Tomas Galasek ist keiner jener Spieler, dessen Wert für die Mannschaft sich in irgendwelchen Statistiken ablesen lässt.

In der Winterpause war der 36-Jährige aus der ersten tschechischen Liga von Banik Ostrau, wo er seine Karriere eigentlich ausklingen lassen wollte, zu Borussia Mönchengladbach gewechselt, um dem VfL zu helfen, die Klasse trotz der verkorksten Hinrunde doch noch zu retten.

Ballsicherheit und Übersicht

Trainer Hans Meyer erinnerte sich an seinen wichtigsten Spieler zu dessen Nürnberger Zeiten und klingelte bei Galasek durch. Dieser willigte ein, wechselte für kleines Geld nach Mönchengladbach und verstärkte die Mannschaft vom ersten Spiel in Stuttgart an mit seiner Routine.

Wie bereits erwähnt, Galasek glänzte nicht durch Tore oder Torvorlagen. Auch gab es Spieler, die in den 90 Minuten mehr auf dem Platz unterwegs waren als der ehemalige tschechische Nationalspieler. Dafür überzeugte Galasek mit seiner Ballsicherheit, klugen Tacklings und viel Übersicht in der Spieleröffnung.

Erst Libero, dann Sechser

In den ersten Spielen der Rückrunde, als es in der Defensivarbeit vor allem darum ging, die "Schießbude der Liga zu schließen", wie Meyer es formulierte, schob sich der defensive Mittelfeldmann bei Ballbesitz des Gegners immer wieder hinter die beiden Innenverteidiger zurück und machte die Räume somit eng.

Borussia stand wesentlich sicherer in der Abwehr, auch als Galasek in den darauf folgenden Partien wieder im zentralen defensiven Mittelfeld spielte, wo er das Geschehen vor und hinter sich routiniert regelte.

Kluge Pässe in die Spitze

Generell interpretierte Galasek seine Rolle so defensiv, dass er sich bei eigenen Angriffen nur selten selbst mit einschaltete. Dank seiner Übersicht leitete er aber manchen Treffer selbst mit ein - so den 1:0-Führungstreffer gegen den Hamburger SV am 23. Spieltag (Endstand 4:1), als er mit einem langen Ball Marko Marin in Szene setzte, der dann für den Torschützen Rob Friend quer legte.

Eine vergleichbare Rolle spielte Galasek auch beim 1:0-Siegtreffer gegen den FC Schalke 04 durch Roberto Colautti. Denn der Tscheche war es, der Vorlagengeber Oliver Neuville mit einem feinen 60-Meter-Pass ins Spiel brachte. Einmal war er sogar selbst direkter Vorlagengeber, beim 1:0 von Alexander Baumjohann gegen 1899 Hoffenheim (Endstand 1:1) spielte er den Torschützen mit einem klugen Pass im Mittelfeld frei.

Warmer Applaus zum Abschied

15 Spiele absolvierte Tomas Galasek in der Rückrunde, allesamt in der Startelf, und strafte mit seinen konstanten Leistungen all die, die der Verpflichtung des vermeintlichen "Fußball-Opas" kritisch gegenüber standen, Lügen. Allein beim 0:5 in Leverkusen ging er, genau wie fast alle seiner Mannschaftskollegen, unter, ansonsten war Galasek die erhoffte Stütze in der doch recht Bundesliga-unerfahrenen Mannschaft.

Dennoch hat er von sich aus entschieden, dass nach dem halben Jahr Borussia für ihn Schluss sein sollte. Das verkündete er den VfL-Fans nach dem durch das 1:1 gegen Borussia Dortmund geschafften Klassenerhalt persönlich übers Mikrofon. Den anschließenden warmen Applaus hatte er sich redlich verdient.