Berlin - Das große Geheimnis des DFB-Pokals hat Jürgen Klopp seinem Kontrahenten Pep Guardiola bereits verraten. Den Grund, warum diese Trophäe eine solche Bedeutung hat in Deutschland. "Man kann etwas reinfüllen, das ist der große Vorteil", teilte Borussia Dortmunds Coach dem Spanier augenzwinkernd mit.

Meister-Trainer Guardiola ist hierzulande noch ein Final-Novize, der Rummel in der Hauptstadt vor dem Traumfinale (ab 19:30 Uhr im Live-Ticker) dürfte ihm aber nicht entgangen sein. Berlin fiebert dem emotionalen Schlusspunkt der Saison entgegen.

Neues Ausmaß der Berichterstattung

Auf dem Breitscheidplatz an der Gedächtniskirche stimmen sich seit Samstagvormittag tausende Fans auf das Endspiel ein. Schwarz und Gelb sind dort die bestimmenden Farben, rund 50.000 Fans sind dem BVB nach Berlin gefolgt. In S- und U-Bahnen singen sich bereits seit Freitag Anhänger beider Lager für das Endspiel warm.

Diejenigen, die nicht vor Ort sein können, werden trotzdem bestens informiert: Über 800 Medienvertreter aus aller Welt berichten vom Kracher im mit 74.907 Zuschauern ausverkauften Olympiastadion. 189 Länder übertragen das Duell der beiden besten Teams der Bundesliga - so viele wie nie zuvor. bundesliga.de hat die Fakten zum Finale.

Die Ausgangslage: Druck liegt beim FCB

Vizemeister Dortmund kann mit dem vierten Pokalsieg eine sehr gute Saison veredeln. "Dieses Spiel ist das Größte, was unter den derzeitigen Umständen zu spielen ist", sagt Klopp, dessen Team die Bayern in dieser Spielzeit bei drei Aufeinandertreffen bereits zwei Mal bezwungen hat. Guardiola und sein rekordverwöhntes Ensemble stehen stärker unter Druck, die Saison verlief sehr ernüchternd nach der frühesten Meisterschaft aller Zeiten im März (Schlüsselduelle).

Nach dem Champions-League-Aus gegen Real Madrid könnte es im Falle eines Sieges für die Münchner doch noch eine "sehr gute Spielzeit" werden, meint Sportvorstand Matthias Sammer. Sollten die Roten das Double dagegen verpassen, droht ein unruhiger Sommer an der Säbener Straße.

Bilanz: Dritte Begegnung im Finale

Im Pokal trafen Bayern und Dortmund sechs Mal aufeinander, vier Mal gewannen die Münchner. Im Endspiel trafen sich die Kontrahenten bislang zwei Mal. 2008 gewann der Rekordpokalsieger von der Isar mit 2:1. Beim denkwürdigen Finale 2012 schlug der BVB den FCB mit 5:2. Der künftige Münchner Robert Lewandowski knipste damals drei Mal.

Spieler im Fokus: Alle Augen auf Lewandowski

Lewandowski ist fit für das Endspiel, Klopp gab am Freitag Entwarnung beim Torschützenkönig, den Wadenprobleme plagten. In seinem letzten Spiel für den BVB trifft der Pole auf seinen künftigen Arbeitgeber. Während Dortmund auf Ersatzkeeper Mitch Langerak (Knie) sowie die Langzeitverletzten Neven Subotic, Jakub Blaszczykowski, Ilkay Gündogan und Sven Bender verzichten muss, fehlen beim FC Bayern im Finale David Alaba (Muskelfaserrisss in der Hüftmuskulatur), Bastian Schweinsteiger (Knieprobleme), Thiago (Innenbandanriss) und überraschend Mario Mandzukic. Den Kroaten hat Guardiola aus dem Aufgebot gestrichen und damit für den großen Aufreger am Tag vor dem Endspiel gesorgt. Noch ungewiss ist, ob und wie lange Franck Ribery spielen kann. Den französischen Flügelflitzer bremsen Rückenprobleme, er sitzt zunächst auf der Bank. Außerdem schlägt die große Stunde des 18 Jahre alten Pierre Emile Höjbjerg.

Das Objekt der Begierde

Olympiasiegerin Maria Höfl-Riesch trägt den Pokal ins Olympiastadion. Die Trophäe ist 52 cm hoch und 5,7 kg schwer. Sie besteht aus mit 250 Gramm Feingold feuervergoldetem Sterlingsilber. Den Cup zieren zwölf Turmaline, zwölf Bergkristalle und achtzehn Nephriten. Der Pott hat ein Fassungsvermögen von acht Litern - Klopp hat Guardiola also nicht zu viel versprochen.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Borussia Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Sokratis, Hummels, Schmelzer - Jojic, Sahin - Mkhitaryan, Reus, Großkreutz - Lewandowski

FC Bayern München: Neuer - Rafinha, Boateng, Dante, Lahm - Martinez, Höjbjerg - Robben, Kroos, Götze - Müller

Schiedsrichter: Meyer

Aus Berlin berichtet Andreas Messmer