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Historisch: Der 1. FC Union Berlin grüßt von der Tabellenspitze

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Wer vor der Saison darauf gewettet hat, dass nach sechs Spieltagen der 1. FC Union Berlin gefolgt vom SC Freiburg die Tabelle anführt, der dürfte seinen Einsatz inzwischen vervielfacht haben. Die erste Tabellenführung der Köpenicker ist aber alles andere als ein Zufallsprodukt. Beim jüngsten Sieg gegen den 1. FC Köln gab es außerdem noch sehr erfreuliche Nachrichten in der Personalie Timo Baumgartl.

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In der bisherigen, immer noch jungen Bundesliga-Geschichte des 1. FC Union Berlin gab es bislang nur einen Weg: Immer weiter bergauf. Nach Platz elf im ersten, Platz sieben im zweiten und Platz fünf im dritten Jahr stehen die Köpenicker nach dem 6. Spieltag erstmals ganz oben in der Tabelle. Selbst in der DDR-Oberliga war das der Mannschaft in all den Jahren verwehrt geblieben.

Ein glücklicher Zufall? Mitnichten! Es mag zwar nicht immer die filigranste Art und Weise sein, wie die Mannschaft von Urs Fischer ihre Siege einfährt, doch die Kombination aus einer ungemein starken Defensivleistung, harter Arbeit und äußerst effizientem Offensivspiel sorgt in diesen Tagen einfach für die beste Punkteausbeute in der Bundesliga.

Rückkehrer Timo Baumgartl (l.) bejubelt die Unioner Tabellenführung - IMAGO / Matthias Koch

Kein Team hat weniger Gegentore

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Zahlen gefällig? Seit nunmehr 13 Spielen sind die Unioner saisonübergreifend unbesiegt. Nur vier Gegentore sind ligaweit der Spitzenwert. Und nach den Bayern haben die Hauptstädter mit 13 Treffern auch die meisten Tore erzielt. Alleine das Duo Sheraldo Becker und Jordan war an elf Treffern direkt beteiligt. Streng genommen sogar mehr, denn auch beim jüngsten 1:0-Sieg am 6. Spieltag beim 1. FC Köln hatte Becker seine Aktien beim Siegtreffer entscheidend drin. Sein Schuss wurde von Timo Hübers ins Kölner Tor abgefälscht. Bei einem Eigentor gibt es offiziell leider keinen Assist.

Hinten stand einmal mehr die Null, obwohl Köln den Druck in der zweiten Halbzeit merklich erhöht hatte. Und das sogar mit einem neuen Torhüter. Lennart Grill war für den kurzfristig ausgefallenen Frederik Rönnow eingesprungen und hielt alles, was auf seinen Kasten kam. Vor allem im Eins-gegen-Eins mit Linton Maina behielt der Vertreter zwischen den Pfosten die Nerven und parierte sensationell. "Für mich war es sehr spontan, aber ich bin jetzt natürlich umso mehr richtig glücklich. Die Jungs vor mir haben auch super verteidigt, daher musste ich gar nicht so oft eingreifen", gab der Debütant hinterher zu Protokoll.

Fischer um Understatement bemüht

Ein weiterer Sieg also, der am Ende sogar noch höher hätte ausfallen können. Jordan vergab einen Handelfmeter, ein weiteres Tor von Becker wurde wegen einer Abseitsposition aberkannt. Am Ende ließ sich die Mannschaft von den mitgereisten Fans mit "Spitzenreiter, Spitzenreiter"-Sprechchören feiern. Urs Fischer war im Anschluss logischerweise um Understatement bemüht: "Die Fans dürfen entsprechend feiern. Ich schaue das Ganze ein bisschen anders an. Wenn ich auf die Tabelle sehe, freue ich mich vor allem über die 14 Punkte. Die helfen uns. Es warten noch schwierige Englische Wochen auf uns. Es wird sicher auch Phasen geben, die nicht so gut laufen. Wenn es um die Tabelle geht, bleibt es nach wie vor eine Momentaufnahme."

Eine Momentaufnahme, die vielleicht auch noch einen längeren Moment dauern darf. Am Sonntag (15.30 Uhr) gilt es dann, gegen den VfL Wolfsburg die Tabellenführung zu verteidigen. Vor heimischem Publikum, das ebenfalls ein wichtiger Faktor in der Erfolgsgeschichte der Köpenicker ist.

Baumgartl wird von den Fans gefeiert - IMAGO/Anke Waelischmiller/Sven Simon/IMAGO/Sven Simon

Baumgartl nach Hodentumor wieder im Kader

Eventuell hat Fischer dann in seiner Abwehr auch wieder mehr Spielraum zum Rotieren. Denn die Partie in Köln brachte nicht nur die historische Tabellenführung, sondern auch das Kadercomeback von Timo Baumgartl, der sich nach einem Hodentumor in diesem Sommer einer Chemotherapie unterziehen musste. Eine enorm emotionale Geschichte, ganz ähnlich wie bei Herthas Marco Richter, der sich nach der gleichen Diagnose derzeit sogar schon wieder regelmäßig in die Bundesliga-Torjägerliste einträgt.

Und selbst der oft so knurrige Kölner Trainer Steffen Baumgart ließ es sich nicht nehmen, einmal kurz in einen anderen Modus zu schalten und den wiedergenesenen Baumgartl an der Seitenlinie herzlich zu umarmen. Es gibt eben manchmal Geschichten, die sind sogar noch wichtiger als eine Tabellenführung.