Auffällig? Exotisch? Nee! Eher null-acht-fünfzehn denkt man bei dem Namen, könnte man doch meinen, dass direkt ein paar Millionen Bundesbürger genauso heißen. Trotz seines Namens, das damit assoziierte Biedermann-Image passt so gar nicht zu Heinz Müller.

Den 31-jährigen Torwart des 1. FSV Mainz 05 könnte man eher als ein bisschen verrückt, definitiv aber als riesen Spaßvogel beschreiben, der für jeden Scherz zu haben ist. So ist es auch nicht verwunderlich, dass der gebürtige Frankfurter schon einmal im Stadionmagazin des FC St. Pauli posierte - nackt unter der Dusche.

Oder dass er in einem Internetvideo als "blinder" Torwart mit verbundenen Augen zwischen den Pfosten steht und auch noch einige Bälle hält! Auf solche Stories angesprochen schmunzelt Müller nur: "Ich war jung, brauchte das Geld."

Müller treibt Bayern zur Verzweiflung

Noch mehr Werbung in eigener Sache hat der vom englischen Zweitligisten FC Barnsley gekommene Schlussmann in den ersten Bundesliga-Wochen betrieben. Nachdem er gegen Bayer Leverkusen und Hannover noch jeweils einen Elfmeter verschuldet hatte, lief es im dritten Spiel ganz anders. Eine Glanzparade nach der anderen zeigte er beim 2:1-Erfolg gegen die Bayern. Der Keeper hielt grandios, parierte allein drei Mal in höchster Not und war der Garant für den Mainzer Sieg.

"Das ist einer meiner schönsten Momente. Dieses Spiel wird lange im Gedächtnis bleiben", freut sich Müller, ursprünglich als Ersatzmann für den derzeit am Knie verletzten Dimo Wache geholt, über seine Leistung. Dass seine Karriere einmal eine solche Entwicklung nehmen könnte, schien noch vor ein paar Jahren höchst unwahrscheinlich.

Knackpunkt Norwegen

Von 1996 bis 2004 wechselte der 1,93 Meter große Modellathlet fünf Mal den Verein, spielte unter anderem für Hannover 96, Arminia Bielefeld und den FC St. Pauli. Insgesamt stand er während dieser acht Jahre aber nur 29 Mal im Tor, was wohl an seiner halsbrecherischen Spielweise gelegen hatte. "Der rennt alles um, was nicht schnell genug weg kommt", urteilte Benno Möhlmann seinerzeit in Bielefeld und setzte den Keeper nur ein Mal ein.

Nach einem unglücklichen Gastspiel bei Jahn Regensburg und einer hartnäckigen Schambeinentzündung stand Müller 2004 vor der Entscheidung: Karriereende oder Wechsel ins Ausland. Der damals 26-Jährige entschied sich für letzteres und wechselte nach Norwegen. Dort spielte er zuerst für Odd Grenland, ehe er 2005 bei Lilleström SK unterschrieb, mit dem er in der norwegischen Tippeligaen zwei Mal den vierten Platz belegte und 2007 Pokalsieger wurde.

Karrieresprung in England

Im August folgte schließlich ein Angebot des englischen Championship-Ligisten Barnsley und Müllers Wechsel auf die Insel. Mit hervorragenden Leistungen spielte er sich in den Fokus großer Clubs wie dem FC Liverpool oder Arsenal London. Auch Felix Magath und der VfL Wolfsburg waren interessiert. Die Verpflichtung des 97-Kilo-Mannes durch die Niedersachsen war schon fast beschlossene Sache, als er sich kurz vor der Vertragsunterzeichnung das Kreuzband riss und die "Wölfe" daraufhin Diego Benaglio holten.

Somit erfolgte die Rückkehr in die Bundesliga erst in diesem Sommer. Bei der Suche nach einem "Mann mit einer gewissen Erfahrung" war Christian Heidel auf Müller aufmerksam geworden. "Er hat eine imposante Entwicklung im Ausland genommen", lobt der FSV-Manager, der seinem Club und der Bundesliga mit diesem Transfer sicherlich keinen null-acht-fünfzehn-Typen beschert hat.

Gregor Nentwig