Paderborn - Gegen Ende der Hinrunde war der Akku ziemlich leer. An den ersten zwölf Spieltagen hatte Moritz Stoppelkamp alle Partien des SC Paderborn 07 über die vollen 90 Minuten bestritten und seinen Wert für den Bundesliga-Neuling eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Bei den folgenden fünf Begegnungen kam Stoppelkamp lediglich viermal zum Einsatz, wurde dabei dreimal aus- sowie einmal eingewechselt und fiel auch leistungsmäßig etwas ab. Für Manager Michael Born kein Grund zur Beunruhigung. "Moritz hat die Pausen gebraucht. Gerade er macht ja bisweilen Dinge, mit denen der Gegner nicht rechnet. Moritz sucht stets viele Eins-gegen-eins-Duelle und er arbeitet zudem extrem viel nach hinten mit. Klar, dass bei diesem Einsatz dann irgendwann auch mal die Frische fehlt", sagte Born.

Rekordtreffer gegen Hannover 96

Verrückt war vor allem jenes Ding am 20. September. Am vierten Spieltag gegen Hannover 96 bahnte sich Moritz Stoppelkamp in der Nachspielzeit seinen Weg in die Geschichtsbücher der Fußball-Bundesliga, weil der Ball bei dem von ihm als Befreiungsschlag gedachten Schuss nach 82,30 Metern zum 2:0 über die Linie des von Ron-Robert Zieler verlassenen Tores rollte. "Ich wollte schon aufs Tor schießen. Aber ich hätte nicht gedacht, dass ich wirklich so weit komme", sagte Stoppelkamp.

Nie zuvor hatte es in der Bundesliga einen Treffer aus größerer Entfernung gegeben (Infografik: Top 5 der Weitschusstore). Klar, dass sich der SC Paderborn dafür etwas besonderes einfallen ließ. Auf dem recht kargen Gelände vor dem Stadion wurde flugs ein Fußweg angelegt, der exakt 82,30 Meter misst und Moritz-Stoppelkamp-Allee getauft wurde. "Das ist eine große Ehre für mich und macht mich unglaublich stolz", sagte Stoppelkamp bei der Einweihung.

 

 

 

Sein Topfakt:

 

  • Moritz Stoppelkamp war eine gute Verpflichtung des SC, er war an vier Treffern direkt beteiligt (drei Tore, eine Torvorlage) - nur Kachunga sammelte mehr Scorer-Punkte. Sein Weitschuss-Tor gegen Hannover ist bereits jetzt ein Klassiker

Von einer Genugtuung, das Rekord-Tor ausgerechnet gegen Hannover 96 erzielt zu haben, sprach er hingegen nie. Denn just bei 96 drohte die Karriere des gebürtigen Duisburgers zu kippen. Zur Saison 2010/11 wechselte Stoppelkamp vom Zweitligisten Rot-Weiß Oberhausen an die Leine, wo es für ihn auch recht vielversprechend begann.

In den ersten elf Spielen stand der offensive Mittelfeldakteur stets in der Startelf, ehe ihn ein Außenbandabriss stoppte. Der Stammplatz war futsch und trotz einer ordentlichen Vorbereitung zur Saison 2011/12 kam er bei Trainer Mirko Slomka auf keinen grünen Zweig mehr. "Da war klar: Ich muss weg. Aber ich habe in Hannover viel gelernt und mich weiterentwickelt", sagte Stoppelkamp.

Ex-Löwe ist Paderborns Königstransfer

Sein Wechsel zurück in die 2. Bundesliga schien Wasser auf die Mühlen der Kritiker, die ihn einst als "Stolperkamp" bezeichnet hatten. Doch mit seiner persönlichen Reife wurde er beim TSV 1860 München zur absoluten Führungsfigur. Von 2012 bis 2014 stand Stoppelkamp für die "Löwen" in 67 der 68 Partien auf dem Platz und spielte sich in der Saison 2013/14 mit zwölf Treffern sowie 20 Torvorlagen auch wieder in den Fokus der Bundesligisten. Der SC Paderborn machte schließlich das Rennen.

Moritz Stoppelkamp verbuchte bislang nicht nur drei Treffer und eine Torvorlage, er stopfte mit seiner Laufbereitschaft von rund zwölf Kilometern pro Spiel auch viele Löcher und eroberte in 59 Prozent gewonnenen Zweikämpfen zudem viele Bälle. "Moritz ist überragend. Er hat die Qualität in unserem Kader deutlich angehoben", sagte Paderborns Trainer André Breitenreiter.

Für Stoppelkamp selbst war die neue Liga keine andere Welt. "Es hat mich zwar überrascht, dass ich meine Leistung so schnell abrufen konnte, aber grundsätzlich habe ich mir die Bundesliga schon zugetraut. Es war nach meiner Zeit in Hannover einfach mein Ziel, es mir selber zu beweisen", sagte der 28-Jährige. Die Moritz-Stoppelkamp-Allee am Stadion in Paderborn dient dazu auch als sichtbarer Beleg.

Thomas Schulz