Dortmund - Nur Minuten nach dem , nach diesem Meilenstein Richtung Titelverteidigung, schaltete der BVB um auf "Sepp-Herberger-Modus" - frei nach dem Motto "Das nächste Spiel ist immer das schwerste". Denn das führt die Borussia am Samstag ausgerechnet zum Erzrivalen nach Gelsenkirchen.

"Wir gehen Schritt für Schritt. Und jetzt wollen wir auch auf Schalke wieder bestehen", stellte "Elfmeter-Killer" Roman Weidenfeller noch im Torwart-Dress nüchtern fest. Wer gedacht hatte, die Borussen würde ihren Triumph über den Rekordmeister aus München ausgiebig auskosten oder gar in Vorfreude auf die Deutsche Meisterschaft zum Feiern tendieren, sah sich schwer getäuscht.

"Es ist noch ein weiter Weg"



Auf dem Rasen hatten sie noch mit den Fans die La Ola zelebriert, in den Katakomben des Stadions dann noch einmal mit breitem Grinsen den Monitor mit der Tabelle studiert. Zwei, drei laute Songs dröhnten aus den Boxen in der Kabine - das war s. Nur nicht überheblich werden nach dem vierten Sieg in Serie gegen die Bayern, ganz bodenständig mit dem Sechs-Punkte-Vorsprung an der Tabellenspitze umgehen, so lautet die Devise.

"Dieser Sieg war ohne Zweifel ein ganz wichtiger Schritt, aber mehr auch nicht. Es ist noch ein weiter Weg bis zur Meisterschaft", gab Sportdirektor Michael Zorc die Richtung vor. Der Kapitän folgte konsequent. "Wir haben in dieser Saison noch nichts gewonnen. Wir dürfen nicht vergessen, dass am Samstag schon das nächste schwere Spiel wartet mit dem Revierderby gegen Schalke", stellte Sebastian Kehl klar. Oder, wie es Jürgen Klopp gewohnt knallig formulierte: "Jetzt kommt das nächste Brett bei unseren Freunden in Gelsenkirchen."

Erste Hälfte "nahe am Optimum"



Und dennoch: Der Sieg über die Bayern hat die breite Meisterbrust noch ein Stück weiter wachsen lassen. Vor allem, weil er aufgrund einer beeindruckenden ersten Halbzeit auch verdient ausgefallen war - auch wenn Jürgen Klopp kurz einstreute, "dass ich dieses Spiel auch unverdient gerne gewonnen hätte."

Das musste er aber nicht, weil seine Mannschaft auf den Punkt wieder eine Top-Leistung abgeliefert hatte. Den ersten 45 Minuten verlieh Jürgen Klopp das Prädikat "phantastisch" und lobte seine Elf: "Wir haben eine erste Hälfte gespielt, die nah am Optimum war - mit einer außergewöhnlichen Laufleistung, taktischer Disziplin und viel Spielwitz."

Als die Bayern stärker wurden, hatte der BVB sie in der 77. Minute mit einer kurzen Ecke überrascht und die Unordnung in der Abwehr zum Tor des Tages genutzt. Der Rest ist Geschichte, "weil wir in der Schlussphase in hektischen Momenten die Ruhe bewahrt haben", wie der Trainer zufrieden feststellte.

Die Mutter aller Derbys



So kann Borussia Dortmund weiter an einer Erfolgsstory schreiben, die einmal mehr Bestmarken sprengt. Der Klub spielt mit nunmehr elf Siegen und zwei Unentschieden die beste Rückrunde aller Zeiten und ist jetzt seit 24 Bundesliga-Spielen ohne Niederlage. Das hatte innerhalb einer Spielzeit bisher nur Bayer Leverkusen in der Saison 2009/2010 geschafft.

Und diese schöne Serie will an sich in Dortmund nicht ausgerechnet vom Revierrivalen zerstören lassen. Denn die Partie am Samstag ist eben viel mehr als nur ein weiterer Schritt zur Deutschen Meisterschaft. Es ist die Mutter aller Derbys, was wohl niemand besser weiß, als der Ur-Borusse Kevin Großkreutz: "Das bedeutet Leidenschaft pur. Wer das schon einmal mitgemacht hat, der weiß das!" ()

Die Dortmunder ahnen, dass der Gegner am Samstag alles tun wird, um nach einer völlig hilflosen Vorstellung in der Hinrunde nicht noch eine zweite Pleite gegen den BVB zu kassieren. Und sie haben sich schon jetzt darauf eingestellt. "Der Gegner wird uns hassen, und das ganze Stadion wird gegen uns sein", vermutet Mats Hummels. "Das macht richtig Spaß, das sind die schönsten Spiele!"

Dass es gegen den Club aus Gelsenkirchen nicht nur um drei Punkte geht, bestätigt auch Sebastian Kehl. Und macht klar, dass der alte und wohl auch neue Deutsche Meister durchaus noch andere Ambitionen hat: "Auf Schalke zu gewinnen, das fühlt sich immer ganz besonders an. Und deswegen ist es ein weiteres Ziel von uns!"

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte