Jens Lehmann ging als Philosoph, Oliver Neuville hatte Tränen in den Augen, und Kevin Kuranyi folgte dem Lockruf des Rubels: Zwei WM-Helden und ein Verbannter verabschiedeten sich am Samstag aus der Bundesliga.

"Da hat man erst so richtig gemerkt, dass jetzt 'Game over' ist. Aber alles ist nun mal endlich im Leben", sagte Ex-Nationaltorwart Lehmann, der wie Stürmer Neuville seine Karriere beendete. Kuranyi verkündete nach dem Bundesliga-Finale seinen Wechsel zu Dinamo Moskau.

Lehmann freut sich über "versöhnliches Ende"

"Mir geht es gut. Es hat Spaß gemacht. Es war aber auch sehr emotional", sagte der 40-jährige Lehmann, der nach seinen diversen Problemen in den vergangenen Monaten mit verschiedenen Balljungen nach dem 1:1 (1:1) des VfB Stuttgart bei 1899 Hoffenheim ausgerechnet einem jungen Hoffenheimer an der Bande sein letztes Trikot schenkte und sich nach seinem 394. und letzten Spiel in der deutschen Eliteklasse mit Handküssen ins Publikum verabschiedete.

Wie sein Vorruhestand aussehen wird, weiß Lehmann allerdings selbst noch nicht so richtig. "Das werde ich tun. Aber da werde ich erst reinwachsen müssen", antwortete der Keeper auf die Frage, ob er nun sein Leben ohne den Fußball genießen werde. Zunächst freute sich Lehmann, der nach seinen Großtaten bei der WM 2010 als TV-Experte für Sky die Weltmeisterschaft in Südafrika verfolgen wird, über seinen abschließenden Erfolg mit dem VfB.

"Wenn man bedenkt, wie groß der Rückstand nach der Hinrunde war, dann war das ein versöhnliches Ende", bilanzierte der Torwart des besten Rückrundenteams, das vom 15. Platz nach Abschluss der Hinrunde noch in die Europa League gestürmt war.

Neuville: "Der Ball war schneller als ich"

Mit feuchten Augen drehte Neuville seine letzte Ehrenrunde. Der 37-Jährige wurde nach dem 1:1 (0:1) zwischen Borussia Mönchengladbach und Bayer Leverkusen sowohl von den Gastgebern als auch von den Fans der "Werkself" mit La Ola verabschiedet.

"Sicher habe ich die eine oder andere Träne verdrückt, aber das ist normal in meiner Situation. Einen besseren Abschied hätte ich mir kaum vorstellen können", sagte der WM-Dritte von 2006 nach seinem 334. und letzten Spiel in der Bundesliga.

Zum Abschied blitzte noch einmal der alte Ehrgeiz auf: "Okay, ein Tor hätte ich schon noch gerne gemacht, und fast hätte es ja auch geklappt, doch der Ball war schneller als ich." Damit meinte er eine Szene in der 70. Minute, als er nur um Zentimeter an einer Flanke und damit an seinem 92. Bundesliga-Tor vorbeirutschte.

Kuranyi entscheidet sich für das Gesamtpaket Moskau

Sein letztes Hemd gab Torjäger Kuranyi nach dem 0:0 von Vizemeister Schalke 04 beim 1. FSV Mainz 05. Singend und tanzend warf der 28-Jährige, der wie schon 2006 erneut nicht ins WM-Aufgebot berufen wurde, bis auf die Unterhose alle Kleidungsstücke in den Schalker Block. Nach der besten Bundesliga-Saison seiner Karriere mit 18 Toren wechselt der Ex-Nationalspieler nach Russland.

"Ich bin mir durchaus bewusst, dass einige von euch jetzt bestimmt ungläubig den Kopf schütteln und denken: Was um aller Welt will er in Moskau? Ich habe immer gesagt, dass am Ende das Gesamtpaket stimmen muss. Das Gefühl habe ich bei Dinamo. Ein Aspekt ist sicher das Finanzielle. Alles andere zu behaupten wäre heuchlerisch", schrieb Kuranyi, der in Moskau einen Vertrag bis 2013 unterschreibt, auf seiner Homepage.

111 Tore in 261 Bundesliga-Spielen stehen in seiner Vita, aber auch die Verbannung aus der Nationalmannschaft nach seiner Flucht von der Tribüne in Dortmund im Oktober 2008.