Basel - Es war schon ein wenig ungewöhnlich. Normalerweise laufen die Pressekonferenzen des FC Bayern vor den Spielen in der Champions League immer nach dem gleichen Schema ab. Zuerst stellen sich Kapitän Mark van Bommel und ein weiterer Spieler den Fragen der Journalisten. Und danach folgt Trainer Louis van Gaal, der meistens schon in den Startlöchern steht und den Ausführungen seiner Kicker live beiwohnt.

Doch dieses Mal ließ der Niederländer auf sich warten. Der Schweizer UEFA-Medienbeauftragte Urs Honauer sah seinen gesamten Ablaufplan für den Tag schon über den Haufen geworfen. Die kleine Verspätung hatte aber - zumindest für die Anhänger des FC Bayern - einen freudigen Grund.

"Die Chemie stimmt einfach"

Denn im Hilton Hotel in Basel hatte van Gaal seinen Ende der Saison auslaufenden Vertrag um ein weiteres Jahr verlängert. Die anwesenden Medienvertreter wirkten nicht überrascht, denn die Ausweitung des Kontrakts wurde zuvor auf der vereinseigenen Webseite schon fast als perfekt vermeldet. Wichtiger zu erfahren waren die Beweggründe van Gaals, der in der Öffentlichkeit auch schon mal mit einem frühzeitigen Abgang kokettiert hatte.

"Im Fußball ist es wichtig, etwas zu gewinnen. Und das ist mit dem FC Bayern möglich. Die Zusammenarbeit mit meinen Spielern ist herausragend - mehr kann ich mir nicht wünschen. Die Chemie stimmt einfach. Mit dem Vorstand war es am Anfang nicht so leicht. Vor allem war es für den Vorstand nicht so leicht mit mir. Aber gerade in Schwierigen Zeiten merkt man, was man aneinander hat. Und dann ist da noch meine Frau. Ihr gefällt einfach die Münchener Lebensart. Sie hat ebenfalls ja gesagt", fasste van Gaal die vier Punkte pro FCB zusammen.

Van Gaal hofft auf die Wende

Für das Spiel am Dienstag gegen den FC Basel (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) würden dem 59-Jährigen schon drei Punkte reichen. Dabei sei es für die Hausherren nicht zwingend die beste Zeit, um sich mit dem schwächelnden deutschen Rekordmeister zu messen. "Das könnten sie nach dem Spiel ganz anders sehen", witzelte er mit Schweizer Journalisten. "Denn oft ist das Ende einer Periode nur von einer Partie anhängig, von einem souveränen Auftritt", so van Gaal.

Welches Ergebnis im Duell zweier Teams mit einer ähnlichen Spielphilosophie herauskommt, die auf hohem Ballbesitz und schnellem Passspiel basiert, wusste er auch in seiner ganz eigenen Art zu erklären. "Es gewinnt nicht immer die beste Mannschaft. Es gewinnt auch nicht die Mannschaft, die am besten Fußball spielt. Entscheidend sind die Tore."

"Ich stelle immer nach sportlichen Kriterien auf"

Wie van Gaal aber die Torflaute in den Griff bekommen will, und ob er es mit Mario Gomez versuchen würde, dass ließ der Bayern-Coach seine Sorge sein. "Ich stelle immer nach sportlichen Kriterien auf. Und wie, dass sehen sie dann beim Spiel."

Diesen eher wenig hilfreichen Hinweis für die Vorberichterstattung hatten die meisten Schweizer Journalisten schon nicht mehr mitbekommen. Denn diese waren ob der Verzögerung im Zeitplan schon zur PK des FC Basel abgewandert.

Aus Basel berichtet Michael Reis