München - Am Montag war Louis van Gaal noch immer der Trainer des FC Bayern München - und er wird er es auch bleiben. Allerdings nur noch bis zum Ende der laufenden Saison, das letzte Jahr seines erst im Herbst verlängerten Vertrags wird der Niederländer nicht mehr erfüllen.

Fünfeinhalb Stunden hatten die Vereinsoberen am Sonntag diskutiert - ohne van Gaal. Am trainingsfreien Montag dann folgte ein Gespräch der Chefetage mit Karl-Heinz Rummenigge, Karl Hopfner sowie Sportdirektor Christian Nerlinger und dem Cheftrainer van Gaal.

Kein kurzfristiger Ersatz

Der FC Bayern gab anschließend bekannt, dass man die laufende Saison mit van Gaal beenden wird. Eine Entscheidung, die der Ehrenpräsident für sinnvoll hält. "Louis van Gaal hat sicher Fehler gemacht", sagte Franz Beckenbauer der "Bild"-Zeitung, aber: "Er hat ja schon nachgewiesen, dass er ein hervorragender Trainer ist." Und daher, sagte der "Kaiser", sei ihm der eigenwillige Niederländer auch "allemal lieber als eine kurzfristige Notlösung".

Zu einem Schnellschuss am Sonntag wollten sich die Vereinsoberen offensichtlich nicht hinreißen lassen. Vielmehr beraumten sie ein Treffen mit van Gaal an, bei dem man die einvernehmliche Trennung zu Saisonende beschloss. Der Grund: Die unterschiedliche Auffassung über die strategische Ausrichtung des Clubs.

Durchwachsene Saison

Die Münchner haben seit Saisonbeginn immer wieder Schwächephasen. Den schwachen Start erklärte van Gaal mit der hohen Belastung seiner zahlreichen WM-Teilnehmer, doch bereits in den zehn letzten Spielen der Saison 2009/2010 hatte der FC Bayern nur noch 18 Punkte geholt. Mehr und mehr wurde auch nach Beginn der Rückrunde deutlich: Die Abwehr der Münchner ist anfällig, ständiger Ballbesitz führt nicht zu Toren, die Offensive ist zu sehr abhängig von Franck Ribery und Arjen Robben. Und längst wissen die Gegner, wie sie die beiden ausschalten können. Ohne die 28 Treffer von Mario Gomez in 35 Pflichtspielen stünden die Münchner noch schlechter da.

Fakt bleibt zunächst: Zum ersten Mal seit dem Herbst 2000 unter Trainer Ottmar Hitzfeld hat der FC Bayern drei Pflichtspiele nacheinander verloren - "der ganze Verein ist in einer kritischen Situation, weil das Mindestziel in Gefahr ist", sagte Kapitän Philipp Lahm.

Am Samstag empfängt der FC Bayern in der Bundesliga den Hamburger SV deshalb zum ersten von neun "Endspielen" um den 2. Platz, der aber schon sieben Punkte entfernt ist. Und bis zum 3. Platz, der wenigstens noch zur Teilnahme an der Champions-League-Qualifikation berechtigen würde, sind es fünf Zähler. Am Dienstag nächster Woche steht dazu in der Champions League das Achtelfinal-Rückspiel gegen Inter Mailand an.