europatauglich zu machen musste die Nordkurve der WWK Arena von einer Steh- in eine Sitzplatztribüne verwandelt werden. In sportlicher Hinsicht will der FC Augsburg an den richtigen Stellschrauben drehen, um wieder in die Spur zu finden - nicht nur gegen Partizan Belgrad, sondern auch in der Bundesliga.

Trotz des jüngsten Dämpfers in der Bundesliga und dem Abrutschen auf den Relegationsplatz 16 ist beim FCA die Vorfreude auf den ersten europäischen Auftritt vor heimischem Publikum ungetrübt. "Das ist die Auszeichnung für unseren fünften Platz in der letzten Saison", betont Trainer Markus Weinzierl. "Leider haben wir den Saisonstart nicht so hinbekommen, wie wir uns das gewünscht haben. Aber jeder brennt auf das erste Heimspiel in der Europa League." Und Halil Altintop verspürt gar ein besonderes Kribbeln vor dem Duell mit Belgrad.

Augsburg will sich auf eigene Stärken besinnen

Die Partie gegen den serbischen Meister am Donnerstag dient auch dazu, Mut zu schöpfen und Selbstvertrauen zu tanken für die Aufgaben in der Liga. Auf dem Papier könnte der Gegner aus Belgrad die Rolle als Aufbaugegner durchaus erfüllen: Die bisherigen sieben Auswärtsspiele im Europokal in Deutschland verlor Partizan allesamt. Allerdings ließ die Mannschaft von Trainer Zoran Milinkovic mit einem 3:2-Sieg im ersten Gruppenspiel gegen AZ Alkmaar aufhorchen. "Wenn wir unsere Linie durchziehen und das zeigen, was uns stark macht, behalten wir die drei Punkte hier", versichert Altintop.

Die Gastgeber, bei denen bis auf Caiuby und Tobias Werner alle Mann an Bord sind, wollen dabei an die starke Premierenvorstellung im ersten Gruppenspiel in Bilbao anknüpfen - mit dem Unterschied, dass diesmal möglichst etwas Zählbares herausspringen soll. In gewisser Weise dient das Spiel im Baskenland als Spiegelbild des bisherigen Saisonverlaufs. Trotz Halbzeitführung und 55 Prozent Ballbesitz verloren die Fuggerstädter mit 1:3 und standen am Ende mit leeren Händen da.

Missverhältnis zwischen Aufwand und Ertrag

Probleme, die sich zuletzt auch in der Bundesliga beobachten ließen. Bei der 1:3-Niederlage gegen Hoffenheim sprachen fast alle statistischen Werte (u.a. 26:11-Torschüsse und 62 Prozent Spielanteile) für die Augsburger - nur das Ergebnis nicht. "Wir haben wieder zu viele Chancen gebraucht und drei Gegentore bekommen, bei denen wir den Gegner tatkräftig unterstützt haben", brachte es Trainer Markus Weinzierl auf den Punkt.

In puncto Torschüssen steht seine Mannschaft unter den Top sechs der Liga. Doch mit nur sieben Toren ist die Ausbeute in den ersten sieben Spielen zu gering ausgefallen, zumal drei dieser Treffer Augsburgs derzeitiger Toptorjäger Paul Verhaegh vom Elfmeterpunkt aus erzielte. "Wir müssen im Offensivbereich abgeklärter sein und in bestimmten Situationen ruhiger bleiben", fordert der Kapitän.

"Wir kennen uns damit aus"

© imago / nph

Beim Blick auf die Tabelle kommt jedenfalls keinerlei Unruhe auf - trotz Platz 16. "Wir sind unten mit dabei, daher müssen wir so schnell wie möglich unsere Punkte holen. In den letzten zwei Jahren haben wir diese Situation nicht erlebt, davor schon, also kennen wir uns eigentlich damit aus", betont Verhaegh. "Wir dürfen nicht meckern, sondern müssen einfach weiterarbeiten und dafür sorgen, dass wir da unten rauskommen."

Aufgrund der zusätzlichen Spiele in der Europa League fehlen dem FCA zwar wichtige Trainingseinheiten, als Ausrede will Trainer Weinzierl das jedoch nicht geltend machen. "Das sind intensive Wochen, aber wir machen weiter und sind nicht komplett auf dem falschen Weg", betont der Coach. "Wir müssen einfach die Kleinigkeiten wieder besser machen. Um die geht es im Fußball: Du musst Tore erzielen und hinten nicht solche Geschenke verteilen, weil du sonst immer hinterherläufst." Gegen Partizan Belgrad bietet sich bereits die Gelegenheit, diese Kleinigkeiten unter Wettkampfbedingungen umzusetzen.

Aus Augsburg berichtet Maximilian Lotz