Die Idylle ist trügerisch. Wenn die Schalker Profis abends in ihre Betten im Romantikhotel "Aselager Mühle" in Herzlake fallen, dann steht ihnen nicht wirklich der Sinn nach niedersächsischer Gemütlichkeit.

Seit Montag dieser Woche bereiteten sich die "Königsblauen" im Emsland auf die kommende Saison vor, in der nichts werden soll, wie es in der zurückliegenden Runde war. Im UEFA-Cup und DFB-Pokal früh ausgeschieden und in der Bundesliga nur auf Platz acht - dafür, dass sich bei den ambitionierten Gelsenkirchenern so etwas nicht wiederholt, steht nun vor allem ein Name: Felix Magath.

"Kann keine Wunderdinge versprechen"

"Ich kann keine Wunderdinge versprechen, vor allem nicht im ersten Jahr. Aber mein Ziel ist es, Schalke so schnell wie möglich zurück an die Spitze der Bundesliga und in einen europäischen Wettbewerb zu führen. Und natürlich bin ich hierher gekommen, um mit Schalke Titel zu holen", sagt Magath klipp und klar.

Um seine ehrgeizigen Vorhaben zu erreichen, setzt er auf knochenharte Arbeit. Morgens um halb sieben klingelt in Herzlake der Wecker, eine Stunde dauert der Lauf durch den Wald in Aselage. Zwei Trainingseinheiten auf dem direkt am
Hotel gelegenen Rasen runden das tägliche Programm ab.

Hoffnungsträger Holtby

111 Stufen wie im Gelsenkirchener Parkstadion gibt es hier zwar nicht, doch Magath und sein Fitmacher Werner Leuthard, den Magath wie seine anderen Vertrauten aus Wolfsburg mitbrachte, wissen ihre Jungs zu "quälen". Nicht umsonst trägt dieser Ort den Beinamen "Schmerzlake", wie er einst von Magath getauft wurde.

Einer, der sich auf die intensive Vorbereitung noch einstellen muss, ist Lewis Holtby. Das 18 Jahre alte Sturmtalent wurde am Dienstag als dritter und voraussichtlich letzter Zugang
vorgestellt. "Ich bin ein Spieler, der seine Emotionen auf dem Platz auslebt, das kann man auf Schalke sehr gut", sagte Holtby. Der vielerorts umworbene Blondschopf kam vom Zweitligisten Alemannia Aachen nach Schalke.

"Ich bin mir sicher, dass Lewis sich bei uns zu einem Leistungsträger entwickeln und irgendwann auch an die Tür zur
deutschen A-Nationalmannschaft klopfen wird", sagt Magath.

Positiv-Beispiel Höwedes

Da Schalke erstmals seit acht Jahren einen internationalen Wettbewerb verpasste, muss Magath in diesem Sommer mit bescheidenen finanziellen Mitteln auskommen. Ihm macht das nichts, er hat schon vor Jahren in Stuttgart ähnlich erfolgreich Nachwuchsförderung geleistet.

Und wie man in jungem Alter schon nach den Sternen greift, hat gerade Benedikt Höwedes vorgemacht. Der Abwehrspieler ist vor gut einer Woche mit der deutschen U21-Auswahl Europameister geworden. Am Mittwoch traf Höwedes nach nur acht Tagen Urlaub in Herzlake ein - mit einem Titel im Gepäck und dem nächsten womöglich schon vor Augen.