Breslau - "CECH-ien" setzt alle Hoffnungen in seinen Weltklassetorhüter: Im Trikot des FC Chelsea verhinderte Petr Cech mit seinen Elfmeter-Paraden den Sturm des FC Bayern auf Europas Thron, nun soll er wieder der Erfolgsgarant der tschechischen Fußball-Nation werden.

Vor dem EM-Start am Freitag (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) im polnischen Breslau gegen Russland herrscht im Land des Europameisters von 1976 allerdings Skepsis vor. Doch Cech, der Mann "mit dem schwarzen Helm und den goldenen Händen", gibt den Tschechen den Glauben zurück.

Auf "Mr. Google" ist Verlass



"Die Karten sind gleichmäßig verteilt", sagte der 30-Jährige vor der Begegnung mit der zuletzt 14 Spiele ungeschlagenen "Sbornaja". Eine Aussage, die man dem Schlussmann des Champions-League-Siegers Chelsea abnimmt. Cech ist kein Lautsprecher. Er sorgt nicht für Skandale, sondern konzentriert sich auf seine Aufgabe. Der Prototyp eines Torwarts, wie ihn Trainer mögen: Kaum Fehler, keine Show. Er sei da, um Bälle zu halten, und nicht, um durch die Gegend zu fliegen, hat der siebenmalige Fußballer des Jahres in Tschechien einmal erklärt.

Dieses Verständnis des Torwartspiels kommt auch bei seinen Mitspielern gut an, die Cech "Mr. Google" nennen, da er im Internet immer alles über Fußball wissen will. "Wir wissen, dass wir uns voll auf Petr verlassen können und er hinten viel rausholt", sagte Abwehrspieler Tomas Sivok.

Russland voller Selbstvertrauen



Viel Arbeit dürfte auf Cech auch gegen die zuletzt bemerkenswert starken Russen zukommen."Vielleicht haben wir unseren härtesten Gegner im ersten Spiel. Der Favorit in unserer Gruppe ist Russland", sagte der Nationaltrainer Michal Bilek und fügte mit Blick auf den 3:0-Erfolg der Russen bei der EM-Generalprobe in Italien an: "Das verschafft ihnen großen Respekt."

Und es gibt der Mannschaft von Dick Advocaat, die seit dem 9. Februar 2011 unbesiegt ist, eine gehörige Portion Selbstvertrauen. Besonders der "kleine Zar" Andrey Arshavin will die tschechische Abwehr vor große Probleme stellen. "Wir sind zuversichtlich, dass wir in der Lage sind, auf einem hohen europäischen Niveau über einen längeren Zeitraum zu spielen", sagte Arschavin, der mit seinem Team wie schon 2008 ins Halbfinale einziehen will: "Das wäre ein großer Erfolg."

Rosicky trainiert wieder



Und der Respekt der Tschechen ist groß. "Wenn man die Spiele der russischen Mannschaft sieht, gibt es keinen Zweifel, dass Andrey immer noch der wichtigste Akteur ist. Er ist immer noch ein großartiger Spieler und wird eine große Gefahr für uns darstellen", sagte Kapitän Tomas Rosicky, der mit Arshavin vor dessen Wechsel zu Zenit St. Petersburg beim FC Arsenal spielte.

Der Ex-Dortmunder Rosicky plagte sich zuletzt mit Wadenproblemen herum, trainiert seit Montag aber wieder mit der Mannschaft. "Tomas gehört zu unseren wichtigsten Spielern, wann immer wir ihn in unserer Mannschaft haben, sind wir deutlich stärker", sagte Bilek, der aber um den Einsatz von Stürmer Milan Baros (Oberschenkelverletzung) bangt.

Russlands Coach Advocaat warnt nach dem starken Auftritt gegen Italien derweil vor überzogenen Erwartungen. "Wir sollten realistisch bleiben, es war nur ein Testspiel. Auch wenn es eine Tracht Prügel für Italien war, macht uns das nicht zum EM-Favoriten", sagte der 64-jährige Niederländer.

Sorgen um Akinfejew



Advocaat, der mit dem 23-köpfigen Kader im Warschauer Nobel-Hotel Le Meridian Bristol abgestiegen ist, arbeitete zuletzt noch an der Abstimmung in der Defensive. Dort hat der ehemalige Trainer von Borussia Mönchengladbach noch Schwachstellen erkannt, "die uns Probleme in den Gruppenspielen bereiten könnten".

Sorgen bereitet Advocaat derzeit auch noch Torhüter Igor Akinfejev, der unter Knieproblemen leidet. Dennoch blickt der Trainer dem Turnier optimistisch entgegen: "Die Spieler, die vor vier Jahren das Halbfinale erreicht haben, bilden auch noch heute das Rückgrat unseres Teams."