Mönchengladbach - Im Kampf um den Klassenerhalt hat Borussia Mönchengladbach ein deutliches Lebenszeichen abgegeben. Durch den 1:0-Heimsieg gegen Spitzenreiter Borussia Dortmund hat die Mannschaft von Trainer Lucien Favre erstmals seit dem 12. Spieltag den letzten Tabellenplatz verlassen.

Noch lange nach dem Schlusspfiff feierten die Fans im Borussia Park ihre "Elf vom Niederrhein", die durch eine kämpferisch überzeugende Leistung die Hoffnung auf Rettung am Leben erhalten hat.

Selbstbewusst in den Endspurt

Zumindest der Relegationsplatz ist nun wieder in Reichweite. Dabei waren vor der Partie die Rollen klar verteilt. Letzter gegen Ersten, Abstiegskandidat gegen Fast-Meister, schlechteste Heimmannschaft gegen bestes Auswärtsteam. Trotz der ungünstigen Vorzeichen gelang es den "Fohlen", dem BVB - letztlich zwar glücklich, aber nicht unverdient - ein Bein zu stellen und damit die "Rote Laterne" an den FC St. Pauli abzugeben. Entsprechend selbstbewusst sehen die Gladbacher dem Restprogramm entgegen.

"Drei Spieltage vor Schluss durch einen solchen Sieg den letzten Platz zu verlassen tut unheimlich gut und gibt Auftrieb", sagt Mittelfeldspieler Roman Neustädter. "Wenn wir noch zwei Spiele gewinnen, kommen wir mindestens auf Platz 16."

"Können auch in Hannover gewinnen"

Während anderen Teams wie St. Pauli oder Köln im Saisonendspurt die Luft ausgeht, kommt das Team von Trainer Lucien Favre immer besser in Fahrt. Seit der Schweizer den Club am 23. Spieltag übernommen hat, gewann die Borussia vier der letzten fünf Heimspiele. Davor standen lediglich drei magere Punkte aus elf Partien vor eigenem Publikum zu Buche.

Soll der dritte Bundesliga-Abstieg nach 1999 und 2007 in letzter Minute doch noch verhindert werden, gilt es nun, auch auf fremdem Platz die nötigen Zähler einzufahren. Am kommenden Spieltag wartet beim Champions-League-Aspiranten Hannover 96 eine weitere schwere Aufgabe.

Mit gutem Gefühl nach Hannover

"Wir müssen den Schwung jetzt mitnehmen. Wenn wir so auftreten wie gegen Dortmund können wir auch in Hannover gewinnen, denn wir werden von Spiel zu Spiel sicherer", sagt Neustädter.

Auch der Kapitän glaubt weiterhin an sein Team. "Ich denke, dass wir nun wieder richtig dran sind. Wir fahren jetzt mit einem guten Gefühl nach Hannover. Unser Trend zeigt deutlich nach oben. Alles ist noch möglich", sagt Filip Daems. Dass seine Mannschaft mit dem Druck umgehen könne, haben sie in den letzten Partien bewiesen, auch wenn man zuletzt beim FC Bayern und in Mainz jeweils mit 0:1 leer ausgegangen sei.

Noch keine zwei Siege in Folge

Lucien Favre, der Gladbach zu neuer Stabilität geführt hat, sah den Überraschungscoup seiner Elf gegen den Meisterschaftsfavoriten eher nüchtern. "Der Sieg gegen Dortmund ist gut, aber zu wenig, wir haben noch sehr viel zu tun und können das Restprogramm nicht ändern. Es ist egal, gegen wen wir spielen, wir müssen punkten."

Vor allem muss nun unbedingt klappen, was in dieser Saison noch gar nicht gelungen ist: zwei Spiele in Folge zu gewinnen.

Das Glück kommt zurück

Einen wichtigen Faktor für das Erreichen des Minimalziels Relegationsplatz hat Innenverteidiger Martin Stranzl ausgemacht. "Ich glaube, dass wir uns nun auch endlich das Glück zurückerarbeitet haben, das uns in vielen Spielen gefehlt hat. Das gibt uns schon viel Schwung. Es konnte ja nicht immer so weitergehen, dass wir für unseren Aufwand nicht belohnt werden", erklärt der Österreicher, der erstmals in dieser Saison gemeinsam mit Roel Brouwers, der den verletzten Dante vertrat, im Abwehrzentrum agierte.

Nicht zuletzt aufgrund der großartigen Stimmung nach dem Sieg gegen Dortmund steht für ihn fest: "Dieser Club muss drin bleiben, da stehen wir absolut in der Pflicht. Was hier im Umfeld des Vereins los ist, ist unglaublich."

Aus Mönchengladbach berichtet Markus Hoffmann