Mit Beginn der Rückrunde hat für Hertha BSC die Aufholjagd auf die Nichtabstiegsplätze hat begonnen.

Nach dem 3:0-Sieg bei Hannover 96 ist die Hoffnung wieder da, die Statistik Lügen zu strafen. Noch nie in der Bundesliga-Geschichte konnte ein Club mit nur einem Sieg und drei Unentschieden in der Vorrunde den Abstieg in die Zweitklassigkeit verhindern. Das soll anders werden.

"Wir schaffen das" lautet die offizielle "Aufholjäger"-Kampagne des Traditionsvereins.

Michael Preetz verrät bundesliga.de, wie es zum Absturz des Beinahe-Meisters der Vorsaison kommen konnte und warum er vom Klassenerhalt überzeugt ist.

"Über die 2. Bundesliga reden wir nicht", zeigt sich der Geschäftsführer Sport und Kommunikation/Medien optimistisch. Und in der Europa League will er "nichts verschenken".

bundesliga.de: Herr Preetz, warum spielt Hertha BSC auch in der kommenden Saison in der Bundesliga?

Michael Preetz: Weil die Mannschaft die Qualität dazu hat, die Aufholjagd zu schaffen. Wir haben uns in der Winterpause gezielt verstärkt und eine gute Vorbereitung auf Mallorca gehabt. Kobiashvili, Gekas, Hubnik - und auch Kringe, den wir ja getrost als Neuzugang zählen können, helfen uns mit Ihrer Erfahrung. Das gibt den anderen Spielern auch das Selbstvertrauen wieder, das sie in der Hinserie verloren hatten.

bundesliga.de: Hat man den Qualitätsverlust für die Mannschaft durch die Abgänge von Leistungsträgern wie Voronin oder Simunic unterschätzt?

Preetz: Nein, von uns hat ja niemand irgendwelche Prognosen abgegeben, dass wir in dieser Saison wieder um die Qualifikation um einen internationalen Startplatz spielen würden. Wir wussten uns schon einzuordnen. Die Mannschaft hatte zu Saisonbeginn schon die Qualität, normal in der Liga mitzuspielen. Eine Verkettung von Gründen hat dann zu diesem schon einzigartigen Fall geführt.

bundesliga.de: Wo sehen Sie die Gründe neben den Abgängen von Leistungsträgern für das schwache Abschneiden in der Vorrunde?

Preetz: Wir haben zu Beginn einige Spiele wie in Mönchengladbach und Mainz unglücklich verloren. Das hat wohl mit dazu geführt, dass nicht alle direkt kapiert hatten, in welche Situation wir geraten können. Als wir dann in den Abwärtsstrudel gerissen wurden, haben wir es nicht geschafft, den Sog aufzuhalten. Die Spieler haben das Vertrauen in sich und ihre Stärke verloren. Daran haben wir gearbeitet.

bundesliga.de: Waren finanzielle Gründe ausschlaggebend, dass das Team vor der Saison nicht optimaler verstärkt worden ist oder haben die Neuzugänge nicht wie erhofft eingeschlagen?

Preetz: Die finanzielle Situation von Hertha BSC ist ja bekannt, auch unsere Zwänge waren dies. Wir wollen Hertha BSC weiter konsolidieren. Dazu gehört auch eine Transferpolitik, die den wirtschaftlichen Gegebenheiten angemessen ist.

bundesliga.de: Wie sehr musste sich der Verein dann finanziell strecken, um in der Winterpause Spieler wie Gekas und Kobiashvili verpflichten zu können?

Preetz: Wir hatten schon in den Wochen vor der Winterpause angekündigt, dass der Verein Möglichkeiten suchen und finden wird, tätig zu werden. Das ist gelungen. Natürlich war dies nicht einfach, aber gemeinsam wurden die Lösungen erarbeitet.

bundesliga.de: Was erwarten Sie von den Neuen und wie weit sind sie trotz der kurzen Winterpause bereits integriert?

Preetz: Sie haben sich gleich sehr gut eingefügt. Eine unserer Prämissen war, dass sie Erfahrung in der Bundesliga haben mussten und sich gut verständigen können. Das ist bei Kobiashvili und Gekas der Fall, Hubnik fällt es leicht durch Drobny. So sind sie im Trainingslager auf Mallorca schnell Teil der Mannschaft geworden. Wie wertvoll sie sind, haben wir in Hannover gesehen.

bundesliga.de: Herr Preetz, Hand aufs Herz, wieviel Prozent ihrer Arbeit gehören den Planungen für den "worst case" 2. Bundesliga - und macht der Job noch Spaß?

Preetz: Der Job macht Spaß, auch wenn keiner, auch ich nicht, mit einer solchen Situation gerechnet hätte. Wir sind vom Klassenerhalt überzeugt, über die 2. Bundesliga reden wir nicht.
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bundesliga.de: Aktuell gelten Ihre Pläne und Bemühungen dem Kampf gegen den Abstieg und der Konsolidierung des Vereins. Die Ansprüche des Hauptstadtclubs liegen aber sicher höher. Wie sehen Ihre langfristigen Planungen aus?

Preetz: Ich habe ja schon erklärt, dass wir mittelfristig denken und uns die wirtschaftliche Konsolidierung ein wichtiges Anliegen ist. Ansprüche werden ganz oft von Medien oder von außen an einen Verein heran getragen. Wir werden entsprechend unserer Möglichkeiten planen und wirken.

bundesliga.de: Dürfen sich die Fans in den kommenden Jahren auf "Berliner Jungs" aus der eigenen Jugendarbeit freuen?

Preetz: Es wird sicher ein Teil unserer Strategie sein, unsere Jugendarbeit, die ja schon viele sehr gute Spieler hervorgebracht hat, weiter zu stärken.

bundesliga.de: In den kommenden Heimspielen gegen Mönchengladbach und Bochum sind sechs Punkte schon beinahe Pflicht. Ist die Mannschaft dem Druck gewachsen?

Preetz: Das Spiel in Hannover hat gezeigt, dass die Mannschaft mit sehr großen Einsatz und auch dem nötigen Selbstvertrauen auf den Platz gegangen ist. Da war der Druck sicher ebenso groß wie vor den Spielen gegen Mönchengladbach und Bochum.

bundesliga.de: Abgesehen vom finanziellen Aspekt: Wie hoch ist die Konzentration auf den Europapokal? Befürchten Sie, dass ein Tanz auf zwei Hochzeiten sich negativ auf den Abstiegskampf auswirken könnte?

Preetz: Natürlich hat es uns geholfen, dass wir in der Europa-League so weit gekommen sind, auch finanziell. Die Spiele sind für uns absolut wichtig, verschenken werden wir nichts.

Die Fragen stellte Jürgen Blöhs