Sinsheim - Es war ein Festabend für Roberto Firmino: Zwei Tore vorbereitet, zwei selbst geschossen, eins davon spektakulär per Fallrückzieher - der Brasilianer war der Mann des Abends beim 5:1 (2:0)-Pokalerfolg der TSG Hoffenheim gegen Zweitligist FSV Frankfurt.

Dieser ungefährdete Einzug ins DFB-Pokal-Achtelfinale, in dem die TSG im März beim VfB Aalen antreten muss, war genau der richtige Aufgalopp für die Spitzenpartie in der Liga am Sonntag bei Borussia Mönchengladbach. Drei Tage vor dem Spitzenduell am Niederrhein rotierte Trainer Gisdol kräftig. Auf der Auswechselbank saßen zunächst Stammkräfte wie Baumann, Polanski, Schwegler, Elyounoussi, Szalai oder Modeste, der nur ein paar Sekunden nach seiner Einwechslung per Kopf das 4:0 erzielte.

Die souveräne Leistung zeigt, wie ausgeglichen der Kader in Hoffenheim mittlerweile ist, vor allem auch in der Offensive. Da auch Schipplock traf, besitzt Trainer Markus Gisdol auf der Mittelstürmerposition drei hochkarätige Alternativen: Schipplock, Modeste und Szalai.

Gladbach als erster Härtetest

„Die Spieler, die heute ihre Chance bekommen haben, haben sie genutzt“, freute sich Gisdol. Nicht nur er ist gespannt, wie weit seine in der Liga immer noch ungeschlagene Mannschaft tatsächlich ist. In Gladbach steht ein erster Härtetest an. Gut für Gisdol und alle TSG-Anhänger ist, dass neben Firmino auch Kevin Volland immer besser in Schwung kommt.

Die beiden Edeltalente sind in der Offensive gesetzt. Volland hatte nach einer rätselhaften Rückenverletzung Probleme, in die Saison zu finden, kommt aber jetzt immer besser in Form. Vergangenen Samstag erzielte er den Siegtreffer zum 1:0 gegen Paderborn. Es war sein erster Saisontreffer. Die Erleichterung war groß bei dem 22-Jährigen.

Auf dem Platz ist der Bayer ja ein frecher Draufgänger. Nach den Spielen im Gespräch mit den Journalisten ist er ein freundlicher Diplomat. Auf dem Platz kann er ansatzlos abziehen, jenseits des Rasens hält er verbal  den Ball flach. Das Tor tue ihm natürlich gut, untertrieb Volland lässig.

Firmino: Profi mit hoher Eigendisziplin

Statistisch ist die TSG mit 17 Punkten und neun Spielen ohne Niederlage derzeit ein: Spitzenteam. Diese Elf spielt aber noch lange nicht an ihrer Grenze, obwohl sie nun enge Spiele gewinnt; obwohl sie statt einer Schießbude (70 Gegentore im Vorjahr) nun ein Vorbild an Stabilität ist (Torverhältnis aktuell: 13:7); und obwohl diese TSG mittlerweile sogar ein 1:0 relativ souverän über die Zeit retten kann wie gegen Paderborn.

Wie eine Drohung wirkt, dass noch nicht alle Spieler ihre allerbeste Form haben: Volland und Firmino aber nähern sich dieser. Der grandiose Brasilianer wurde zurecht von Nationaltrainer Dunga zu den kommenden Länderspielen in der Türkei und Österreich eingeladen.

Auch in Hoffenheim, sagt TSG-Manager Alexander Rosen deshalb stolz, könne man deutscher oder brasilianischer Nationalspieler werden. Dass Firminos Formastieg mit seiner Nationalmannschaftsnominierung zusammenhängt, glaubt Trainer Gisdol nicht. Firmino habe sich zu einem Profi mit hoher Eigendisziplin entwickelt, der selbst dafür Sorge in die beste Verfassung zu kommen.

Wann wird Volland rasiert?

Volland und Firmino verstehen sich blind auf dem Platz, beide haben längst einen Marktwert im zweistelligen Millionenbereich, beide sind Garanten für die Stärke der Hoffenheimer Offensive. Um diese Großtalente länger als dieses Saison zu halten, müsste die TSG künftig international spielen. Utopisch ist das nicht.

Und in Wahrheit haben Gisdol und Rosen sich ja so eine Entwicklung hin zu mehr Stabilität und Erfolg genau so ausgemalt. Ehrgeizige Profis wie Oliver Baumann, Schwegler, Adam Szalai, Ermin Bicakcic oder Steven Zuber wechselten im Sommer ja nicht zur TSG, um ihre Karriere zu verwalten. In Hoffenheims Kabine wächst der Glaube immer mehr, zusammen gemeinsam viel erreichen zu können. Auch deshalb verlängerten ja in den letzten Monaten sukzessive Volland, Rudy und Firmino ihre Verträge. Ob sie wollen oder nicht bei der TSG: die Spitzenelf-Debatte ist da.

Kevin Volland trägt derzeit übrigens einen wilden Vollbart, der erst bei der nächsten Niederlage abrasiert werden soll - in Gladbach soll das weiter hinausgezögert werden.