Sinsheim - Pierre-Emerick Aubameyang weist in Hoffenheim erneut nach, wie wichtig er für Borussia Dortmund ist. Und das nicht nur wegen seines Treffers, mit dem auch er einen neuen Bundesliga-Rekord aufstellte.

Der Name Robert Lewandowski wird auch am Tag nach dessen Fünf-Tore-Rekord alles überstrahlen würden (Video zum Fünferpack), war den Dortmunder Spielern bewusst. Dabei hatte dessen Nachfolger im BVB-Sturm beim verdienten 1:1 in Hoffenheim ebenfalls einen Bundesligarekord aufgestellt, der noch ein paar Jahre Bestand haben dürfte.

Bis zur 55. Minute in Sinsheim war es noch nie passiert, dass ein Spieler in den ersten sechs Bundesligaspielen jeweils mindestens ein Tor geschossen hat: Pierre-Emerick Aubameyang gelang mit seinem 1:1-Treffer nach wunderschöner Vorarbeit von Gonzalo Castro genau das. Doch damit nicht genug: Sieben Tore an den ersten sechs Spieltagen gelangen beim BVB vor Aubameyang bis dato nur dem legendären Lothar Emmerich. Die Borussen-Ikone, die 2003 verstorben ist, erzielte in der Saison 1965/66 sogar neun Treffer in dieser kurzen Zeitspanne.

In den Fußstapfen von Lothar Emmerich

Doch die Qualitäten, die der Nationalspieler aus Gabun in dieser Spielzeit fast durchgehend zeigt, machen ihn nicht nur wegen seiner Treffsicherheit so wichtig für seine Mannschaft. Mit seiner Schnelligkeit und seiner Dynamik war er auch für die Hoffenheimer Defensive nur schwer zu kontrollieren – wie auch für deren Kollegen in den Spielen zuvor. Dass der 26-Jährige derzeit so zuverlässig trifft wie kein Angreifer vor ihm, rettete dem BVB schließlich einen Punkt gegen starke Hoffenheimer, die dem Gast vor allem in der Zeitspanne bis zum Ausgleich alles abverlangten und weit besser spielten als der Tabellenstand aussagt. Dabei hatte Keeper Roman Bürki allerdings recht, wenn er die Chancenverwertung seiner Vorderleute kritisierte. Auch vor dem Tor, so der Schweizer, habe man "immer mal wieder die falschen Entscheidungen getroffen. Das müssen wir aufarbeiten."

Dass den Dortmundern damit im 12. Pflichtspiel dieser Spielzeit erstmals kein Sieg gelang, konnte man hingegen prima verschmerzen. Zumal ein Blick auf die vergangene Spielzeit genügt, um die tolle Entwicklung der Borussia zu dokumentieren. In der Hinrunde der vergangenen Saison hatte der BVB noch zu Beginn der Winterpause erst 15 Zähler und 18:26 Tore auf dem Konto. Heuer ist man Tabellenzweiter mit der Bilanz von 16 Punkten und 19:4 Toren.

Ende gut, alles gut

Trotz mäßiger erster Halbzeit – nach gut einer Viertelstunde verloren die Gäste ein wenig den Faden – stand am Ende eine durchaus zufriedenstellende Leistung. Und das lag auch an der Einwechslung von Henrikh Mkhitaryan und Ilkay Gündogan, für die zunächst der genesene Marco Reus und Gonzalo Castro in di erste Elf gerückt waren. Die beiden Super-Techniker wirkten wie ein Schwungrad für die BVB-Offensive und setzten die Angreifer immer wieder mit intelligenten Pässen und Flanken in Szene.

Kein Wunder, dass Trainer Thomas Tuchel noch einmal betonte, dass er die beiden nur deshalb nicht für die Stammelf berücksichtigt hatte, um sie nach den zurückliegenden englischen Wochen ein wenig zu schonen. "Das hatte keine Leistungsgründe. Im Gegenteil". Beide hätten zuletzt auch "viele viele Einsätze, auch für ihre Nationalmannschaften" gehabt, so Tuchel, dessen Team am kommenden Sonntag den Überraschungs-Aufsteiger aus Dortmund empfängt.

Aus Sinsheim berichtet Christoph Ruf