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Deutsche U21 ist Europameister: Kuntz' Hyänenbande ist nicht zu stoppen

Schiedsrichter Georgi Kruashvili aus Georgien hatte offensichtlich Gefallen am Finale der U21-EM im Stadion Stozice in Ljubljana gefunden, denn er verlängerte die ursprünglich angezeigten vier Minuten Nachspielzeit noch einmal um mehr als 60 Sekunden. Aber auch dieser Nachschlag konnte das deutsche Team nicht schocken. Immer wieder prügelten die Portugiesen den Ball hoch und weit in die deutsche Hälfte, immer wieder räumten Amos Pieper und Nico Schlotterbeck in der Luft alles ab und klärten die Situation. Dann hatte Herr Kruashvili aber doch ein Einsehen und beim deutschen Team gab es kein Halten mehr.

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Nach dem Abpfiff spielten sich tumultartige Szenen auf dem Rasen ab und Spieler, Trainer und Betreuer verschmolzen in einem einzigen großen Partyklumpen. Ein Bild, das durchaus Symbolcharakter hatte, denn die U21 feierte ihren Erfolg genauso, wie sie ihn errungen hatte: Mit großer mannschaftlichen Geschlossenheit.

Mit großer Leidenschaft nahmen sie selbst die Portugiesen an die Kette, die mit zwölf Treffern die beste Offensive des Turniers stellten und als Favoriten in das Finale gegangen waren. Aber diese Rolle des Außenseiters hat das deutsche Team auf der Reise zum EM-Triumph kultiviert. "Ich denke, dass dies der Jahrgang war, dem man von Anfang an am wenigsten zugetraut hat. Wenn man überlegt, wen wir geschlagen haben! Wenn man sieht, mit welcher Leidenschaft die Mannschaft defensiv gearbeitet hat, wie sie zusammenhalten - Jungs, die teilweise in ihren Vereinen nicht unbedingt Stammspieler sind", erklärte ein sichtlich emotionaler Nationaltrainer Stefan Kuntz nach der Partie.

Seine Spieler hatte Kuntz, der bereits zum dritten Mal mit einer deutschen U21 im EM-Finale stand (ein Sieg, eine Niederlage zuvor), mit einem tierischen Vergleich auf die schwierigen Aufgaben der K.o.-Runde eingeschworen. "Ihr müsst eine Hyänenbande sein. Die kann keiner leiden, aber die kriegen zum Schluss immer das, was sie wollen", hatte er seinem Team mitgegeben - und seine Spieler nahmen ihn beim Wort. "Wie sie sich zum Schluss reingeschmissen haben, hat mich doch stark daran erinnert", befand ein stolzer Coach nach dem Finale.

Dabei wäre es aber falsch, die Qualitäten allein auf den Kampf und die Leidenschaft zu reduzieren, denn der Siegtreffer gegen Portugal war auch ein Beispiel des großen spielerischen Potenzials in dieser Mannschaft. Wie Ridle Baku Lukas Nmecha mit einem perfekt getimten Pass in die Spitze schickte, war schon ganz großer Sport - und der Abschluss des Ex-Wolfsburgers war nicht minder sehenswert. In der Schlussphase war dann wieder die leidenschaftliche Defensivarbeit gefragt, die das Team mit Bravour erledigte. Sogar die extra 60 Sekunden, die Georgi Kruashvili noch sehen wollte.

Auch DFL-Geschäftsführer Christian Seifert freute sich mit dem deutschen Team und schickte Glückwünsche nach Slowenien: "Herzlichen Glückwunsch an Trainer Stefan Kuntz und sein Team! Der EM-Titelgewinn ist eine herausragende Leistung. Besonders erfreulich ist die Tatsache, dass die Spieler fast durchweg bei Clubs der Bundesliga und 2. Bundesliga aktiv sind. Mit Blick auf die sportliche Perspektive des deutschen Fußballs wird derzeit zurecht viel über die künftige Ausrichtung der Nachwuchsarbeit diskutiert. Umso höher ist dieser Erfolg der U21-Nationalmannschaft zu bewerten. Jetzt geht es darum, bei der Nachwuchsarbeit die Versäumnisse der vergangenen Jahre aufzuholen. Daher unterstützt die DFL das ‚Projekt Zukunft‘ von Oliver Bierhoff und seinem Team ausdrücklich."

Nach der Pokalübergabe konnte das deutsche Team dann noch beweisen, dass es eine weitere Gemeinsamkeit mit einer Hyänenbande hat: Die Raubtiere aus der afrikanischen Savanne sind nämlich nachtaktiv.