Zusammenfassung

  • Die Premierensaison der TSG in der Europa League verlief äußerst ernüchternd.

  • Mit dem Sieg gegen RB Leipzig setzte die Nagelsmann-Elf aber in der Bundesliga ein wichtiges Zeichen.

  • Im letzten Europa League Spiel wird Nagelsmann Spielern die Chance geben, die zuletzt nicht so oft zum Einsatz kamen.

Sinsheim - Ein letztes Mal heißt es an diesem Donnerstag nun das "allererste Mal" für die TSG Hoffenheim: Mit dem Heimspiel gegen den bulgarischen Vertreter Ludogorez Rasgrad verabschiedet sich der Bundesligist aus Baden von der ersten Europapokalteilnahme der Vereinsgeschichte. Das Ziel, in der Europa League zu überwintern, war mit der 1:3-Niederlage im portugiesischen Braga vor zwei Wochen schon ausgeträumt. Festtage feierte die Mannschaft von Trainer Julian Nagelsmann auch in dieser Runde in der Liga - so wie am vergangenen Samstag mit dem 4:0 gegen RB Leipzig.

Mit dem Erfolg vergewisserte sich die Elf ihrer eigenen Stärke, an der es nach zuletzt nur zwei Siegen in zwölf Spielen Zweifel gab. Aber mit dem Erfolg gegen den Tabellenzweiten stimmt die Perspektive wieder in Hoffenheim, mit nur drei Punkten hinter RB blühen wieder Europapokalträume zum Ausklang der ersten, am Ende aber enttäuschenden Kampagne in Europa.

Nagelsmann:" "Ich werde viele junge, hungrige Spieler reinwerfen"

Aber weil das so ist, wird der Trainer gegen Rasgrad noch einmal stark rotieren und zuletzt stark beanspruchten Spielern eine Pause gönnen, damit sie fit in die Bundesliga-Partie am Sonntag in Hannover starten. "Ich werde viele junge, hungrige Spieler am Donnerstag reinwerfen, die vielleicht noch nicht so oft bei den Profis auf dem Feld standen: Die werden kräftig aufs Gaspedal drücken, einfach für die eigene Karriere", erklärt Nagelsmann. Heiß sein, emotional um jeden Ball kämpfen - genau dies hatte in den letzten Wochen ja in allerletzter Konsequenz im Spiel der TSG gefehlt. Doch gegen Leipzig zeigte die Elf wieder jene gierige Einstellung, mit der sie in der vergangenen Runde den vierten Tabellenplatz erreichte.

VIDEO: Hoffenheim - Leipzig in der Analyse

Vor dem Leipzig-Spiel spitzten manche Beobachter die Situation der TSG so zu: "Befreiungsschlag oder Krise?" Es gelang der Befreiungsschlag, weil seine Profis "die Basiselemente des Spiels" wieder auf dem Platz gezeigt hatten, wie Nagelsmann nach dem Erfolg analysierte. Man könne nicht immer nur vom Potenzial reden, das in der Mannschaft sei, man müsse es auch auf den Platz bringen, impfte der Trainer seinen Schützlingen ein.

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Doch Nagelsmann gelang die Wende auch durch einige Maßnahmen in der langen Trainingswoche vor dem Spiel. Normalerweise analysieren seine Assistenten Matthias Kaltenbach und vor allem Alfred Schreuder per Video die Leistungen der einzelnen Spieler in der vorangegangenen Begegnung. Diesmal aber machte das Nagelsmann per Videoanalyse selbst sehr eindringlich und verdeutlichte seinen Profis auch so die Wichtigkeit der aktuellen Phase.

TSG Hoffenheim durchläuft Lernprozess

Es sei nicht alles schwarz gewesen, betont Nagelsmann, dessen Mannschaft in den letzten Wochen auch unter vielen Verletzungen zu leiden hatte. "Wir haben schon gemerkt, dass die ungewohnten Belastung an den Kräften der Spieler zehrt", bemerkt Manager Alexander Rosen. Das Wichtigste und die Kunst der großen Spieler und Mannschaften sei es, so Nagelsmann, immer genau auf den Punkt zum Anpfiff des nächsten Spiels voll fokussiert zu sein. Das sei ein Lernprozess, sagt der Trainer, den seine Mannschaft gerade durchlaufe.

VIDEO: Hoffenheim fertigt Leipzig ab

Gegen Leipzig aber zeigten sich seine Spieler lernwillig - auch weil sie nach einer vollen Woche Training wieder spritziger wirkten als zuletzt. Und: Weil der Trainer die richtige Taktik gegen die Umschaltkönige von RB gewählt hatte: Entgegen seinem Naturell entschied sich Nagelsmann dazu, dem Gegner den Ball zu überlassen. Ganz nach dem Motto: Hinten dicht, vorne Konter. Das gelang perfekt und bewies wieder einmal, wie variabel und flexibel dieser Trainer und seine Mannschaft sind. 

Gelingt es der Mannschaft in den restlichen drei Ligaspielen in Hannover, gegen Stuttgart und in Dortmund eine ähnlich bissige Leistung auf den Platz zu bringen wie gegen Leipzig, wird sie noch einige Punkte holen. Und möglicherweise zeigt dann die Perspektive für die Rückrunde wieder dahin, von wo sich die TSG am Donnerstag mit einer couragierten Leistung gegen Ludogorez Rasgrad verabschieden will: nach Europa. 

Tobias Schächter

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