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Ungewohntes Bild

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München - Willst Du Stuttgart oben sehen, musst Du die Tabelle drehen... Wer hätte vor der Saison gedacht, dass dieser alte Spruch nach dem 7. Spieltag auf die Schwaben ebenso wie auf den FC Schalke 04 tatsächlich zutreffen würde?

Und wer hätte damit gerechnet, dass die Bayern zu diesem Zeitpunkt nur auf Rang 12 stehen, Werder Bremen auf Rang 13? Vier vermeintliche Spitzen-Clubs im unteren Tabellen-Drittel! Die Bundesliga, scheint es, spielt verrückt. Aber nicht nur Weltmeister Andreas Brehme glaubt, dass sich das ungewohnte Tabellenbild normalisieren wird - auch einige Profis sind sicher: Diese vier Mannschaften kommen da unten raus.

Christian Schulz: Drei Mannschaften kommen nach oben

"Ich denke, dass die Bayern, Schalke und Werder sich in der Tabelle nach oben entwickeln werden", sagt etwa Hannovers Christian Schulz. "Die Bayern aber bitte erst nach dem Spiel gegen uns", ergänzt der Spieler des Überraschungs-Dritten im Hinblick auf das Duell am kommenden Spieltag (am Freitag ab 20 Uhr im Live-Ticker).

Schulz hat durchaus Grund zur Vorsicht, denn wirklich schlecht spielten die Bayern bisher eigentlich nicht. Sie schossen im Schnitt 15,6 Mal aufs Tor - und damit sogar ein Mal öfter pro Spiel als in der vergangenen Saison. Allerdings fanden nur 4,4 Schüsse pro Spiel den Weg auf den Kasten. 2009/10 waren es noch 6,6. Eine Chancenverwertung von sechs Prozent lässt eine bessere Platzierung nicht zu - und ist ein Grund dafür, dass der FCB mit fünf Toren derzeit den schwächsten Sturm der Liga stellt.

Rummenigge fordert, van Gaal bleibt gelassen

Bayern-Trainer Louis van Gaal gibt sich daher gelassen. "Der letzte Tick Entschlossenheit fehlt", beschrieb er das Problem jüngst im "Aktuellen Sportstudio" und kann sogar eine genaue Zahl nennen. "Fünf Prozent" fehlten momentan. Van Gaal glaubt, dass in der Bundesliga noch alles offen ist. Und: "Wenn wir verlieren, bedeutet das noch nicht, dass wir schlecht spielen."

Obwohl der Ausfall von Arjen Robben natürlich schmerzt, lässt Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge dennoch keine Ausreden mehr gelten. Er erinnert an Gerd Müller: "Der hatte auch Phasen, wo er sechs, acht Spiele nicht getroffen hat. Aber dann hat er im täglichen Training das Beißen, Kratzen, Fighten angefangen und so lange gearbeitet, bis er das Tor gemacht hat. Unsere Spieler sind nicht schlecht beraten, sich an Gerd Müller ein Vorbild zu nehmen."

Marius Ebbers: Bremen wird klettern

Wie die Bayern leidet auch Werder Bremen unter den Nachwirkungen der WM. Nicht nur Schulz erwartet indes, dass die Hanseaten bald weiter oben stehen. "Ich erwarte, dass Werder Bremen einen Sprung in der Tabelle macht, weil sie eine sehr gute Mannschaft haben", sagt Marius Ebbers, Stürmer in Diensten des FC St. Pauli.

Werders derzeit verletzter Kapitän Torsten Frings ist ebenfalls optimistisch. Den Ausfall von mehreren Spitzenspielern könne keine Mannschaft verkraften, erklärt er. "Wenn jetzt nach und nach alle wiederkommen, können wir den Rückstand aufholen. Der FC Bayern hat die Meisterschaft ja auch noch nicht abgeschrieben, oder?" Nacheinander kommen nun Freiburg, Gladbach, Nürnberg - unangenehme, aber schlagbare Gegner. Frings ist daher "davon überzeugt, dass wir die Kurve kriegen".

Schalke: Mangelnde Disziplin und Konzentration

Selbst die Spieler im Tabellenkeller glauben an baldige Erfolge. "Wir haben eine sehr gute Mannschaft mit sehr guten Spielern", erklärt zum Beispiel der spanische Schalker Jose Manuel Jurado. "Früher oder später wird sich der Erfolg einstellen. Da bin ich mir ganz sicher." Und sein Teamkollege Benedikt Höwedes ergänzt: "Ich weiß, dass wir Klasse in der Mannschaft haben und aus dieser schwierigen Situation wieder herauskommen."

Höwedes ist ein Symbol für ein Hauptproblem der Schalker: Mangelnde Disziplin und Konzentration. Bereits drei Mal kassierten die "Knappen" eine Gelb-Rote Karte - und mussten das Spiel jeweils mit zehn Mann zu Ende spielen. Eine davon sah Höwedes, hinzu kommt für ihn eine Rote Karte in der Champions League. Weil die Platzverweise in der Liga allesamt nach ungefähr einer Stunde ausgesprochen wurden, stand Schalke insgesamt ein ganzes Spiel lang in Unterzahl auf dem Feld. "Wir haben aus unseren Fehlern nichts gelernt", folgert Torhüter Manuel Neuer. Die anschließenden Sperren erschwerten es Coach Felix Magath, eine stabile Defensive zu bauen. Bisher.

Balitsch wartet Woche für Woche auf den VfB

Dass alle vier Vereine gleichzeitig den Weg aus der Krise gehen, macht der Spielplan unmöglich: Am Wochenende empfängt Schalke den VfB Stuttgart zum unerwarteten Kellerduell. Für eine Mannschaft könnte sich die Situation also noch verschärfen, sofern das Spiel nicht Unentschieden endet. Damit aber wäre keinem Team geholfen - weder dem auf Rang 18, noch dem auf Rang 17.

In Leverkusens Hanno Balitsch springt den Schwaben ein Bundesliga-Konkurrent zur Seite. "Ich warte Spieltag für Spieltag darauf, dass sich die Stuttgarter stabilisieren", sagt er, schränkt aber ein: "Die tun sich sehr schwer. Das macht die Bundesliga so interessant."

Josue glaubt an seinen Verein

Und dann ist da noch der VfL Wolfsburg. Zehn Punkte und Platz 8 sind kein schlechtes, aber auch kein optimales Zwischenzeugnis. Wolfsburgs Brasilianer Josue hat jedenfalls eine klare Antwort auf die Frage, welches Team nach den nächsten sechs Spielen deutlich weiter oben stehen wird: "Der VfL!" Ziel sei, um die oberen Plätze zu kämpfen.

Denn die zu drehen, würde in diesem Fall kaum etwas bringen, der VfL stünde dann auf Rang 10 statt 8. Mittelmaß aber wollen die Wolfsburger ganz sicher nicht sein. "Wir müssen uns gewaltig steigern", sagt Josue, "aber ich bin guter Dinge."

Peter Seiffert