Rechnerisch ist zwar noch vieles möglich. Doch das Thema Abstiegskampf dürfte Borussia Mönchengladbach in dieser Saison abhaken können. Nach dem 1:0-Heimerfolg gegen den Hamburger SV haben sich die Borussen sechs Spieltage vor Saisonende ein sattes Punktepolster von zehn Zählern auf Rang 16 geschaffen.

Entsprechend groß war die Freude über den Dreier gegen ein uninspiriert agierenden HSV. "Wir müssen nicht mehr so viel nach unten gucken", sagte Borussia-Kapitän Filip Daems: "Wir haben uns eine gute Ausgangsposition geschaffen. Wir haben noch ein paar schöne Spiele gegen große Gegner und wollen da Punkte holen."

Brouwers glänzt als Torjäger

Schöne Spiele gegen große Gegner. Da hatte Dames völlig recht, denn im Saisonendspurt tritt die "Fohlenelf" noch gegen fünf Clubs mit Meisterschafts-Chancen (Schalke, Bayern und Leverkusen) bzw. Europacup-Ambitionen (Stuttgart und Frankfurt) an. Hinzu kommt die Partie gegen Hannover 96.

Dass die Gladbacher dabei ohne den ganz großen Druck aufspielen können, verdanken sie einmal mehr ihrem stürmenden Innenverteidiger Roel Brouwers. Der Niederländer erzielte bereits seinen siebten Saisontreffer und ist damit der torgefährlichste Abwehrspieler der Bundesliga. Schon wird er als Kandidat für den niederländischen WM-Kader genannt.

"Er spielt eine Riesensaison. Ich würde mich riesig für ihn freuen, wenn er es noch zur WM schafft", lobte Filip Daems seinen Nebenmann in der Borussia-Defensive. "Ich habe vielleicht noch eine kleine Chance, in den WM-Kader zu kommen", sagte Brouwers selbst.

Südafrika statt Südfrankreich?

Doch der Bondscoach Bert van Marwijk hat sich noch nicht bei Brouwers gemeldet, war sicherlich vor allem im Borussia-Park, um sich einen Eindruck vom Leistungsstand des HSV-Superstars Ruud van Nistelrooy zu verschaffen. Doch der Topstürmer wurde von Borussias Innenverteidigung Brouwers/Dante komplett abgemeldet.

Den Topstar ausgeschaltet, das entscheidende Tor geschossen. Da kommen Hoffnungen beim sympathischen Holländer auf. Vielleicht geht es für ihn im Sommer also nach Südafrika, statt in den schon gebuchten Urlaub nach Südfankreich.

Schalke als Vorbild

Für die Borussia dürfte die Reise in dieser Spielzeit da enden, wo man von Anfang an hin wollte: in stressfreien Regionen im Mittelfeld der Tabelle. Abgesehen von zwei kürzeren Schwächeperioden in Hin- und Rückrunde haben die Schützlinge von Trainer Michael Frontzeck eine stabile Saison absolviert und vor allem in den Heimspielen einige Highlights setzen können.

Neben dem HSV hat die Borussia zuhause auch Werder Bremen und Tabellenführer Schalke 04 geschlagen. Die "Knappen" habe man sich zum Vorbild genommen, meinte Youngster Tony Jantschke: "Wir müssen hinten kompakt stehen. Das ist die Grundlage unseres Spiels. Und im Spiel nach vorne haben wir Klasseleute."

So geht der Verein gelassen die verbleibenden sechs Partien an. Dass die Borussia dabei in den Duellen gegen Bayern, Schalke und Leverkusen die Meisterschaft mitentscheiden kann, berührt Jantzschke nicht. "Wir beschäftigen uns nicht mit dem Titelkampf", sagt der 19-Jährige, "das ist uns egal. Wir wollen die Spiele gewinnen und uns gegen die starken Mannschaften beweisen." Gut möglich, dass dabei noch einer der Titelfavoriten gegen die Borussia stolpert.


Aus Mönchengladbach berichtet Tobias Gonscherowski