München - Sie spielt wieder ein bisschen verrückt, die spannendste Liga der Welt. Oder wie sonst ist es zu erklären, dass nach einem furios aufspielenden Aufsteiger als erster Tabellenführer eine Woche später ein Beinahe-Absteiger für das Ausrufezeichen des 2. Spieltags sorgt?

Nach dem beachtlichen 3:3 auf Schalke vergangene Woche ging der Hamburger SV favorisiert in das Heimspiel gegen die TSG 1899 Hoffenheim. Die war vergangene Saison nur durch die Relegation in der Liga geblieben, in Hamburg erlebte sie ihr blaues Wunder im positiven Sinn: Mit fertigten die Kraichgauer den "Dino" ab, zeigten in der Hamburger Imtech-Arena besonders in der zweiten Halbzeit, dass das Leistungsgefälle zwischen Klassenerhalt und Europapokal-Ambitionen kleiner ist als vermutet.

"Das war ein richtig gutes Spiel von uns. Vor allem in der Offensive haben wir brilliert", gibt sich TSG-Stürmer und Doppelpacker Anthony Modeste nach dem ersten Saisonsieg gegenüber bundesliga.de euphorisch. "Was gibt es Schöneres, als auf so einem Niveau Fußball spielen zu dürfen", fragt der Neuzugang .

Vom angesprochenen Niveau her sah es nämlich so aus, als hege Hoffenheim Ambitionen, ins internationale Geschäft einzuziehen und der HSV müsse um den Klassenerhalt kämpfen. Vor Saisonbeginn von zahlreichen Experten als Geheimtipp gehandelt, hat der deutliche Sieg bei den "Rothosen" etwas von einer Coming-Out-Party: Die TSG ist wer in der Bundesliga.

Gustavo und "Wölfe" bärenstark

Das gilt auch für den VfL Wolfsburg, der den FC Schalke 04, immerhin Teilnehmer an den Play-offs zur Champions League, mit 4:0 zurück nach Hause schickte. "Aus meiner Sicht war das natürlich ein perfekter Nachmittag", freute sich Dieter Hecking.

Zufrieden sein dürfte der Trainer auch mit dem Debüt eines neuen "Wolfes" im Rudel: Luiz Gustavo, erst am Freitag offiziell beim VfL vorgestellt, spielte gegen die Knappen von Beginn an und stellte auf Anhieb unter Beweis, dass er das Zeug hat, den schlafenden Riesen Wolfsburg zu wecken. Der Brasilianer, auf der Sechs zuhause, gewann 65 Prozent seiner Zweikämpfe und brachte sehr gute 90 Prozent seiner 40 Pässe an den Mann. Wenn es nach Gustavo geht, nur ein kleiner Vorgeschmack: "Das war doch erst der Anfang", sagte er : "Die Mitspieler und ich müssen uns noch aneinander gewöhnen."

Kruse brilliert, Bayer sparsam

Bereits eingewöhnt hat sich Max Kruse. Mit Borussia Mönchengladbach gewann der Neuzugang das erste Spiel vor den eigenen Fans mit 3:0 gegen Hannover 96 - und avancierte bei der Premiere gleich zum Mann des Spiels: Ein Tor, zwei Vorarbeiten und unglaublich viel Einsatz dürften ihm schon jetzt den Weg in die Borussen-Herzen geebnet haben (). "Es hat viel Spaß gemacht, den Jungs vorne zuzuschauen", befand auch Routinier Filip Daems.

Ähnlich gut lief es für Werder Bremen. Die Hanseaten besiegten den FC Augsburg zuhause mit 1:0 und stehen mit sechs Punkten aus zwei Spielen auf Rang 4. Dabei war der FCA mit 20:5 Torschüssen und 54,1 Prozent Ballbesitz das klar bessere Team. Doch am Ende reichte den "Grün-Weißen" ein satter Schuss von Mehmet Ekici, um erstmals seit sieben Jahren wieder die ersten beiden Saisonspiele zu gewinnen.

Beide Spiele gewonnen hat auch Bayer Leverkusen, das vor den Sonntagsspielen einer von zwei Tabellenführern ist. Nach dem überzeugenden 3:1 zum Auftakt gegen Freiburg war es beim allerdings etwas schmeichelhafter. Doch die "Werkself" nimmt, was sie kriegen kann, und wenn es drei Punkte dank eines Eigentores sind. "Stuttgart hat es uns schwer gemacht. Ich bin froh über die drei Punkte", meinte Trainer Sami Hyypiä erleichtert.

Kontrollierte Bayern, fluchlose Mainzer

Weniger erleichtert, sondern "zufrieden", war Pep Guardiola, Trainer des zweiten Spitzenreiters. Der in Frankfurt fiel mit 1:0 knapper aus, als die meisten gedacht hätten. Dem Spanier gefiel, dass seine Mannschaft das Spiel besser kontrollierte als dies am 1. Spieltag gegen Gladbach der Fall war. Zur ausbaufähigen Chancenverwertung von Thomas Müller, Philipp Lahm, Toni Kroos und Co. äußerte sich der Spanier nicht. Die hätte den Triple-Sieger beinahe den Vereinsrekord von 27 Bundesliga-Spielen in Serie ohne Niederlage gekostet.

Dem Bayer(n)-Duo im Nacken sitzt übrigens der 1. FSV Mainz 05 Tabelle. Der hat in Freiburg nämlich etwas geschafft, was ihm zuvor sieben Monate lang nicht gelungen war: auswärts gewinnen. "Ein Auswärtssieg ist immer schwer", so Trainer Thomas Tuchel über den Erfolg seiner Mannschaft. "Zwei Siege aus zwei Spielen sind mehr, als man sich wünschen kann" - und ein weiteres Ausrufezeichen am 2. Spieltag.

Gregor Nentwig