In der Bundesliga spielte er für die Clubs aus Stuttgart, Dortmund, Hannover und Berlin. Fredi Bobic kennt die Bundesliga bestens.

Im Interview mit bundesliga.de spricht der ehemalige Bundesliga-Torschützenkönig der Saison 1995/96 über die Veränderungen beim FC Bayern München und mögliche Überraschungen in der anstehenden Saison.

bundesliga.de: Die Bayern haben in der vergangenen Saison ihre Stärke wieder eindrucksvoll bewiesen. Wer ist in der neuen Spielzeit in der Lage, die Bayern zu stoppen?

Fredi Bobic: Die Bundesliga lebt von Überraschungen und von den Teams, die den Bayern Paroli bieten können. Wenn die Bayern allerdings ihr Potential abrufen und die Tiefe des Kaders ausschöpfen, dann haben sie die höchste Qualität in der Bundesliga. Kommt aber eine Mannschaft gut in Schwung, beispielsweise Werder Bremen oder wie vor zwei Jahren der VfB Stuttgart, dann kann mit der richtigen Euphorie viel passieren. Anders betrachtet könnten auch die Münchner Mal eine schlechte Phase erwischen. Die Konkurrenz hofft auf solche Momente, dass es bei den Bayern auch Mal Theater gibt, sie mit Problemen zu kämpfen haben und die anderen Vereine dann an den Bayern vorbeiziehen können. Wenn die Münchner aber ihr Leistungspotential ausschöpfen, dann sind sie auf jeden Fall der große Favorit.

bundesliga.de: Bei den Bayern hat sich unter dem neuen Coach Jürgen Klinsmann einiges getan. Er hat beispielsweise einen großen Trainerstab mit nach München gebracht oder auch das Trainingszentrum runderneuert. Wie beurteilen Sie die Veränderungen beim Rekodmeister?

Bobic: Veränderungen bringen immer neue Chancen. Fast alles, was dort passiert, ist hochprofessionell. Ähnlich verhält es sich auch in England, wo ich und auch Jürgen Klinsmann gespielt haben. Da kommt es schon Mal vor, dass man einen kompletten Tag auf dem Trainingsgelände verbringt und nicht zwischen den Einheiten nach Hause fährt. Diese Möglichkeit haben nicht viele Vereine. Gerade was den finanziellen Aspekt betrifft, haben nicht viele Clubs diese strukturellen Möglichkeiten. Das ist absolut positiv. Die Spieler können noch mehr voneinander und sich vor allem besser kennenlernen.

bundesliga.de: Welchem Club trauen Sie in der neuen Saison eine Überraschung zu?

Bobic: Aufsteiger 1899 Hoffenheim könnte eine solche Überraschung sein. Sie haben im defensiven Bereich vielleicht noch Probleme, aber was die Offensive betrifft, eine sehr junge, talentierte und schnelle Mannschaft. Das hat man schon in der 2. Bundesliga gesehen. Wenn sie es schaffen, sich schnell in der Bundesliga zu akklimatisieren, dann traue ich ihnen eine Überraschung zu. Entscheidend wird sein, die Anforderungen der Bundesliga schnell anzunehmen und sich zu steigern. Hoffenheim hat viele hungrige Spieler, die sich beweisen wollen. Einen Titel traue ich ihnen in der anstehenden Saison nicht zu, aber sie könnten eine ähnlich gute Rolle spielen wie der Karlsruher SC in der vergangenen Spielzeit. Überraschungen gibt es immer wieder.

bundesliga.de: Wer hat denn Ihrer Meinung diesen Sommer eine besonders gute Transferpolitik betrieben?

Bobic: Auf dem Transfermarkt ist meinem Empfinden nach, bisher noch nicht allzu viel passiert. Für Bundesliga-Verhältnisse verwundert mich das. Wenn sich der 31. August nähert (Ende der I. Transferperiode, Anm. d. Red.), wird sich bestimmt noch Mal einiges tun. Punktuell hat sich zwar viel getan, aber im Ganzen halten sich die Clubs bis jetzt eher zurück. Bayer Leverkusen hat sich mit Patrick Helmes und dem Brasilianer Renato Augusto gut verstärkt und es wird interessant sein, welche Rolle Helmes unter dem neuen Trainer Bruno Labbadia spielen wird.

bundesliga.de: Ein ehemaliger Club von Ihnen hat diesen Sommer einen Umbruch vollzogen. Mit Jürgen Klopp hat Borussia Dortmund einen vielversprechenden Trainer verpflichtet. Was ist für den BVB dieses Jahr drin?

Bobic: Es wird sehr interessant sein zu beobachten, ob das neue Konzept in Dortmund greift. Die Ansprüche beim BVB sind sehr hoch, zudem wurden einige neue Spieler geholt. Wichtig war, dass bei der Borussia etwas passiert ist und es jetzt wieder in die richtige Richtung geht. Die vergangene Saison ließ da doch einige Wünsche offen.

bundesliga.de: Sie sprechen die vergangene Saison an. Wer wird es schwer haben, die Leistungen der zu bestätigen oder auch die Klasse zu halten?

Bobic: Einen konkreten Verein kann ich da nicht nennen. Die ersten Spiele werden zeigen - die 1. Hauptrunde im DFB-Pokal ist da oft ein Indikator - wer sich schwer tun könnte. Wenn ein Bundesligaclub gegen einen Amateurverein ausscheidet, kommt er oftmals schlecht in Tritt. Vor allem in Hinblick auf die neuen Trainer in der Bundesliga, bleibt abzuwarten, wer letztendlich Probleme in der neuen Saison bekommen könnte.

bundesliga.de: In letzter Zeit wird viel über die Situation von Lukas Podolski bei den Bayern diskutiert. Wie beurteilen Sie seine Situation?

Bobic: Die Situtation von Lukas Podolski ist ähnlich wie vor der EURO. Für ihn zählt nur eins: Er muss seine Leistung bringen. In den vergangenen beiden Jahren hat er bei den Bayern nicht immer überzeugt. Ob das jetzt am Trainer oder am Verein liegt, ist sekundär. Podolski muss sich einfach durchsetzen, Namen spielen in München keine Rolle. Er wird unter Jürgen Klinsmann sicher seine Einsatzzeiten bekommen, zumal der neue Bayern-Coach im Hinblick auf die Champions League bestimmt rotieren lassen wird. Jeder bekommt seine Chance und dann wird sich zeigen, ob Podolski seine EURO-Form in die Bundesliga transportieren kann. Ich gehe davon aus, dass er es begriffen hat und mit genügend Selbstvertrauen und breiter Brust auch in der Bundesliga wieder sein Können abrufen wird.

Das Gespräch führten Gregor Nentwig und Florian Bruchhäuser