Es war eine Demütigung, ein Debakel, eine schwarzer Abend für den FC Bayern: Schonungslos wurden dem deutschen Rekordmeister vom FC Barcelona die Grenzen aufgezeigt. Die Reaktionen auf die 0:4-Pleite im Stadion Camp Nou fielen dementsprechend hart aus.

"Es war eine bittere Stunde, eine große Blamage. Ich weiß nicht, ob ich mehr schockiert, wütend oder traurig bin", sagte Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsvorsitzende der Bayern, auf dem obligatorischen Bankett nach dem Spiel.

Hoeneß ist geschockt

Für die Leistung der Mannschaft schämte er sich. "Ich muss mich bei allen Menschen, die dem FCB nahe stehen, entschuldigen", so Rummenigge. Auch Manager Uli Hoeneß ließ kein gutes Haar am Auftritt des Teams um Trainer Jürgen Klinsmann. "Ich bin geschockt. Wir haben uns verhalten wie das Kaninchen vor der Schlange. Und die anderen konnten mit uns machen was sie wollten."

Sicherlich, durch die Ausfälle von Philipp Lahm, der am Nachmittag vor dem Spiel wegen Wadenproblemen passen musste, Lucio und Daniel van Buyten war die Abwehr stark geschwächt. Und auch der überraschende Wechsel auf der Torwartposition von Michael Rensing zu Hans-Jörg Butt dürfte nicht unbedingt für die nötige Ruhe in der Defensive gesorgt haben. Aber die Art und Weise, wie sich die Bayern vor allem in der ersten Halbzeit präsentiert haben, war keiner europäischen Spitzenmannschaft würdig.

Noch Glück im Unglück

Am Ende waren die Münchener mit nur vier Gegentoren noch gut bedient. "Wir können froh sein, dass der FC Barcelona im zweiten Durchgang das Fußball spielen eingestellt und uns so vor einer höheren Niederlage bewahrt hat", sagte "Bankdrücker" Michael Rensing.

Dass Klinsmann nicht ihn, sondern der eigentlichen Nummer 2 den Vorzug gab, nahm Rensing sportlich, denn so sei das Geschäft nun einmal. Butt machte seine Sache aber auch den Umständen entsprechend gut und war der beste Bayern-Akteur auf dem Platz.

Rummenigge kündigt Konsequenzen an

Neben der Torwartentscheidung überraschte Trainer Jürgen Klinsmann mit dem Einsatz von Hamit Altintop im rechten Mittelfeld. Der Türke war vier Wochen verletzungsbedingt nicht zum Einsatz gekommen und lieferte folglich eine desolate Vorstellung ab. Die fehlende Spitzigkeit war ihm deutlich anzumerken.

Nach der sechsten Pflichtspielniederlage im Jahr 2009, und der zweiten herben Pleite innerhalb weniger Tage - Bayern verlor am 26. Spieltag mit 1:5 in Wolfsburg - werden es für Klinsmann und Co. nun sehr unruhige Tage. Rummennige deutet auf jeden Fall Konsequenzen an, wenn auch mit Bedacht: "Es gilt, zu versuchen, rational zu denken, nicht zu überdrehen und keine spontanen, unsinnigen Entscheidungen zu treffen."

Letzte Ausfahrt Meisterschaft?

Der Stachel der Enttäuschung sitzt sehr, sehr tief. Denn "unser Stolz ist vor allem in der ersten Halbzeit mit Füßen getreten worden", so Rummenigge. Die Ziele für die Zukunft sind nun klar definiert: "Wir müssen retten, was zu retten ist!"

Und da Klinsmann und Hoeneß unisono den Einzug ins Halbfinale der Champions League abgeschrieben haben, bleibt nur noch der Gewinn der Deutschen Meisterschaft, damit diese Saison für den FC Bayern insgesamt nicht auch noch zu einem Debakel wird.

Aus Barcelona berichtet Michael Reis