Bremen - Die Fans im Weserstadion rieben sich verwundert die Augen. "Spielen die Bremer jetzt in roten anstatt in grünen Trikots?", werden sich viele an diesem denkwürdigen Samstag gefragt haben. Denn was sich am 4. Spieltag im Duell zwischen Werder Bremen und dem 1. FSV Mainz 05 abgespielt hat, stellte die Kräfteverhältnisse der vergangenen Jahre mächtig auf den Kopf.

Nicht die Hausherren zwangen den Gästen aus Rheinhessen ihr Spiel auf und dominierten das Geschehen auf dem Rasen. Nein, es waren die Mainzer, die beim 2:0-Auswärtssieg eine wahre Fußball-Demonstration ablieferten.

"Sieg war absolut verdient"

"Ein herrlicher Tag. Wir haben Werder zu keinem Zeitpunkt ins Spiel kommen lassen. Der Sieg war absolut verdient", erklärte Andreas Schürrle, der nach einem Konter den Endstand markierte, im Gespräch mit bundesliga.de.

Trainer Thomas Tuchel lieferte auf der Pressekonferenz nach dem Spiel seine Analyse zum Erfolg. "Wir waren das ganze Spiel über sehr aufmerksam und wach, haben es dann geschafft, flach umzuschalten, die Räume zu nutzen und vorne den letzten Stich zu setzen", sagte er.

Die Umstellungen greifen

Dabei überraschte der junge FSV-Coach zu Beginn mal wieder mit einer neuen Mannschaftsaufstellung. Das Motto "Never change a winning team" scheint es unter seiner Regie nicht zu geben. Gleich auf vier Positionen veränderte er die Siegerelf aus dem Rheinland-Pfalz-Derby gegen Kaiserslautern. Mit Erfolg. "Der Trainer hat immer einen Plan. Und der ist wieder aufgegangen. Da hat er wieder einmal alles richtig gemacht", lobte Schürrle seinen "Chef".

Ein Nutznießer der Rotation war Marcel Risse. Der ausgeliehene Neuzugang aus Leverkusen kam zu seinem ersten Saisoneinsatz und bedankte sich dafür artig mit seinem ersten Bundesliga-Treffer - damit trug er sich zudem als 3000. Torschütze der Bundesliga in die Geschichtsbücher ein. "Das ist unbeschreiblich. Aber das ich treffe, wurde auch mal Zeit", sagte er strahlend zu bundesliga.de.

Schon sieben Torschützen

Risse war zudem auch der siebte Mainzer Torschütze in dieser Saison. In der vergangenen Saison war Aristide Bance noch der Torgarant. "In diesem Jahr ist die Verantwortung auf mehreren Schultern verteilt", stellte Kapitän Nikolce Noveski ob der mannschaftlichen Geschlossenheit fest.

Die weiteren Zutaten des Mainzer Erfolgsrezeptes gab Risse preis. "Das Team läuft in jedem Spiel 90 Minuten diszipliniert hoch und runter. Die Mannschaft hört einfach nicht auf zu arbeiten und jeder hilft bis zum Schluss in der Defensive mit."

Das Ergebnis bislang sind vier Siege in Folge, der FSV ist alleiniger Tabellenführer - eine Premiere für die Mainzer. Werden die Ziele da jetzt etwa neu definiert? "Natürlich nicht. Wir haben in der Kabine in der Vorbereitung mal aus Spaß über die Europa League geflachst. Dass es jetzt mit der Tabellenführung geklappt hat, ist natürlich umso schöner", beantwortete Risse die Frage.

Tuchel mahnt zur Konzentration

Trainer Tuchel drückt aber schon mächtig auf die Euphoriebremse. "Die aktuelle Tabelle ist nur für unsere Anhänger. Wir haben gar keine Zeit, über neue Ziele nachzudenken." Wohl wahr. Denn schon am Dienstag steht das Heimspiel gegen den 1. FC Köln an. Die Rollenverteilung ist mit einem Blick auf die Tabelle klar: Mainz ist Favorit, Köln krasser Außenseiter.

"Favorit hin oder her. Wir müssen unsere Leistung bringen. Dann ist auch ein Sieg drin. Und mit dieser Einstellung werden wir auch in das Spiel gehen", blickt Schürrle voraus. Für Präsident Harald Strutz steht eines vor der Partie gegen die Kölner auf jeden Fall fest: "Auf dieses Mainzer Team kann man schon jetzt stolz sein!"

Michael Reis