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TSG Hoffenheim steuert eindrucksvoll auf Europacup-Kurs

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Bei der TSG Hoffenheim läuft es: Die Kraichgauer sind die Mannschaft der Stunde und haben die vergangenen sieben Spiele in der Bundesliga nicht verloren. Langsam, aber stetig hat Sebastian Hoeneß einen Europacup-Anwärter aus seiner Mannschaft geformt.

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Während die große Konkurrenz um die Europapokalplätze am vergangenen Spieltag Federn ließ, punktete die TSG Hoffenheim gegen den FC Augsburg dreifach und kletterte in der Tabelle: Die Kraichgauer sind nun Dritter und kommen auf 31 Zähler. Nach Platz elf in der turbulenten vergangenen Saison der TSG hat Coach Sebastian Hoeneß die Seinen zu einem ernsthaften Anwärter auf die Europapokal-Plätze gemacht. "Wir haben eine sehr schwierige Zeit gemeinsam durchlebt, Trainerteam und Mannschaft, aber auch der Club als solcher", sagt Hoeneß.

2020/21 hatten die Kraichgauer mit zahlreichen Verletzungen und Corona-Infektionen zu kämpfen, zudem machte die Dreifach-Belastung Hoffenheim zu schaffen. Die vergangene Saison habe aber alle im Club zusammengeschweißt: "Wir wissen, dass wir auch in schwierigen Phasen ruhig bleiben und lösungsorientiert sind", sagt der Trainer der TSG.

Wird immer effizienter vor dem Tor: Ihlas Bebou - Markus Ulmer via www.imago-images.de/imago images/ULMER Pressebildagentur

Offensiv-Spektakel genau nach Hoeneß' Vorstellung

Auch die erste Hälfte der Hinrunde in dieser Saison geriet etwas abwechslungsreich: Einem Auftaktsieg gegen den FCA folgten ein Remis und eine Niederlage. Darauf kam es wiederum zu einer Spiegelung der ersten drei Resultate: eine Niederlage, ein Remis und dann der zweite Saisonsieg. Auf errungene Dreier folgte postwendend wieder eine Niederlage - bis zum 11. Spieltag: Seit dem 0:2 beim VfL Bochum haben die Kraichgauer kein Spiel mehr in der Bundesliga verloren. Das ist die aktuell längste Serie in der Bundesliga.

In diesen sieben ungeschlagenen Spielen (fünf Siege, zwei Remis) hat sich das Hoeneß-Teamvon Platz zehn langsam, aber sicher nach oben gespielt und grüßt nun als Dritter. Die TSG setzt die Spielidee des Trainers im zweiten Jahr viel besser um: mutiges Kombinationsspiel bereits im Aufbau, gute Ballzirkulation und Tempo bis ins Angriffsdrittel sowie direktes Gegenpressing nach Ballverlust. "Wir versuchen, weiterhin für Spektakel zu sorgen, indem wir immer wieder mutig und offensiv auftreten", sagt Hoeneß. Mit bislang 38 Toren stellen die Hoffenheimer die viertbeste Offensive der Bundesliga. Und das, obwohl der Top-Torjäger der vergangenen Jahre - Andrej Kramaric - in dieser Saison erst bei zwei Saisontreffern steht.

Der Senkrechtstarter: David Raum lebt seinen Traum bei der TSG und der Nationalmannschaft - Alex Grimm/Getty Images

Die Stehaufmännchen der Bundesliga

Zudem beweist Hoffenheim großer Nehmerqualitäten: 15 der insgesamt 31 Punkte wurden nach Rückständen eingefahren. Sieben Mal hat das Team von Hoeneß noch nach Rückständen gepunktet - das ist Bundesliga-Bestwert. Auch am vergangenen Samstag beim 3:1 gegen Augsburg lag die TSG zwischenzeitlich hinten. Nicht nur im Teamspirit und der Mentalität haben sich die Kraichgauer in dieser Saison enorm gesteigert, auch individuell liefern einige Spieler eine bärenstarkes Spieljahr ab.

Einer davon ist Ihlas Bebou. Der Stürmer hat in dieser Saison zwar erst in drei Partien getroffen, steht aber schon bei sieben Saisontoren. Gegen Köln traf er beim 5:0 doppelt, beim 6:3 in Fürth dreifach und zum Rückrundenauftakt gegen Augsburg wieder doppelt. "Jetzt wäre ich eigentlich wieder mit drei Toren dran", scherzt der Togoer, der im Dezember erst seinen Vertrag bei der TSG bis zum Sommer 2026 verlängerte und bald seinen persönlichen Torrekord von neun Treffern in einer Bundesliga-Saison knacken könnte. "Wäre er nur einen Tick effizienter gewesen, hätte er letzte Saison zweistellig getroffen. Ds muss auch jetzt der Weg sein, dass er in der Effizienz noch etwas rausholt", sagt Hoeneß über seinen besten Torschützen.

Es schlummert noch ordentlich Potenzial bei der TSG

Ein weiterer Spieler hat bei der TSG 2021/22 bereits ordentlich was rausgeholt: David Raum. Der Linksverteidiger wechselte im Sommer von der SpVgg Greuther Fürth nach Hoffenheim. Mit seiner Dynamik ist der 23 Jahre alte Außenverteidiger eine Bereicherung für den Club, die Bundesliga - und mittlerweile auch für die deutsche Nationalmannschaft. Der U21-Europameister von 2021 gab im September sein Debüt unter Hansi Flick, wurde zudem auch in den Länderspiel-Fenstern im Oktober und November nominiert. Gegen Nordmazedonien und Armenien spielte er links die vollen 90 Minuten durch.

Der Linksfuß, der für gefährliche Freistöße und Ecken sorgen kann, brachte in der Bundesliga bereits 94 Flanken aus dem Spiel in den Strafraum. Nur Filip Kostic von Eintracht Frankfurt flankte öfter. Zwei Tore und fünf Assists sprechen zudem für den großen offensiven Einfluss, den Raum jetzt schon bei der TSG hat. Auch, weil beispielsweise Kramaric ist noch nicht in Topform (zwei Tore und sieben Assists), zudem könnten sich auch noch vielversprechende Spieler wie Munas Dabbur (drei Tore und drei Vorlagen), Christoph Baumgartner (drei Tore) oder Georginio Rutter (vier Tore und vier Vorlagen) steigern.

Mögliche Stützen wie Jacob Bruun Larsen, Robert Skov oder Benjamin Hübner fielen zuletzt auch noch aus: In der TSG schlummert noch ordentlich Potenzial. In den kommenden drei Partien geht es gegen direkte Konkurrenten um die Europapokalplätze: Am Samstag geht es zum 1. FC Union Berlin, der drei Punkte weniger als die TSG hat. Am 20. Spieltag kommt der BVB in den Kraichgau. Und dazwischen kommt es zum Kracher im DFB-Pokal: Der Sport-Club Freiburg, aktuell Vierter, reist nach Sinsheim. Schwierige Aufgaben, die den Hoffenheimern in dieser Saison aber allesamt zuzutrauen sind.