Viel frischer Wind wird in der kommenden Saison durch die Stadien der Bundesliga wehen - dafür sorgen nicht nur die vielen interessanten und hochklassigen Neuverpflichtungen und Spielertransfers, sondern auch die hohe Anzahl an Trainerwechseln in der Sommerpause. bundesliga.de hat die Trainersituation genauer unter die Lupe genommen.

Gleich acht Mannschaften werden sich ab Trainingsbeginn unter neuer Regie auf die kommende Spielzeit vorbereiten. Hinzu kommen die drei Coaches der Aufsteiger, die ebenso wie der neue Cheftrainer des FC Bayern München, Louis van Gaal, Bundesliga-Neulinge sind.

Alles Neue bringt... der Sommer

Demnach gehen nur sieben der 18 Bundesligisten mit einem Coach in die Saison, der sie schon 2008/09 begleitet hat. Einen größeren "Tapetenwechsel" gab es nur 1978/79. Da saßen im Vergleich zur Vorsaison gleich zwölf im jeweiligen Verein neue Gesichter auf den Trainerbänken.

Acht aus 18: Selten drehte sich das Trainerkarussell so schnell wie in diesem Sommer. Der FC Bayern München (van Gaal), der Hamburger SV (Bruno Labbadia), Borussia Mönchengladbach (Michael Frontzeck), der FC Schalke 04 (Felix Magath), Eintracht Frankfurt (Michael Skibbe), Bayer Leverkusen (Jupp Heynckes), der VfL Wolfsburg (Armin Veh) und der 1. FC Köln (Zvonimir Soldo) haben den Trainer gewechselt.

Das gab es zuletzt im Sommer 1987. Homburg (Uwe Klimaschefski), Uerdingen (Horst Köppel), Frankfurt (Karl-Heinz Feldkamp) und Bayern München (Heynckes) setzten auf neue Übungsleiter mit Bundesliga-Erfahrung. Felix Latzke (Mannheim), Wolf Werner (Mönchengladbach), Arie Haan (Stuttgart) und Josip Skoblar (Hamburg) waren nicht nur neu bei ihrem Club, sondern standen zudem vor ihrem Bundesliga-Debüt als Trainer.

Abschied nach Titel

Im Sommer 1975 und ein Jahr später versuchten jeweils sechs Clubs ihr Glück mit einem neuen Coach, der schon Bundesliga-Erfahrung hatte. Dieser Rekord wurde nun eingestellt (Frontzeck, Heynckes, Labbadia, Magath, Skibbe, Veh). Da sich der 1. FC Köln mit Soldo für einen Trainerneuling im Bundesliga-Geschäft entschieden hat, wurde eine neue Bestmarke verfehlt.

Auffällig war zuletzt auch, dass in den vergangenen beiden Spielzeiten drei der fünf besten Teams der Saison ihren Trainer gewechselt haben. Zudem verließ der Meistertrainer der vergangenen beiden Spielzeiten den Club, den er zum Titel geführt hat (Ottmar Hitzfeld, Magath).

Debütantenball

Jörn Andersen (1. FSV Mainz 05), Robin Dutt (SC Freiburg), Michael Oenning (1. FC Nürnberg), Soldo und van Gaal werden am zweiten Augustwochenende ihr Debüt als Trainer in der Bundesliga geben. Schon in der abgelaufenen Saison gab es vier "Frischlinge", wenngleich keiner als Aufsteiger in die Bundesliga kam.

Damals feierten am 1. Spieltag Martin Jol (Hamburger SV), Jürgen Klinsmann (Bayern München), Bruno Labbadia (Bayer Leverkusen) und Fred Rutten (Schalke 04) ihren Einstand als Übungsleiter in der Bundesliga.

Neulinge mit schwerem Stand

Alle vier Trainerneulinge verließen spätestens kurz nach Abschluss der frisch beendeten Saison ihren Arbeitgeber wieder. Rutten und Klinsmann mussten gar schon während der Saison ihren Platz räumen. Jol schaffte es zumindest in die Europa League, ehe er zu Ajax Amsterdam ging, und Labbadia führte Bayer ins Pokalendspiel, bevor er Jol in Hamburg beerbte.

Sieht man von der allerersten Bundesliga-Saison 1963/64 ab, wurden erst zwei Mal in der Liga-Geschichte Coaches in ihrer Premierenspielzeit Deutscher Meister, für die die Bundesliga vor Saisonstart noch Trainer-Neuland war: Das waren 1968/69 Branko Zebec mit dem FC Bayern und Ernst Happel 1981/82 mit dem Hamburger SV. Es gibt also keine Titelgarantie für van Gaal und Co.

Trainer aus der "Nachbarschaft"

Bayerns neuer starker Mann an der Seitenlinie setzt zudem eine kleine Tradition fort: Er ist der elfte niederländische Trainer, der in der Bundesliga anheuert. Allerdings holte noch keiner seiner Landsmänner vor ihm die Deutsche Meisterschaft.

Der erfolgreichste Trainer-Export aus dem Nachbarland war sicherlich Huub Stevens. Er holte 1997 mit Schalke 04 den UEFA-Cup, gewann mit den Knappen zwei Mal den DFB-Pokal, stieg 2005 mit dem 1. FC Köln in die Bundesliga auf und rettete 2007 den Hamburger SV vor dem Abstieg.