Bremen - Die Spieler und Verantwortlichen von Werder Bremen blickten am Samstag nach dem Schlusspfiff ratlos drein. Mit dem 1:1 gegen den VfB Stuttgart haben die "Grün-Weißen" im Vergleich zum Großteil der Konkurrenz im Kampf gegen den Abstieg zwar gepunktet, doch aufgrund des Spielverlaufs war dieses Remis für die Gäste sehr, sehr schmeichelhaft.

"Man kann niemandem einen Vorwurf machen, der Hunger auf ein gutes Ergebnis war da, das Team lässt nicht locker. Heute stimmte nur das Ergebnis nicht", analysierte Werder-Trainer Thomas Schaaf die Partie treffend.

27:6 Torschüsse und 12:3 Ecken drückten die Dominanz der Hausherren aus. "Wir waren das bessere Team und hätten mehr Tore schießen müssen. Uns hat der Killerinstinkt gefehlt, aber es schießt keiner extra vorbei. Die Tendenz bleibt positiv", meinte Torsten Frings, der mit seinem abgefälschten Schuss zum Endstand traf.

"Auf keinen Fall ein Rückschlag"

Von einem Rückschlag im Kampf um den Klassenerhalt wollte Sandro Wagner nichts wissen. "Das war auf keinen Fall ein Rückschlag für uns. Vor ein paar Wochen hatten wir noch das Problem, dass wir uns keine Chancen erspielt haben. Jetzt haben wir die Chancen und das ist positiv", stellte der Stürmer fest.

Beim vierten Heim-Remis in Folge - das gab es zuletzt im Herbst 1995 - zeigte sich aber wieder einmal deutlich, wie abhängig die Bremer von Torjäger Claudio Pizarro sind, der gegen Stuttgart wegen einer Gelbsperre pausieren musste.Ohne den Peruaner konnte Werder nur eines von elf Spielen gewinnen (fünf Remis, fünf Niederlagen) und holte im Schnitt weniger als halb so viele Punkte. Und ohne Pizarro trafen die Bremer insgesamt auch nur acht Mal ins Tor, mit ihm waren es immerhin 30 Treffer.

Pizarro hofft auf Rückkehr

Für die kommende Partie in Frankfurt steht hinter dem Einsatz Pizarros immer noch ein Fragezeichen. Eine Sprunggelenksverletzung macht ihm zu schaffen. Immerhin, er machte am Montag Hoffnung. "Es ist besser geworden. Ich hoffe, dass es klappt", sagte er. Dass der Erfolg der Norddeutschen aber nicht nur an einem Spieler festzumachen ist, davon ist Kapitän Frings überzeugt. "Die letzten Wochen haben gezeigt, dass wir wieder eine Mannschaft sind. So sind wir hier jahrelang erfolgreich gewesen, weil wir uns immer gegen alles gewehrt haben", so Frings.

Mit der Eintracht, Schalke, St. Pauli und Wolfsburg geht es an den kommenden vier Spieltagen weiter gegen direkte Konkurrenten im Abstiegskampf. Vier Unentschieden wären sicherlich nicht die schlechteste Ausbeute. Aber Sportdirektor Klaus Allofs gab nach dem Stuttgartspiel die Marschroute dann doch vor: "Die Mannschaft geht den richtigen Weg, aber dazu gehören auch Siege."

Aus Bremen berichtet Michael Reis